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Gedenken an Staatsbesuch:Triumphzug des Franzosen

Vor 50 Jahren besuchte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle München - und kehrte in das Bundesland zurück, wo er seine Kriegsgefangenschaft verbracht hatte. Die bayerische Staatsregierung ergriff die Chance, die Eigenständigkeit Bayerns zu demonstrieren.

Staatsbesuche werden in der Regel mit einer solchen Routine abgewickelt, dass sich kaum jemand vorstellen kann, welche Probleme sich manchmal bei der Organisation solcher Großereignisse auftürmen. Vor 50 Jahren stand das Bonner Protokoll vor der Schwierigkeit, ein angemessenes Nachtlager für den fast zwei Meter großen Charles de Gaulle zu finden.

de Gaulle in Bonn

An der Seite von Konrad Adenauer bereiste Charles de Gaulle vor 50 Jahren die Bundesrepublik. Neben Bonn besuche er auch München und Hamburg.

(Foto: dpa)

Der französische Staatspräsident weilte bei seinem viel beachteten Deutschlandbesuch drei Nächte in Bonn, eine Nacht in Hamburg und eine in München. Am schnellsten reagierte die bayerische Staatsregierung, die sich ohne größere Umschweife auf die monarchische Tradition des Landes besann und dem Franzosen in der Münchner Residenz ein sonst von Touristen begafftes Prunkbett von drei Meter Länge zur Verfügung stellte.

Der vom 4. bis zum 9. September 1962 dauernde Besuch des französischen Staatspräsidenten ist als ein herausragendes Ereignis der Zeitgeschichte und des europäischen Einigungsprozesses in die Annalen eingegangen. De Gaulle reiste an der Seite des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer durch die Republik und warb in seinen Reden, die er publikumsträchtig auf Deutsch hielt, für die Überwindung der "Erbfeindschaft" zwischen Deutschland und Frankreich und für die Schaffung eines Europas vom Atlantik bis zum Ural.

Mag sich bei den Reden vieles um Deutschland und Europa gedreht haben, so ist doch augenfällig, welch große Aufmerksamkeit de Gaulle dem Land Bayern schenkte. Aber er hatte gute Gründe für sein Verhalten. Nicht nur die tausendjährigen und recht vielfältigen Beziehungen Frankreichs zu Bayern, sondern auch de Gaulles einstige Kriegsgefangenschaft in Ingolstadt und im Frankenwald bildeten den Grundstock für eine emotionale politische Begegnung, wie sie das Bayern der Nachkriegszeit nur selten erlebt hat.

Zehntausende Menschen säumten an jenem Samstag die Straßen vom Flughafen Riem bis zur Innenstadt. Es herrschte eine aufgeregte, erwartungsvolle Stimmung, die Presse hatte ihrer Leser im Vorfeld umfangreich über die wesentlichen Aspekte der bayerisch-französischen Beziehungen unterrichtet. Unter dem Jubel der Menge fuhren de Gaulle und der bayerische Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) im offenen Wagen durch die Stadt, wo den Gast ein dicht gedrängtes Programm erwartete. Der Höhepunkt des knapp 24-stündigen Besuchs aber war die Rede de Gaulles vor 100 000 Zuhörern auf dem Odeonsplatz.