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Bad Königshofen:Wie Bienen gegen Asthma helfen

Luft aus dem Bienenstock

15 Minuten lang atmet Ute Selzam die Bienenluft ein.

(Foto: dpa)
  • In Bad Königshofen im Landkreis Rhön-Grabfeld gibt es eine von gut einem Dutzend sogenannter Apitherapie-Imkereien.
  • Asthmatiker können dort Bienenluft inhalieren, was gegen ihre Beschwerden helfen soll.
  • Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit allerdings noch nicht belegt, die Therapiekosten müssen selbst bezahlt werden.

In dem kleinen Raum brummt und summt es unaufhörlich. Sieben Bienenkästen aus Holz stehen in einer Reihe unter der Fensterfront. Davor sitzt Ute Selzam. Sie atmet über eine Maske angewärmte Luft aus einem Bienenstock ein. 15 Minuten lang inhaliert die allergische Asthmatikerin entspannt die süßlich riechende Luft. Die 55 Jahre alte Sportlehrerin nutzt die heilsame Kraft der Bienenluft. Diese Therapie wird seit zwei Jahren in Bad Königshofen (Landkreis Rhön-Grabfeld) angeboten. Dort ist eine von gut einem Dutzend entsprechend zertifizierten Apitherapie-Imkereien bundesweit.

Der Imkerverein war vor zwei Jahren auf die Idee gekommen, die Bienen für diese Art der Anwendung zu nutzen. Den Kurdirektor freut es. "Das Thema Atemwege ist in einem Kurort ohnehin wichtig", sagt Werner Angermüller. Heilwasser-See, Sole-Inhalationen in einem Pavillon - das hätten die Imker nun mit ihrem Angebot ergänzt. In den 6000-Einwohner-Ort kommen jährlich etwa 20 000 Gäste. Die meisten bleiben drei bis vier Tage.

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Ute Selzam kommt dagegen aus der Region. Seit etwa 30 Jahren kämpft sie mit verschiedenen Allergien. 30 Minuten lang atmet sie die Luft aus den Bienenstöcken ein. "Beim ersten Mal war das schon ein bisschen beängstigend. Ich dachte immer, ich atme bestimmt gleich eine Biene ein." Wolfgang Hartmann vom Imkerverein beruhigt: Die Vorrichtung ist sicher.

Der Bienenkasten ist zum Nutzer hin ein geschlossenes System. Auch die Bienen werden nicht gestört. Die ausgeatmete Luft wird abgeleitet. In der eingeatmeten Luft sind nicht nur Honigaromen und ätherischen Öle, sondern auch das sogenannte Propolis - eine Art natürliches Antibiotikum. Die Bienen sammeln diesen Stoff, um ihren Bienenstock vor Keimen zu schützen. Die Menschen profitieren davon, wenn sie dieses Propolis einatmen.

Der Verband Deutscher Heilpraktiker steht der Therapie unter bestimmten Voraussetzungen offen gegenüber. "Wir haben die Auffassung, dass die Therapie unbedingt in die Hand eines Arztes oder Heilpraktikers gehört, der mit möglichen allergischen Reaktionen umgehen und sie mit Medikamenten behandeln kann", sagt der zweite Vizepräsident Ingo Kuhlmann dazu. Eine der beiden Berufsgruppen sollte im ersten Schritt entscheiden, ob die Therapie überhaupt für den Patienten geeignet ist.

Die Wirksamkeit dieser Therapie ist noch nicht wissenschaftlich bewiesen. Dennoch sind viele Ärzte und Asthmatiker davon überzeugt. Die Krankenkassen zahlen bislang nicht. Die Therapiekosten für eine Sitzung liegen bei etwa 20 Euro. In Bad Königshofen arbeiten drei Imker ehrenamtlich für das Bienenstockluft-Therapiezentrum. Mit einer Bescheinigung vom Arzt können die Patienten die Bienenstockluft einatmen. Betreut werden sie dabei auch von einer Therapeutin.

Der Aufbau dieses Therapiezentrums ist von der Europäischen Union gefördert worden. Bislang ist das Interesse aber überschaubar. "Viele scheuen doch die Kosten der Therapie", sagt Hartmann vom Imkerverein. "Wenn die Krankenkassen das bezahlen würden, wäre hier bestimmt die Hölle los!"

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