Geschäfte mit Modellautos und Drogentests:Disziplinarverfahren gegen Haderthauer

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Haderthauer unter Beschuss

Das Ehepaar Haderthauer: Gegen Hubert Haderthauer wird nun ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

(Foto: dpa)

Im Landtag scheiterte die Opposition kürzlich mit dem Versuch, die Geschäfte des Ehepaares Haderthauer - er Landgerichtsarzt, sie Sozialministerin - mit teuren Modellautos zu durchleuchten. Nun hat Hubert Haderthauer ein Disziplinarverfahren am Hals. Zwei Vorwürfe stehen im Raum.

Von Dietrich Mittler

Die Landesanwaltschaft Bayern hat gegen den in Ingolstadt tätigen Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Behörde bestätigte am Mittwoch einen Bericht der Augsburger Allgemeine, dass es beim Ehemann der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer Anhaltspunkte gebe, "die den Verdacht eines Dienstvergehens rechtfertigen".

Nach Angaben des Münchner Rechtsanwaltes Gerd Tersteegen, der Hubert Haderthauer vertritt, stehen zwei Vorwürfe im Raum. Zum einen wird seinem Mandanten zur Last gelegt, in privatärztlicher Nebentätigkeit Geld für Drogenscreenings eingenommen zu haben, obwohl dies in seinen Aufgabenbereich als Leiter der landgerichtsärztlichen Dienststelle falle.

Zum anderen habe Haderthauer seine Dienstpflichten verletzt, weil er in seiner Zeit als Arzt im Bezirkskrankenhaus Ansbach (von 1986 bis 1991) auch für die Firma "Sapor Modelltechnik" tätig war - ohne sich von seinem Dienstherrn diese Nebentätigkeit genehmigen zu lassen. Die laut Haderthauer 1990 gegründete Firma vertrieb zu dieser Zeit hochwertige Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern in der forensischen Klinik Ansbach im Rahmen ihrer Arbeitstherapie hergestellt worden waren.

Seitdem bekannt ist, dass Haderthauers Frau Christine 1990 als Teilhaberin in die Firma einstieg (nachdem die Vorläuferfirma pleite gegangen war), steht auch die jetzige Sozialministerin im Kreuzfeuer der Kritik. Im Jahr 2008 wurden die Anteile an Sapor verkauft, als sie zur Ministerin berufen wurde.

Für Christine Haderthauer ist aus diesem Sachverhalt "in keinerlei Hinsicht etwas Kritikwürdiges abzuleiten", betont Tersteegen. Die Geschäfte habe ihr Mann geleitet, und der gesamte Komplex betreffe ihre Zeit vor ihrem landespolitischen Engagement.

Anwalt Tersteegen warf der Landesanwaltschaft vor, in der Sache Haderthauer - entgegen allen rechtsstaatlichen Grundsätzen - auf Vorermittlungen verzichtet und statt dessen gleich ein Disziplinarverfahren eingeleitet zu haben. "Wenn Herr Haderthauer Müller oder Maier heißen würde, wäre gar nichts passiert", sagte er.

Was die Vorwürfe in Bezug auf Sapor betreffe, so sei dieser Sachverhalt verjährt. Gleiches gelte beim Drogenscreening. Aber in diesem Fall habe Haderthauer gar eine Erlaubnis zur Nebentätigkeit gehabt. "Das geht aus wie das Hornberger Schießen", prophezeite Tersteegen.

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