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Druck auf Bischof Mixa wächst:"Wir nehmen die Vorwürfe ernst"

Die Leitung des Kinderheims in Schrobenhausen geht auf die ehemaligen Heimkinder zu, die schwere Anschuldigungen gegen Walter Mixa erhoben haben - und distanziert sich deutlich vom Augsburger Bischof. Der Katholikenkreis der CSU sieht für Mixa die letzte Chance, reinen Tisch zu machen.

Die Leitung des Kinderheims in Schrobenhausen distanziert sich in einem Brief von der Öffentlichkeitsarbeit des Augsburger Bischofs Walter Mixa, der als Stadtpfarrer von Schrobenhausen für das Kinderheim zuständig war.

Der heutige Stadtpfarrer Josef Beyrer und der Heimleiter Herbert Reim haben die sieben Männer und Frauen angeschrieben, die Mixa vorwerfen, er habe sie im Kinderheim mit Faust, Stock und Teppichklopfer geschlagen.

"Wir möchten Ihnen an dieser Stelle versichern, dass wir Ihre Vorwürfe ernst nehmen", heißt es in dem Schreiben, das der SZ vorliegt. "Leider haben wir keinen Einfluss darauf, wie Herr Bischof Dr. Mixa mit Ihren Vorwürfen umgeht." Auch der Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Jesuitenpater Klaus Mertes, hat Mixa kritisiert. "Wir dürfen Opfer nicht diskreditieren, wie er es tat", sagte Mertes der Wochenzeitung Die Zeit.

Der frühere Wissenschaftsminister und Sprecher des christsozialen Katholikenkreises, Thomas Goppel, erklärte am Mittwoch auf Anfrage der SZ: "Für den Bischof ist dies jetzt der allerletzte Zeitpunkt, wo er noch reinen Tisch machen kann."

Walter Mixa müsse jetzt rauskommen aus der selbstgewählten Wagenburg, nur dann könne er seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. "Weiteres Schweigen verschlimmert nur die Ausgangslage", sagte Goppel und fügte an: "Sollte er bislang auf den Rat seines Medienchefs Dirk Hermann Voß gehört haben, dann war dessen Rat schlicht und ergreifend falsch."

Sieben Männer und Frauen im Alter von 41 bis 47 Jahren sind inzwischen bereit, vor Gericht auszusagen, dass sie in den siebziger und achtziger Jahren vom damaligen Schrobenhausener Stadtpfarrer Mixa geschlagen wurden. An diese ehemaligen Heimkinder schreiben Josef Beyrer und Herbert Reim: "Wir sind uns dessen bewusst, dass diese Entschuldigung weder Geschehenes ungeschehen machen noch Ihren Schmerz und Ihre Gefühle gegenüber dem Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef sowie Herrn Bischof Dr. Mixa lindern kann." Der Brief schließt mit einem Geprächsangebot, wahlweise mit Vertretern des Heimes oder einer unabhängigen Stelle im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen.

Während das Kinderheim körperliche Übergriffe seit längerem einräumt, streitet Bischof Mixa bislang alle Vorwürfe strikt ab und spricht davon, er habe ein "reines Herz". Er und sein Pressesprecher Voß verkündeten über die Medien zwar ein "Gesprächsangebot" an die Betroffenen - aber stets verbunden mit der Aussage, die Vorwürfe seien absurd und unwahr.

Auch die jüngste Erklärung des Bistums zu den "finanziellen Unregelmäßigkeiten" im Kinderheim Schrobenhausen während der Ära Mixa lässt Fragen offen. Mixa steht in der Kritik, weil er Mitte der neunziger Jahre mit Geld aus der Waisenhausstiftung einen Teppich und einen teuren Kupferstich gekauft haben soll. Der Teppich liegt in der Stadtpfarrkirche, während die Angaben über den Verbleib des Stichs bislang widersprüchlich sind.