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CSU im Wahlkampf:Wie "Euro-Moni" um die Basis buhlt

CSU-Chef Seehofer wollte Hohlmeier als Spitzenkandidatin für die Europawahl - und scheiterte. Auf ihrer Tour kämpft sie um jede Stimme.

Es ist ein großes Werk und von außen so schön anzusehen. Weiß-blau leuchtet die Maschinenfabrik Fischer in der Frühjahrssonne, weiß-blau wie der Himmel. Drinnen ist alles blitzblank. Irritierend nur, dass hier keiner arbeitet. Drei Menschen stehen an einer Maschine.

Monika Hohlmeier, CSU, seyboldtpress

Monika Hohlmeier - auf Wahlkampftour für das Europaparlament.

(Foto: Foto: Seyboldtpress)

Dabei ist heute ein normaler Werktag und Fischer in Burgkunstadt der größte Arbeitgeber. 370 Leute beschäftigt der Weltmarktführer für die Herstellung von Schneideanlagen in der Reifenindustrie. "Wir sind seit Januar auf Kurzarbeit", sagt Geschäftsführer Bernd Hoffmann. Die Wirtschaftskrise habe auch sie erreicht. Sorgen mache er sich aber keine. Seine Hoffnung heißt China. "Da zieht der Markt wieder an."

Monika Hohlmeier hört sich das alles aufmerksam an. Drei Wochen vor der Europawahl kommt es für die CSU-Kandidatin in Oberfranken auf jede Stimme an. Schön, wenn es da bei einem Termin mal keinen Ärger gibt. Mal kein Unternehmen, das Subventionen vom Staat fordert. Mal keine Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze bangen. Schwierig wird es für sie erst nach der Führung.

Bei Lachshäppchen will die Unternehmensspitze wissen, was einen CSU-Mann wie Erwin Huber bewogen habe, die Bayerische Landesbank in den USA spekulieren zu lassen und dabei so viele Milliarden in Sand zu setzen? Und warum der Mittelstand, wenn er um einen Kredit anfrage, Auflagen bekomme, "dass es kracht". Hohlmeier hat die Antwort schon parat, die Schuldigen sind in der "Bankenwelt" zu suchen, bei den Ratingagenturen und in den Vorstandsetagen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte man deren Handeln schon vor zehn Jahren einen Riegel vorgeschoben, sagt sie.

Hohlmeier strotzt vor Energie. Seit Wochen reist sie durch Oberfranken, täglich ist sie 16 Stunden unterwegs. Neben der Maschinenfabrik Fischer steht heute ein Besuch beim Spargelbauer in Mainleus auf dem Plan, anschließend geht es zum Metzger, dann zum CSU-Ortsverein.

Für keinen Termin ist sich die 46-Jährige zu schade. Schließlich muss die CSU am 7. Juni den Wiedereinzug ins Europaparlament schaffen; mehr noch geht es um ihr eigenes politisches Comeback, nachdem sie 2005 über die Münchner Wahlfälscher-Affäre gestolpert war, als Kultusministerin zurücktreten musste und dann auch noch bei den Landtagswahlen im Herbst 2008 ihr Mandat verloren hat.

Als Oberbayerin soll sie nun in Oberfranken Stimmen erobern - in einem Bezirk, in dem sie von der CSU-Spitze als Kandidatin gegen den erbitterten Widerstand in den eigenen Parteien durchgesetzt worden war. CSU-Oberfrankenchef und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte sie im Dezember überraschend ins Spiel gebracht, unterstützt durch Regierungschef Horst Seehofer.

Ärger über die Nacht- und Nebelaktion

Verärgert über die Nacht- und Nebelaktion waren in Oberfranken einige Mitglieder aus der CSU ausgetreten - doch Seehofer hatte unbeirrt an seiner Kandidatin Hohlmeier festgehalten. Im Januar war sie auf Platz sechs der CSU-Liste nominiert worden und Seehofer ist höchst zufrieden. Die "Euro-Moni" sei fleißig, sagt er. "Die Wut ist weg", konstatiert der Chef.

"Das trifft schon, wenn es persönlich und aggressiv wird", erzählt Hohlmeier von ihren ersten Auftritten in Oberfranken Anfang des Jahres. Im Februar hat sie in Bad Staffelstein bei Kloster Banz eine Wohnung gemietet, bald zieht sie in ein eigenes Haus. Die Leute dort hätten sie willkommen geheißen. Von Veranstaltung zu Veranstaltung gehe es nun immer friedlicher zu, beteuert sie. Doch wisse sie auch, dass sie nicht jeden für sich gewinnen könne.

Zum Beispiel nicht Anneliese Kastner. Sie ist CSU-Gemeinderätin in Mainleus und hat sich unter Hohlmeiers Tross gemischt, der soeben dem örtlichen Spargelbauer Matthias Stenglein einen Besuch abstattet. Während der Bauer über die hohen Versicherungskosten für seine polnischen Leiharbeiter und über die EU-Bürokratie klagt, sagt Kastner: "Mir geht es um Oberfranken. Wir kommen zu kurz! Die Infrastruktur liegt hier im Argen!" Wie man da auf die Idee kommen könne, jemanden aus München heraufzuholen. "Haben die gar kein Taktgefühl mehr", schimpft sie auf ihre Parteispitze.

"Anfangs war es schwierig"

Zu Hohlmeiers Gegnern zählte auch Christa Müller. Sie ist die Vorsitzende der Frauenunion in Mainleus und sagt, auch sie sei schockiert gewesen über die Art und Weise, wie ihnen Hohlmeier von oben diktiert worden sei. Doch inzwischen habe sie ihre Meinung geändert: "Sie macht ihre Sache gut. Dort, wo sie persönlich auftritt, sind die Leute begeistert", erzählt sie.

Auch der zweite Bürgermeister von Mainleus, Folker Sünkel, meint: "Anfangs war es schwierig, aber jetzt zieht die Basis mit." Die CSU brauche fünf Prozent, um ins EU-Parlament wieder einzuziehen und Oberfranken mehr Rückhalt in München. Er setzt darum auf Hohlmeier.

Mittlerweile ist diese mit ihrem kleinen Tross zwei Häuser weiter zur Metzgerei Fred Vonbrunn gezogen. Der Chef erhält heute ein Zertifikat vom Landrat Peter Söllner (Freie Wähler), weil er seine Schlachterei EU-gerecht umgebaut hat. Hohlmeier nutzt die Chance und lässt sich bei der Übergabe vom örtlichen Pressefotografen ablichten. Dass sich der Landrat da ein bisschen ärgert, weil er nicht im Mittelpunkt steht, überspielt Monika Hohlmeier gekonnt. Laut lacht sie auf, weil sie just in diesem Moment erfährt, dass die Münchner Leoner in Mainleus Fleischwurst heißt. Interessant.

Mit leicht wippendem Oberkörper

In der Gaststätte "Vonbrunn" soll die CSU-Kandidatin vor ihrer Parteibasis über die EU referieren. Das funktioniert am besten in der üblichen Strauß-Manier: die Arme verschränkt, leicht wippender Oberkörper. CSU-Bürgermeister Sünkel ist begeistert. "Ganz der Vater!", sagt er und erzählt der Strauß-Tochter: "Wissen Sie, damals 1976, da war ich mit ihrem Vater im Pschorrkeller und da hat er mir die Hand auf die Schulter gelegt. Das war ein Riesenerlebnis."

In einem einstündigen Vortrag textet sie dann die Leute zu. Es geht über den Getreidepreis, die Türkei, bis zur "unseriösen Bankenwelt." Am Ende lobt Hohlmeier "den besten oberfränkischen Sauerbraten". Keine Fragen bleiben offen, alles verstummt. Nachdem sie mehrmals die Basis ermuntert hat, etwas zu sagen, steht einer auf und meint: "Guttenberg ist unser bester Mann. Endlich sind wir in der glücklichen Lage, den roten Socken in Berlin Paroli zu geben."