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Baumärkte:Obi plant neue Filialen im Raum München

Obi-Markt, Brunnthal

Auch der Obi-Martk in Brunnthal/Taufkirchen musste schließen. Jetzt hat ein neuer Markt in Trudering eröffnet, vier weitere sollen folgen.

(Foto: Claus Schunk)

15 Baumärkte hat Obi an Konkurrent Hagebau verloren. Jetzt will das Unternehmen bis 2015 wieder flächendeckend im Großraum München vertreten sein. Doch die neue Offensive dürfte zu Lasten anderer gehen.

Von Ralf Scharnitzky

Der Biber hat seine Winterruhe beendet und erobert verloren gegangenes Terrain zurück: Bis 2015 will die Baumarktkette Obi im Großraum München wieder "flächendeckend vertreten" sein, wie es aus der Firmenzentrale im Wermelskirchen (Nordrhein-Westfalen) heißt. Bei einer der größten Umwälzungen in der Do-it-yourself-Branche hatte das Unternehmen mit dem Nagetier als Markenzeichen im vergangenen Jahr 15 Märkte an den Konkurrenten Hagebau verloren. Und damit die Spitzenposition in der Region. Genau zwei Geschäfte waren übrig geblieben, in Martinsried und Dachau. Anfang Februar wurde in Trudering eine neue Filiale eröffnet. In den kommenden Monaten sollen vier weitere Märkte folgen. "München ist und bleibt für Obi sehr wichtig", lautet die Losung der Offensive.

"Auf den neuen Obi-Markt in München-Trudering sind wir ganz besonders stolz und freuen uns, die Präsenz in München auszuweiten", erläuterte Vertriebsleiter Alf Reichenberger zur Eröffnung. Für eine "bessere Kundenbindung" konzentriert sich das Unternehmen verstärkt auf Serviceleistungen. Und so fällt in dem neuen Bauzentrum das große Service-Center ins Auge. Hier wird Kunden bei der Suche nach Produkten und bei Fragen geholfen - "sofort und ohne lange Wartezeit", so verspricht es Obi zumindest.

Das zur Tengelmann-Gruppe gehörende Unternehmen schickt sich an, die Scharte vom vergangenen Jahr auszuwetzen: Im März sollen zwei weitere Märkte eröffnet werden - in Neuaubing und in Daglfing. Im Herbst werden ein Obi in Vaterstetten und 2015 eine neue Filiale im Münchner Westend folgen. Die Marktführerschaft im Großraum München ist damit aber immer noch in weiter Ferne. Obi, die führende deutsche Baumarktkette mit mehr als 330 Ablegern, hat dann sieben Märkte, Hagebau ist inzwischen mit 17 Bauzentren vertreten.

Auslöser der Erschütterungen auf dem Heimwerkermarkt war die HEV-Gruppe, die vier Münchner Familien gehört. Die Gesellschafter hatten sich Ende 2012 entschlossen, mit ihren 15 Obi-Märkten die mehr als 30-jährige Zusammenarbeit mit dem Franchise-Geber zu beenden. Der Hintergrund: Obi hatte die auslaufenden Verträge mit der Münchner Heimwerkermarkt Verwaltungs GmbH gekündigt und neue angeboten. Diese waren jedoch mit deutlichen Einschränkungen verbunden. Geschäftsführer Burkhard von Fritsch sagte damals im SZ-Interview: "Die Zügel bei Obi sind immer fester angezogen worden, die Spielräume wurden enger. Das entsprach nicht mehr unserer Vorstellung von Unternehmertum."

Zwei große Umflagg-Aktionen

In zwei großen Umflagg-Aktionen wurden dann im Oktober sieben Geschäfte von Obi in Hagebaumärkte umgewandelt, im Dezember folgten die weiteren acht von der HEV geführten Märkte im Großraum München. Der größte jemals in Deutschland erfolgte Wechsel eines Baumarkt-Franchisenehmers war damit abgeschlossen. Knapp 500 Paletten wurden pro Standort bewegt, Hunderte Schilder gewechselt und unzählige Etiketten neu geklebt. Im Viertelstundentakt waren Lastwagen unterwegs, neue Ware wurde gegen alte ausgetauscht.

Inzwischen hat die HEV noch einen neuen Markt in Obersendling errichtet und den Dachauer Praktiker-Markt aus der Konkursmasse übernommen. Auch diese beiden Do-it-yourself-Zentren wurden von dem Familienunternehmen an die Soltauer Handelsgesellschaft für Baustoffe (Hagebau) angegliedert.

Hagebau betreibt im Gegensatz zu Obi keinen Markt selbst. Mit seinen etwa 300 Märkten in Deutschland nimmt der Franchise-Geber in der Do-it-yourself-Branche ebenfalls eine Spitzenposition ein. Sein Münchner Partner ist einer der größten und ältesten Baumarkt-Franchisenehmer in Deutschland. 1400 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 210 Millionen Euro.

Mit einigen Märkten vertreten sind in München und Umgebung auch große Ketten wie Hornbach, Bauhaus und Toom. "München ist sehr gut besetzt", sagt Ulrich Kollatz von der Münchner BBE-Handelsberatung. Der Experte für Bau- und Gartenmärkte hatte prophezeit, dass Obi wieder angreifen werde. Und er ist sich sicher: "Das wird zu Lasten anderer gehen."

© SZ vom 18.02.2014/ahem
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