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Garmisch-Partenkirchen:Bauern könnten Olympia-Bewerbung blockieren

Erst Oberammergau, jetzt Garmisch. Noch immer weigern sich Eigentümer zentraler Grundstücke, ihr Land für die Spiele herzugeben - mit möglicherweise fatalen Folgen für die Bewerbung.

Die Bewerbung für Olympische Winterspiele in München und Garmisch ist in Gefahr. Nachdem der Widerstand der Oberammergauer die Münchner Bewerbungsgesellschaft am Freitag bereits dazu gezwungen hatte, die Langlauf- und Biathlonwettbewerbe auf das staatliche Gut Schwaiganger bei Ohlstadt zu verlegen, könnte sich das Schicksal des Austragungsortes Garmisch-Partenkirchen möglicherweise noch in dieser Woche entscheiden - mit fatalen Auswirkungen auf die Bewerbung.

Olympia-Konzept auf dem Prüfstand

Erst Oberammergau, jetzt Garmisch: Im Kreis macht ein Bündnis mobil gegen die Olympischen Winterspiele 2018.

(Foto: dpa)

Von Dienstag an hat die Gemeinde die Garmischer Grundstückseigentümer zu Gesprächen ins Rathaus bestellt. Sie müssten für den Bau von Sportstätten, Athletendorf, Pressezentrum und Parkplätzen ihr Land zur Verfügung stellen.Der Garmisch-Partenkirchener Bürgermeister Thomas Schmid vom Christlich-Sozialen Bündnis und Vertreter der Bewerbungsgesellschaft werden, wie in Oberammergau, mit den Landwirten persönlich verhandeln.In der Marktgemeinde sollen im Falle eines Zuschlages für die Kandidatenstadt München die alpinen Wettbewerbe stattfinden.

Einige Besitzer zentraler Grundstücke sind offenbar nach wie vor nicht bereit, ihr Land für die Spiele zur Verfügung zu stellen. Von den etwas mehr als 20 Eigentümern sollen vier ihr Land eintauschen oder verkaufen. Die anderen sollen - wie dies auch in Oberammergau vorgesehen war - ihre Grundstücke gegen eine Entschädigung vorübergehend zur Verfügung stellen.

Unter ihnen sind nach wie vor auch die vier Eigentümer, auf deren Land ein Pressezentrum geplant ist. Sie haben nach Angaben des olympia-kritischen Bündnisses "Nolympia" bekräftigt, dass sie den Überlassungsvertrag nicht unterschreiben wollen. Diesen hat der Bauernverband mit Bewerbungsgesellschaft und Regierung ausgehandelt. Darin sind lukrative Entschädigungszahlungen und Garantien für die Wiederherstellung des Geländes festgeschrieben.

Für Verstimmung hatte bei den Landwirten gesorgt, dass sie die Vertragsentwürfe erst Ende vergangener Woche bekommen hatten - mit einem Begleitschreiben, in dem sie aufgefordert wurden, den Vertrag schon unterschrieben zu den Gesprächen mitzubringen.

Ob es gelingen wird, alle Landwirte für Olympia zu gewinnen, ist ungewiss. In der Bevölkerung sei zwar eine knappe Mehrheit für die Spiele spürbar, auf der Seite der Grundstücksbesitzer seien aber die Kritiker in der Mehrheit, sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter der Süddeutschen Zeitung.

Auch die olympische Vergangenheit des Ortes könnte dabei eine Rolle spielen. Denn vor den später abgesagten Winterspielen 1940 waren einige Landwirte für das Projekt enteignet worden. Einige der Eigentümerfamilien, die ihr Land jetzt zur Verfügung stellen sollen, gehören zu den damals Enteigneten.

Auch das Bündnis Nolympia unterstützt die Landwirte in ihrer Kritik. "Wir wagen uns jetzt vor mit der Aussage: Wir wollen nichts mehr nachbessern, sondern die Münchner Olympia-Bewerbung kippen", sagt Ludwig Hartmann, grüner Landtagsabgeordneter und Sprecher von Nolympia. Der Erfolg, den sie in Oberammergau erzielt hätten, gebe ihnen Schwung.

Schon in der kommenden Woche sollen in Garmisch-Partenkirchen ähnliche Unterschriftenlisten ausgelegt werden wie zuvor in Oberammergau. Formal handelt es sich dabei noch nicht um Unterschriften, die ein Bürgerbegehren erzwingen können. Sie sollen aber den Landwirten den Rücken stärken - und später genutzt werden, um die notwendigen 2400 Stimmen für ein Bürgerbegehren schneller zu sammeln, sobald eine entsprechende Fragestellung für ein Begehren juristisch geprüft ist, sagt Hartmann. Die Olympia-Bewerbungsgesellschaft wollte auf Anfrage keine Einschätzung über den bisherigen Erfolg der Grundstücksverhandlungen abgeben.