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Gymnasium in Bayern:Lernen mit Frühwarnsystem

Abi-Prüfung

Manchmal sind Lerninhalte so schwer, dass man sich am liebsten die Haare raufen möchte. Eine Broschüre soll helfen, Schüler gezielter zu fördern.

(Foto: dpa)

Die Gymnasien bekommen jetzt eine Broschüre, um besser auf die Schwächen der Schüler eingehen zu können - so auch per Flexibilisierungsjahr. Kritiker sehen darin ein Feigenblatt, "um nicht zum G 9 zurückkehren zu müssen".

Von Tina Baier

Zwölf zusätzliche Stunden pro Woche bekommt jedes bayerische Gymnasium nächstes Schuljahr, um besser auf Schwächen und Stärken einzelner Schüler eingehen zu können. Wie diese individuelle Förderung konkret aussehen könnte, hat das Kultusministerium nun in einer "Erstinformation" zum Thema "Individuelle Lernzeit am Gymnasium" erläutert, die der Süddeutschen Zeitung bereits vorliegt.

In den nächsten Tagen wird diese Broschüre an die Schulleiter sämtlicher Gymnasien verschickt. Die "individuelle Lernzeit" betrifft demnach Schüler der Mittelstufe und hat drei Komponenten: erstens ein "Frühwarnsystem", das dazu beitragen soll, Schüler in Schwierigkeiten zu erkennen. Zweitens Förderangebote, durch die die betroffenen Schüler ihre "fachlichen Lücken" schließen können. Und drittens ein "Flexibilisierungsjahr", das Schüler der Mittelstufe nach der achten, neunten oder zehnten Klasse einschieben können. "Ich bin froh, dass wir jetzt so weit sind", sagt Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), und er klingt fast euphorisch dabei.

Unter Schulleitern und Lehrern hält sich die Euphorie über die individuelle Lernzeit, die seit September an zwölf ausgewählten Gymnasien erprobt wird, und nächstes Schuljahr flächendeckend angeboten werden soll, in Grenzen. "Das ursprüngliche Ziel, die Schüler der Mittelstufe zu entlasten, wurde nicht erreicht", sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands und Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf.

"Das Ganze ist ein Feigenblatt, um nicht zum G 9 zurückkehren zu müssen", sagt Walter Bertl, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands (bpv). Das "Grundübel" des G 8, nämlich die Tatsache, dass man den Stoff aus neun Jahren nicht auf acht Jahre komprimieren könne, ohne den Druck auf die Schüler zu erhöhen, werde dadurch nicht gelöst. Meidinger ist überzeugt, dass viele Eltern und Schüler statt individueller Lernzeit lieber eine Wahlmöglichkeit zwischen G 8 und G 9 hätten. "So wie in Hessen, wo mittlerweile die Hälfte der Gymnasien zum G 9 zurückgekehrt sind."

Besonders groß ist die Skepsis gegenüber Spaenles Flexibilisierungsjahr. In der "Erstinformation" an die Schulen steht, dass es in zwei Varianten angeboten werden soll: In Variante 1 entscheidet sich der Schüler, "am Ende der bestandenen Jahrgangsstufe 8, 9 oder 10, die jeweilige Jahrgangsstufe in modifizierter Form erneut zu belegen", heißt es dort. In Variante 2 entscheidet sich der Schüler "mit Blick voraus", die Jahrgangsstufe 8 oder 9 in zwei Etappen zu durchlaufen.

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