bedeckt München 28°

Motorrad-Museum:Brüder, zur Sonne

Top Mountain Motorcycle Museum in Österreich

Stand-Pauken: Einige der zum Teil extrem seltenen Motorrad-Exponate im Top Mountain Museum in Hochgurgl. Dazwischen warten auch einige automobile Klassiker wie Ferrari California und Porsche 356 auf die Besucher.

(Foto: Gehm/Lohmann/Top Mountain Crosspoint)

Zwei Österreicher haben sich vom Geschäft mit dem Wintersport und der Maut der Timmelsjoch-Hochalpenstraße einen Traum erfüllt: Sie gründeten das Top Mountain Motorcycle Museum.

Sind die Ewings noch ein Begriff, diese texanische Ölmagnaten-Familie aus der Fernsehserie "Dallas"? Die österreichischen Ewings heißen Attila und Alban Scheiber. Nur, dass sie ihr Geld nicht mit dem schwarzen Gold aus der Tiefe der Erde machen, sondern mit dem weißen Gold, das vom Himmel fällt - dem Schnee. Den Scheibers gehören in den Skigebieten Obergurgl und Hochgurgl am Ende des Ötztals Bergbahnen, die Skischule, mehrere Sportgeschäfte und Hotels in den überwiegend vom Wintersport lebenden Orten.

Aber auch, wenn die Skisaison vorbei ist, müssen die Scheibers den Gürtel nicht enger schnallen. Im Sommer haben sie immer noch die Timmelsjoch-Hochalpenstraße, die sich seit Ende der 1960er-Jahre im Privatbesitz der Familie befindet. 2,5 Millionen Autos, Busse und vor allem jede Menge Motorräder benutzen jährlich die Mautstraße, um über den 2509 Meter hohen Sattel von Tirol ins Passeiertal nach Italien zu wechseln. 16 Euro zahlen Autofahrer für die einfache Fahrt über die kurvenreiche, mehr als 30 Kilometer lange Panoramastraße, Motorradfahrer 14 Euro. "Wir sind so etwas wie moderne Raubritter", sagt Attila Scheiber selbstironisch.

Doch mit dem Top Mountain Motorcycle Museum, der höchst gelegenen Ausstellung dieser Art in Europa, geben die Brüder der Öffentlichkeit nun etwas zurück - zumindest dem Teil, der sich für historische Fahrzeuge begeistern kann: Auf 2175 Meter Höhe über Normalnull können Besucher historische Motorräder bekannter wie teilweise vergessener Marken bestaunen. Zu den Höhepunkten zählen eine Brough Superior aus dem Jahr 1939, die der legendäre Konstrukteur selbst gefahren haben soll. Auch die Laurin & Klement von 1905 begeistert Zweirad-Nostalgiker. Hinzu kommen Stücke mit Seltenheitswert wie eine Zweizylinder-Indian von 1912 oder die MV Augusta von Rekordweltmeister Giacomo Agostini.

Sechs einzigartige Leihgaben der BMW Group Classic runden die Schau von österreichischer, amerikanischer, deutscher, italienischer und japanischer Motorradkunst ab. Dazwischen geschlichen haben sich in dem Museum aber auch einige vierrädrige Kostbarkeiten wie ein Ferrari California Spider, ein Porsche Speedster, der Lotus 23 B oder jener Alfa Romeo, der 1936 die legendäre Mille Miglia gewann. Mit einer Versicherungssumme von sieben Millionen Euro erscheinen die Fahrzeuge im Museum deutlich unterversichert, so unschätzbar wertvoll sind einige Bikes.

Die Motorradpassion der Museumschefs kommt nicht von ungefähr, sie wurde ihnen in die Wiege gelegt. Der Vater der Zwillingsbrüder war ein bekannter österreichischer Auto-Rennfahrer, der seine Söhne schon früh mit dem Motorrad-Bazillus infizierte. "Mit sechs Jahren hat uns der Vater unser erstes Motorrad gekauft, eine Gilera", sagt Attila Scheiber. "Dann folgte mit acht eine Montesa-Trial-Maschine. Als wir 18 wurden, hatten wir schon acht unterschiedliche Bikes verbraucht." Die Leidenschaft für Zweiräder haben sich die Brüder bis heute bewahrt. "Früher sind wir schnell gefahren, heute eher Genussfahrer", beschreibt Attila Scheiber das Faible für historische Maschinen. Besonders gerne fährt er seine Indians.

Vor vier Jahren kauften die Scheibers auf eine Anzeige hin gleich eine ganze Motorrad-Sammlung auf, die heute den Grundstock des Top Mountain Museums darstellt. Danach tingelten die Brüder um die halbe Welt, hielten auf Auktionen und Oldtimermärkten nach weiteren Fahrzeugen Ausschau. Als Ziel hatten sie sich 170 Motorräder von 100 unterschiedlichen Marken gesetzt, geworden sind es 202 Exemplare von 102 unterschiedlichen Marken. "Wir fahren fast täglich fünf verschiedene Motorräder", sagt Attila Scheiber, um zu unterstreichen, dass die Museumsstücke keine reinen Schauobjekte sind. "Etwa 80 Prozent der Motorräder befinden sich in einem fahrbaren Zustand." Zur Pflege der Bikes besitzt das Museum eine eigene Werkstatt und entsprechend versierte Mechaniker.

Die Idee, gerade in dieser Höhe oberhalb von Hochgurgel ein Museum zu errichten, entstand eigentlich aus der Notwendigkeit heraus, die alte Mautstelle zu modernisieren. Das Projekt entwickelte sich zum imposanten Top Mountain Cross-point, einem riesigen, architektonisch der Landschaft angepassten, komplett aus Holz gebautem Gebäudekomplex für vier unterschiedliche Einrichtungen: Mautstelle, Gondelbahnstation, Museum und Restauration. Letztere steht ebenfalls ganz im Zeichen des motorisierten Zweirads.

Mopeds hängen von der Decke, Felgen dienen als Raumteiler und historische Fotomotive zieren die Wände. Mit 20 Millionen Euro beziffern die Scheibers die Investitionen. Auf die Frage, mit wie vielen Besuchern sie im Jahr rechnen, zuckt Attila Scheiber nur mit den Schultern: "Darüber haben wir uns überhaupt keine Gedanken gemacht." Schön, wenn man sich Träume so sorglos erfüllen kann.

Top Mountain Motorcycle Museum, Hochgurgel / Top Mountain Crosspoint . Öffnungszeiten: täglich Montag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr; Eintritt 10 Euro; www.crosspoint.tirol