Staus zu Ferienbeginn "Es ist sinnvoll, die Sommerferien für Bauarbeiten zu nutzen"

Autos und Lastwagen fahren durch eine Baustelle. Mit dem Ferienbeginn sind lange Staus auf deutschen Autobahnen zu erwarten.

(Foto: picture alliance / Marius Becker)

Halb Deutschland startet in Kürze mit dem Auto in den Urlaub. Anja Smetanin vom Auto Club Europa erklärt, wo die heftigsten Staus drohen, wie man sie umgehen kann und warum gerade jetzt überall die Straßen aufgebaggert werden.

Interview von Thomas Harloff

Erst Bremen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Sachsen-Anhalt, kurz darauf Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen und Thüringen: Die Liste der Bundesländer, in denen innerhalb der nächsten zwei Wochen die Sommerferien beginnen, ist lang. Hinzu kommt: Überall wird gebaut - nicht nur in den Städten, sondern auch auf den Autobahnen. Anja Smetanin vom Auto Club Europa (ACE) hat Tipps für alle, die auf der Straße in die Ferien starten.

SZ: Autofahrer aus elf Bundesländern starten demnächst in die Sommerferien - droht jetzt schon ein großes Stauchaos?

Anja Smetanin: Es sind ja nicht nur die deutschen Bundesländer. Auch in Österreich, in einzelnen Kantonen der Schweiz, in Belgien, Tschechien, Polen und Dänemark gehen die Sommerferien los. Von "Deutschland, einig Stauland" wird man wohl noch nicht sprechen können, aber natürlich müssen Autofahrer mit vielen Staus rechnen. Vor allem auf den Autobahnen Richtung Süden und auf den großen Ost-West-Achsen. Im Norden dürfte es auf der A1 sehr voll werden.

Kann man die Staus denn nicht irgendwie umgehen?

Noch immer gilt: Man sollte möglichst antizyklisch fahren. Lieber zur Wochenmitte als freitags oder samstags. Am besten informiert man sich vorab im Internet oder im Radio und wartet die erste Reisewelle ab. Es funktioniert meist auch gut, erst abends loszufahren. Aber das sollte man sehr von der eigenen Fitness abhängig machen. Der wichtigste Tipp: Streng auf Pausen achten, am besten alle zwei Stunden, und möglichst nicht länger als acht Stunden am Stück fahren. Ansonsten besser einen Fahrerwechsel in Betracht ziehen.

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Hinzu kommen viele Baustellen. Wo muss man mit den schlimmsten Nadelöhren rechnen?

Das ist sehr schwer einzugrenzen, fast überall wird gebaut. Auf der A1 zum Beispiel, auch auf der A3 zwischen Nürnberg und Passau. Und rund um die Metropolen. Auf der Autobahn A99, dem Münchner Autobahnring, gibt es genauso große und langwierige Baustellen wie rund um Berlin. Das ist eine ewig lange Liste. Und wer an die Nord- und Ostsee möchte, sollte die Vollsperrung auf der A20 beachten. Bei Tribsees in Mecklenburg-Vorpommern ist die Fahrbahn abgerutscht. Da ist es noch bis 2019 dicht.

Warum wird überhaupt immer zur Urlaubszeit gebaut? Wäre es nicht sinnvoller, das zu anderen Zeiten zu machen?

Das ist ein Trugschluss. Statistisch betrachtet ist es durchaus sinnvoll, die Sommerferien für Bauarbeiten zu nutzen. Die Verkehrsmenge ist in der Urlaubszeit immer noch deutlich geringer als zu anderen Zeiten, wenn täglich Berufsverkehr herrscht. Das ist ja auch logisch: Ein Urlauber fährt nur einmal in Richtung Urlaubsort und ein paar Wochen später zurück. Ein Berufspendler fährt täglich in beide Richtungen. Das ist für staugeplagte Autourlauber aber natürlich ein schwacher Trost.

Wie sollten sich Urlauber vorbereiten, die ins Ausland reisen?

Natürlich sollte man Länderinformationen lesen und sich mit den Verkehrsregeln im Ausland vertraut machen. Bei Höchstgeschwindigkeiten, Vignetten- und Warnwestenpflicht und den Bußgeldregelungen gibt es teilweise erhebliche Unterschiede zu dem, was man aus Deutschland kennt. Oder bei Alkohol im Steuer. In Schweden zum Beispiel sind 0,2 Promille erlaubt, und bei 0,3 Promille ist direkt der Führerschein weg. In Italien kostet eine Geschwindigkeitsübertretung von 20 km/h bereits mindestens 170 Euro. Auch mit den Tankvokabeln sollte man sich beschäftigen: Benzin heißt in Spanien Gasolina, Diesel ist an manchen Tankstellen als Gasóleo ausgezeichnet. Wer das weiß, vermeidet womöglich kostspielige Fehler.

Unfälle im Ausland sind gefürchtete Komplikationen. Was sollte man tun, um mit einem möglichst guten Gefühl loszufahren?

Nehmen Sie auf jeden Fall die Grüne Versicherungskarte mit. Sie hilft enorm bei der Schadensabwicklung, denn darauf sind alle relevanten Informationen zum Fahrzeug und zur Versicherung vermerkt. Sollte es zum Unfall kommen, dann besorgen Sie sich vom Unfallgegner so viele Informationen wie möglich. Am besten lassen Sie sich dessen Grüne Karte zeigen. Das Nachrecherchieren ist im Ausland nämlich meist extrem schwierig. Und ganz wichtig: Unterschreiben Sie nie etwas, das Sie nicht vollständig verstehen.

Anja Smetanin, Pressesprecherin vom Auto Club Europa

(Foto: oh)

Gutes Stichwort: Wie kann ich mich juristisch absichern?

Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung hilft enorm, allein für das eigene Sicherheitsgefühl. Manchmal versuchen Unfallgegner es mit der Hinhaltetaktik. Dann ist es gut, wenn man die Sache an einen Anwalt abgeben kann, ohne riesige Kosten fürchten zu müssen. Außerdem sollte ein EU-Unfallbericht im Auto liegen. Den kann jeder Unfallbeteiligte in seiner Landessprache ausfüllen, was meist ebenfalls hilfreich ist, wenn die Sachlage am Unfallort schwer einzuschätzen ist.

Freie Grenzübertritte sind in der EU derzeit ja nicht immer und überall möglich. An welchen Landesgrenzen muss man sich auf lange Kontrollen gefasst machen?

Das gilt vor allem an den Grenzen zu Österreich, und zwar besonders bei der Rückreise nach Deutschland. Die längsten Wartezeiten drohen an den Grenzübergängen auf den Autobahnen. Also in Suben auf der A3 zwischen Linz und Passau, auf der A8 von Salzburg nach München in Walserberg und auf der A93 in Kiefersfelden. Da kann es sich lohnen, kurz vor dem Grenzübergang von der Autobahn abzufahren und einen Übergang auf einer Bundes- oder Landesstraße zu nutzen. Allerdings wird auch dort inzwischen verstärkt kontrolliert.

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