Zu modern für die Nachkriegszeit:Gegen die aufgepeppten Vorkriegshütten

Außergewöhnlich war auch das Design, das Alex Tremulis in nur sechs Tagen vollendete. Erst kurz vor dem Krieg hatte das Autodesign in den USA begonnen, sich als eigenständige Disziplin durchzusetzen. Die Autos selbst verkörperten da noch alle möglichen Spielarten der Stromlinienform, wobei der revolutionäre Cord 812 als leuchtendes Beispiel unerreicht blieb. Nach dem Krieg trumpften vor allem Kleinhersteller wie Studebaker, Nash - und eben Tucker - mit mutigen Ideen gegen die aufgepeppten Vorkriegshütten der Big Three auf, die mangels Metall teilweise sogar noch Holzaufbauten hatten. Der Tucker sieht dagegen heute noch aus wie von einem anderen Stern.

Angetrieben wurde der '48 mit dem populären Spitznamen Torpedo von einem 166 PS starken 5,5-Liter-SechszylinderBoxer, der ursprünglich aus einem Hubschrauber stammte, auf Wasserkühlung umgebaut und im Heck eingebaut war, die Kraftübertragung übernahm ein halbautomatisches Vorwählgetriebe aus dem Cord 812. Auch die Einzelradaufhängung gehörte zu den technischen Feinheiten, ebenso wie der Hilfsrahmen für den gesamten Antriebsstrang, der nur mit sechs Schrauben fixiert war und beim Service in Minuten demontiert werden konnte. Um die 3000 US-Dollar kostete ein Torpedo damals, heute geht keiner unter einer Million weg.

Warum scheiterte Preston Tucker?

Warum der Pionier Preston Thomas Tucker am Ende scheiterte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vielleicht war es tatsächlich die Anklage der Börsenaufsicht, die dem Selfmade-Mann Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem entwickelten Zubehörprogramm vorwarf und das Werk vorübergehend schloss. Zwar wurde Tucker später freigesprochen, doch der Konkurs im März 1949 war da schon unvermeidbar. Dass das Verfahren auf politischen Druck der Big Three überhaupt erst in Gang kam, darauf baute der Lucas-Film später seine Geschichte auf. Den Platzhirschen in Detroit war der kreative Nobody von Anfang an ein Dorn im Auge. Ein Auto, in dem man Sicherheitsgurte brauche, so lautete eine ihrer Verleumdungskampagnen, könne nicht sicher sein.

So oder so, Tucker war am Ende. Und, übrigens, auch der Film seiner Fans Lucas und Coppola wurde ein Flop. Der Traum blieb ein Traum, aber eben ein besonders schöner. Auch Sammler schätzen das.

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