Oldtimer Echte Garagenschätze sind selten

Historisches Blech vor historischen Gemäuern: ein Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport bei der Mille Miglia 2017.

(Foto: FCA Fiat-Chrysler)

Bei den Oldtimer-Rallyes tummeln sich sündteure Classic Cars. Dem Traum der lohnenden Investition jagen immer mehr Deutsche nach - mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Von David Pfeifer

Sobald die Sonne rauskommt, nimmt auch die Frequenz der Oldtimer-Rallyes zu, bei denen alte Bugatti, Ferrari und Alfa Romeo über Passstraßen gehetzt werden, an einem Publikum vorbei, das mit vor Rührung sanft schimmernden Augen Applaus spendet.

Diese "Classic Car"-Rallyes haben nicht viel mit den materialschindenden Einsätzen eines Walter Röhrl zu tun, es sind vor allem Gelegenheiten, die Schätze aus der Garage zu holen. Denn ein Oldtimer will geschont und gepflegt, muss aber auch bewegt werden, damit er sich "nicht totsteht", wie Eingeweihte sagen.

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Im Mai fand in Norditalien bereits die "Mille Miglia" statt, die berühmteste Rallye; die berüchtigtste ist wohl das "Goodwood Revival" im September in England. Dort werden echte Wettbewerbe gefahren, mit Rennwagen vergangener Zeiten. Der Schaden bei Unfällen geht schnell in die Millionen, denn Oldtimer sind in den vergangenen Jahren zu einer populären Geldanlage geworden. Wer nicht in Immobilien oder Kunst investieren will, kann sich ein seltenes Fahrzeug kaufen, um Wohlstand und Geschmack gleichzeitig anzuzeigen und Wertsteigerung im Wortsinn zu erfahren.

Wobei es sich mit Oldtimern ähnlich verhält wie mit Kunst: Wer der Öffentlichkeit seine Schätze zeigt, muss kein Philanthrop sein. Der Wert klassischer Fahrzeuge bemisst sich auch an den Auszeichnungen, die diese bei öffentlichen Auftritten erringen. Weswegen weltweit immer mehr "Concours d'Élégance" veranstaltet werden, vom Comer See bis Kenia. Bei diesen "Wettbewerben der Eleganz" werden die Autos von einer Jury nach Erhaltungszustand, Seltenheit und Linie bewertet.

Das Argument der Wertsteigerung als Selbstbeschwörung

Spätestens hier sollte man klar unterscheiden zwischen Investitionsobjekten und dem, was deutsche Automobil-Enthusiasten mit dem H-Kennzeichen für wenig Steuer- und Versicherungsgebühren als Oldtimer anmelden können. Diese mehr als 30 Jahren alten Lancia Delta HF Integrale, BMW 2002 oder Porsche 914 ("Volks-Porsche") bedienen vor allem ein nostalgisches Gefühl und das Stilempfinden der Generationen, die in den 70er- und 80er-Jahren jung waren.

380 000 H-Kennzeichen sind mittlerweile in Deutschland zugelassen. Auch bei diesen Fahrzeugen wird gerne das Argument der Wertsteigerung angebracht, es wirkt aber eher wie Selbstbeschwörung, um eine Leidenschaft mit Vernunft zu bemänteln. Denn meistens frisst der Unterhalt dieser Autos den zu erwartenden Gewinn im täglichen Betrieb auf. Hübscher als ein Bankkonto, das keine Zinsen abwirft, ist ein alter Alfa Romeo natürlich trotzdem.

Allerdings werden mittlerweile auch die Jahrgänge von 1986 an zu Oldtimern, da fing es schon an mit den erhöhten Sicherheitsvorschriften, die Karosserien anschwellen ließen, und Computer-Design, bei dem die Linien verflachten. Bis 2030 wird mit etwa 1,7 Millionen zugelassenen Oldtimern gerechnet. Schön im klassischen Sinn werden die eher nicht mehr sein, denn sie beinhalten dann alles, was bis zum Jahr 2000 gebaut wurde. "Prius" statt "Giulietta", "A-Klasse" statt "Isetta" - nur weil eine Form alt wird, muss sie nicht schon preiswürdig werden oder Sehnsucht wecken

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