Autobahn durchs Isental:Spatenstich für die umstrittene Trasse

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Nach 35 Jahren erbittertem Streit sind nun Tatsachen geschaffen worden: Bayerns Umweltminister Marcel Huber hat symbolisch die Bauarbeiten für das umstrittene Straßenprojekt im Isental begonnen. Nur eine Hoffnung bleibt den Gegnern jetzt noch: dass das Geld nicht reicht.

Heiner Effern

Zehn Spaten stecken in einer Reihe nebeneinander im Boden, jeder mit einer weiß-blauen und einer schwarz-rot-goldenen Schleife verziert. Am oberen Ende bildet der Holzstil mit einem kurzen Querstück den Buchstaben "T", zum besseren Zupacken. Für die einen symbolisieren die Spaten in der aufgeworfenen Erde den Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft, für die anderen sehen sie aus wie Kreuze vor einem Grab, in dem eine der letzten intakten Flusslandschaften Bayerns beerdigt wird.

Autobahn durchs Isental: Bedrohtes Bauernland: In den nächsten Jahren soll durchs Isental eine Autobahn gebaut werden.

Bedrohtes Bauernland: In den nächsten Jahren soll durchs Isental eine Autobahn gebaut werden.

(Foto: Bauersachs Peter)

Mit dem offiziellen Spatenstich für den Weiterbau der A 94 zwischen Pastetten und Dorfen werden nach 35 Jahren erbittertem Streit Tatsachen geschaffen, die den Bau der Autobahn auf der Isentaltrasse unausweichlich erscheinen lassen.

Von einem "Durchbruch" sprach deshalb Andreas Scheuer (CSU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, bevor er mit dem bayerischen Umweltminister Marcel Huber die Erde umgrub. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Mächtigeren gesiegt haben", sagt Heiner Müller-Ermann vom Aktionsbündnis gegen die Isental-Autobahn. "Aber wir lösen uns nicht auf."

Ein Zeichen für den immer noch vorhandenen Widerstand setzten die Gegner mit einem ökumenischen Gottesdienst, den sie gleichzeitig mit dem Spatenstich nur wenige Kilometer entfernt feierten.

Die letzte Hoffnung des Aktionsbündnisses gründet vor allem auf den hohen Kosten, die auf der Isentalstrecke entstehen könnten. "Die schieben Erde rum, richten Schäden an, wir sind ja nicht blind. Aber nur, um einen Fuß in der Tür zu haben, weil sie Panik vor der Finanzierung haben", sagt Müller-Ermann. Die von den Gegnern bevorzugte Trasse auf der jetzigen B 12 sei deutlich billiger.

Ein Zeichen für die Angst vor explodierenden Kosten sieht Müller-Ermann schon in der Einladung zum Spatenstich. Die erfolgte zum "feierlichen Baubeginn für vorbereitende Bauarbeiten". Wer solche "semantische Kunststücke" nötig habe, der habe ein ernsthaftes Problem mit der Finanzierung.

Tatsächlich musste der bayerische Umweltminister Huber, zugleich zuständiger Landtagsabgeordneter für die Region, trotz aller geäußerten Freude einräumen, dass die "Finanzierung noch nicht sicher" sei. Aber auch für eine Bauvorbereitung mit Kosten von 40 Millionen Euro lohne sich ein Spatenstich. Insgesamt sollen die 80 neuen Autobahnkilometer der A 94 eine Milliarde Euro kosten, auf den Abschnitt Pastetten-Dorfen entfallen davon 180 Millionen Euro.

Während Huber und Staatssekretär Scheuer ihre Reden hielten, ertönten im Hintergrund immer wieder kleine Hupkonzerte: Die Gegner grüßten so auf der Heimfahrt von ihrem Gottesdienst.

Dass sich mit Huber der amtierende bayerische Umweltminister zum Spatenstich hergab, das erzürnt sie besonders heftig. "Unvorstellbar" sei das, wie "ein Minister die Linie seines eigenen Hauses so unterlaufen kann", sagt Müller-Ermann. Experten des staatlichen Umweltschutzes hatten bis 1990 die Trasse auf der jetzigen B 12 vorgezogen. Huber wandte sich in seiner Ansprache auch an die Gegner: Nach der Ausreizung aller rechtsstaatlichen Mittel "muss man irgendwann akzeptieren", dass die jetzige Strecke "erkoren" sei.

Genau 35 Jahre ist es nun her, dass das Raumordnungsverfahren für die Isentaltrasse eingeleitet wurde. Mitte der 1980er Jahre wurde der Widerstand immer heftiger, unter anderem setzen sich auch Gerhard Polt und die Biermösl Blosn gegen die Zerstörung des Isentals mit seinen sanften grünen Hügeln ein. Obwohl kein Baurecht vorlag, nahm das Land Bayern die Isentalautobahn in das Landesentwicklungsprogramm auf.

Das Bundesverwaltungsgericht erklärte dies im Nachhinein für nicht rechtens, doch war ein Wendepunkt erreicht. Alle kritischen Behörden und Fachstellen zogen ihre Expertisen zurück, fortan schnitt im Vergleich aller Trassen immer die Strecke durchs Isental am besten ab. Im März 2002 wurde schließlich der Bau der ersten sechs Kilometer von Forstinning nach Pastetten genehmigt.

Die Klagen des Bundes Naturschutz und betroffener Landwirte wies der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) im Oktober 2007 ab. Mittlerweile ist dieser Abschnitt fertiggestellt. Auch gegen den nächsten, 17 Kilometer langen Teil zwischen Pastetten und Dorfen liefen die Klagen mit dem Urteil des VGH im November 2010 ins Leere.

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