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Agrarbericht:Bauern verdienen weniger

Einkommensverlust gegenüber dem Vorjahr beträgt 17 Prozent

Die Bauern in Bayern haben zuletzt deutliche Einkommensverluste hinnehmen müssen. Das geht aus dem Agrarbericht 2020 hervor, den Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) im Landtag präsentiert hat. Im Durchschnitt erzielten Haupterwerbsbetriebe 2018/ 2019 jeweils knapp 55 000 Euro Gewinn. Das sind 17 Prozent minus gegenüber dem Vorjahr. Ursachen waren sinkende Erlöse für Milch, Fleisch und Ackerfrüchte. Parallel zur Präsentation des Berichts demonstrierten Bauern sowie Umwelt- und Verbraucherverbände vor der Staatskanzlei für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik.

Trotz der Einkommensverluste der Bauern zeigte sich Kaniber zufrieden. "Bayerns Landwirtschaft kann sich auch unter zunehmend schwierigen Marktbedingungen gut behaupten", sagte sie. "Mit ihren vielfältigen Betriebsformen beweist sie Konkurrenzfähigkeit, Kreativität und Krisenfestigkeit." Damit bleibe Bayern der führende Agrarstandort Deutschlands. 2019 gab es laut Bericht in Bayern 105 300 Bauernhöfe mit durchschnittlich jeweils 30 Hektar Betriebsfläche. Anders als alle anderen Bundesländer und die amtliche Statistik führt der Freistaat in seinen Agrarberichten allerdings auch die Höfe mit einer Betriebsfläche von null bis fünf Hektar auf. Die Begründung ist, dass die Nebenerwerbsbauern und damit auch Kleinstbetriebe in Bayern traditionell eine wichtige Rolle spielen. Rechnet man wie alle anderen Bundesländer die Kleinstbetriebe aus der Statistik heraus, gab es in Bayern 2019 nur noch 86 500 Bauernhöfe. Ähnlich ist es beim Bauernhofsterben. Kaniber betonte, dass sich die Zahl der Betriebsaufgaben bei insgesamt 0,7 Prozent im Jahr stabilisiert habe. Betrachtet man allerdings besonders wichtige Teile der Landwirtschaft sehen die Quoten anders aus. So gab es 2019 nur noch 27 588 Milchbauern in Bayern, das waren 1400 oder 4,8 Prozent weniger als 2018. Und von den 4800 bayerischen Schweinehaltern 2018 gaben binnen Jahresfrist 300 oder gut sechs Prozent auf. Diese Zahlen sind auch der Grund für die Proteste vor der Staatskanzlei. Die Demonstranten forderten eine Abkehr von der Förderung der industriellen Landwirtschaft hin zur stärkeren Unterstützung von Familienbetrieben und der Biobauern. Nur so könne der Freistaat die für ihn typischen Kulturlandschaften erhalten.

© SZ vom 02.07.2020 / cws

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