bedeckt München
vgwortpixel

Shanghai Motor Show:Scharf auf den schnellen Erfolg

Eine von denen, die bereits heute ein Elektroauto fahren, ist Zhu Xiao. Sie arbeitet zwar auch für ein Unternehmen, das die Fahrzeuge in Shanghai vermarktet, aber den Kauf ihres Autos hat die Regierung bezuschusst: Statt 15000 Euro musste Zhu Xiao lediglich 6700 Euro zahlen.

Allerdings ist ihr das neue Auto noch nicht ganz geheuer. "Ich komme mir vor wie diese weißen Mäuse, an denen die Wissenschaftler herumprobieren", sagt sie. Sie habe sich nur auf den Kauf eingelassen, weil der Hersteller versichert habe, bei jedem Problem telefonisch zur Verfügung zu stehen und Hilfe zu leisten.

Zhu Xiaos Unsicherheit kommt nicht von ungefähr. Kürzlich ist ein Elektroauto chinesischer Herstellung ohne äußeren Einfluss komplett ausgebrannt. Verletzt wurde zwar niemand, doch solche Nachrichten sind Gift für die großen Pläne der chinesischen Regierung.

Hinter internationalen Standards

Angesichts des Tempos, mit dem die Volksrepublik die Produktion von Elektroautos vorantreibt, könnte den internationalen Mitbewerbern bange werden. Doch ausgerechnet in China selbst werden die Pläne aus Peking nur müde belächelt. "Fünf Millionen Einheiten? Im Leben nicht. Manche Funktionäre träumen wohl davon, sich einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern", sagt etwa der Pekinger Autoanalyst Zhong Shi. Zwar habe China auf dem Sektor durchaus Fortschritte erzielt. Doch die Industrie weise flächendeckend gewaltige Defizite auf, die chinesische Technologie hinke den internationalen Standards hinterher. Auch seien die Produktionshallen zu klein, Zulieferer und Personal unzuverlässig.

"Keine Geduld für fundamentale Forschung und Entwicklung"

"Chinas Hersteller sind scharf auf den schnellen Erfolg. Aber niemand hat die Geduld, in fundamentale Forschung und Entwicklung zu investieren", sagt auch der freie Journalist und Marktbeobachter Jia Xinguang. Selbst Unternehmen wie der Daimler-Partner BYD, der sich als Spezialist für die Entwicklung von Batterien einen Namen gemacht hat und so zum Autobau kam, drohen ihren Vorsprung leichtfertig zu verspielen. Denn die ausländische Konkurrenz schläft nicht. So will zum Beispiel Volkswagen bis 2018 auf dem Sektor Elektrofahrzeuge die Nummer eins sein.

Ein Problem der Chinesen ist, dass die nötige Infrastruktur fehlt, um die Batterien von Elektrofahrzeugen aufzuladen. Und Kunden werden gut überlegen, ob sie ein Elektromobil kaufen sollen, wenn ihr Radius deutlich begrenzt ist.