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Parktickets per Handy:Streit um die Parkgebühr

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Das Handyparken ist in vielen deutschen Städten möglich.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Klassisch mit Kleingeld oder modern mit SMS: Viele deutsche Städte bieten digitale Parkscheine. Doch die Autofahrer bleiben skeptisch, einigen Nutzern ist das System zu kompliziert - und der Erfolg der Handytickets bleibt zweifelhaft.

Bezahlt oder nicht bezahlt, das ist hier die Frage. Für Norbert Herth vom Saarbrücker Ordnungsamt ist sie gar nicht so leicht zu beantworten. Auf dem Landwehrplatz, einem der großen Innenstadt-Parkareale, stehen gleich mehrere Autos ohne Ticket. Herth gibt ihr Kennzeichen in sein Smartphone ein, bevor er den Strafzettelblock wieder wegsteckt. Entrichtet haben die Fahrer ihre Gebühr nämlich trotzdem - nicht per Parkschein, sondern per SMS.

Das sogenannte Handyparken ist in Saarbrücken seit 2005 möglich. Damit gehörte die Saar-Metropole zu den ersten Städten in Deutschland, die diesen Service einführten. Das Prinzip ist einleuchtend: Statt mühsam nach Kleingeld kramen zu müssen, schicken Autofahrer eine SMS mit ihrem Kennzeichen an eine bestimmte Nummer. Das System registriert den Bezahlvorgang und simst automatisch zurück, wenn die digitale Parkuhr abzulaufen droht. Dann kann man genauso einfach nachlösen. Oder auch nicht.

Bargeldloses Angebot vielen zu kompliziert

Zu kompliziert, zu umständlich, zu teuer: Solche Antworten erhält man von vielen Autofahrern, wenn man sie nach dem Nutzen des bargeldlosen Angebots fragt. "Das ist nicht mein Ding", sagt eine BMW-Fahrerin mittleren Alters, während sie ihre Münzen einwirft. Trotzdem werden in Saarbrücken rund elf Prozent aller Parkvorgänge per Handy bezahlt - andere Städte verbuchen schon einen Bruchteil dessen als Erfolg. Doch lohnt sich der Aufwand wirklich? "Es waren keine Investitionen nötig", beteuert Silvia Jung, Abteilungsleiterin im Saarbrücker Ordnungsamt. So habe der Investor, die bayerische Firma Sunhill Technologies, das System kostenfrei installiert. Im Gegenzug gehen 12,5 Prozent jedes Handy-Tickets an das Unternehmen.

Ob die Stadt unterm Strich nun mehr oder weniger einnimmt, könne man nicht sagen. "Das wissen wir nicht, weil wir von früher keine Zahlen haben", sagt Jung. "Wir bieten das Handyparken als Service an, nicht unter finanziellen Aspekten." Der digitale Parkschein kostet allerdings deutlich mehr als der gedruckte. Je nach Mobilfunkanbieter kommen bis zu 19 Cent "Übertragungsgebühr" hinzu.

In Düsseldorf sind seit Mai alle 502 Parkautomaten umgerüstet. Das elektronische Ticket ist dort noch teurer: Je nach Höhe der Parkgebühr sind bis zu 80 Cent Service-Entgelt fällig - zuzüglich der SMS-Gebühr. Die zuständige Behörde spricht dennoch von einem Erfolg: Besonders auf der Edel-Shoppingmeile Kö werde das Handy gerne gezückt. "Da kommt's nicht auf jeden Cent an", sagt Roland Hahn, stellvertretender Leiter des Amts für Verkehrsmanagement. Seit der Einführung hätten bereits 25.000 Personen per SMS bezahlt. Zum Vergleich: In Düsseldorf werden pro Monat 500.000 Parktickets ausgestellt.

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Noch große Zurückhaltung

"Die meisten Leute zahlen immer noch gerne mit Münzen", räumt Hahn ein. Die Zurückhaltung ist auch nicht unbegründet. Anfangs gab es Fälle, in denen das System zur Verlängerung der Parkzeit aufforderte, obwohl die maximale Parkdauer längst überschritten war. Im schlimmsten Fall zahlten Autofahrer also doppelt: einmal für das SMS-Ticket, ein weiteres Mal für ein Knöllchen wegen Überschreitung der Maximalparkzeit. "Das war ein Softwarefehler, der aber längst behoben wurde", sagt Hahn, der fest an die neue Methode glaubt. Düsseldorf nehme pro Jahr rund fünf Millionen Euro an Parkgebühren ein. Soweit es sich nach der kurzen Testphase abschätzen lasse, habe sich diese Summe durchs Handyparken nicht verändert.

Andere Städte haben weniger Glück. In Hamburg, wo seit 2008 das Mobiltelefon genutzt werden kann, steht das gesamte System auf dem Prüfstand. Laut einem Antrag der SPD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft hat die Stadt bislang knapp 230.000 Euro investiert. Hinzu kommen jedes Jahr 33.600 Euro Betriebskosten, denen aber nur 20.500 Euro an Einnahmen gegenüberstehen. Im nordrhein-westfälischen Kempen wurde das SMS-Parken nach einer zweijährigen Testphase sogar komplett abgeschafft. "Wir hatten 60 Benutzer pro Jahr", berichtet Rathaussprecher Christoph Dellmans. "Damit haben wir unterm Strich Verluste gemacht."

Grenzen der Technik

Selbst die Vorzeigestadt Saarbrücken stößt mitunter an die Grenzen der Technik. Obwohl Frankreich nur einen Katzensprung entfernt ist - und entsprechend viele Pendler in die City kommen - kapituliert die Software bei französischen Nummern. "Momentan haben wir noch keine Verträge mit den französischen Mobilfunkbetreibern abgeschlossen", erklärt Matthias Mandelkow, Geschäftsführer von Sunhill. Allerdings stehe man kurz davor.

Andere warnen vor dem Handy-Hype. "Den Städten bringt es nichts, außer dass man als innovativ dasteht", schimpft ein Mitglied der Wuppertaler Stadtverwaltung. "Der Kontrollaufwand steigt sogar, weil die Ordnungsämter spezielle Geräte anschaffen müssen." In Wuppertal wird momentan noch klassisch per Kleingeld bezahlt. Die SMS-Variante komme aber immer mal wieder auf den Tisch, "weil Unternehmen viel Geld daran verdienen wollen". Die Autofahrer seien eher skeptisch, sagt der Beamte. "Die schicken uns oft ihre Wünsche. Das Handyparken war bis jetzt nicht dabei."

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