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Angebliche Attacke mit Feuerlöscher:NPD-Chef Holger Apfel vorübergehend festgenommen

Vorfall in Franken: Die Polizei nimmt 13 NPD-Anhänger kurzzeitig in Gewahrsam. Aus dem Tross der Rechtsextremisten soll mit einem Feuerlöscher auf Passanten gesprüht worden sein. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Rechtsextreme NPD Holger Apfel

Der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel im Jahre 2012

(Foto: dpa)

Die Polizei hat in der unterfränkischen Stadt Aschaffenburg 13 NPD-Anhänger vorübergehend in Gewahrsam genommen. Darunter befand sich wohl auch der Parteivorsitzende Holger Apfel, wie die rechtsextreme Gruppierung via Facebook mitteilte. Die Polizei wollte sich auf Anfrage von Süddeutsche.de zu einzelnen Personalien zunächst nicht äußern, bestätigte aber die Festnahmen.

Befragt wurden die Festgenommenen zu zwei Vorfällen, die sich nach Polizeiangaben am Nachmittag zugetragen haben sollen. Zeugen zufolge seien nach einer Wahlveranstaltung der NPD in Aschaffenburg einige Rechtsextremisten aus dem NPD-Fahrzeugtross gesprungen und hätten "aus einem Feuerlöscher Löschschaum in Richtung mehrerer Personen versprüht". Verletzt worden sei aber niemand.

Anders als beim zweiten Vorfall, der sich etwa 200 Meter weiter zugetragen soll: Diesmal wurde angeblich aus einem Fahrzeug der NPD-Anhänger ein Fahrradfahrer mit Löschschaum attackiert. Der Radfahrer soll die Substanz in die Augen bekommen und über Atemwegsreizungen geklagt haben. In dem Polizeibericht heißt es, der Radfahrer habe sich sofort zur Polizei begeben und Anzeige erstattet. Daraufhin hätten Beamte den NPD-Konvoi im nahen Kleinostheim gestoppt.

Aschaffenburger übertönten NPD-Veranstaltung mit Pfeifkonzert

Keiner der Rechtsextremisten wollte sich als Verantwortlicher zu erkennen geben. Deshalb seien alle Insassen zweier Fahrzeuge vorläufig festgenommen worden und zur Befragung zurück nach Aschaffenburg gebracht worden. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei. Der Verdacht lautet: gefährliche Körperverletzung. "Die Letzten sind etwa nach drei Stunden entlassen worden", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken zu SZ.de.

In Aschaffenburg hatten etwa 400 Menschen gegen den Auftritt von Apfel und seinen Leuten demonstriert. Mit Pfiffen hatten sie die Reden der Rechtsextremen übertönt. Die NPD schrieb auf Facebook, es habe "Straftaten" der Gegendemonstranten bei der Wahlkampfveranstaltung gegeben. Die Polizei vermerkt hierzu, dass in Richtung einer NPD-Rednerin ein Farbbeutel und ein Ei geworfen worden sei: "Beides verfehlte jedoch sein Ziel."

© Süddeutsche.de/odg/jasch

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