Mercedes E-Klasse Cabrio Sturm ade

Mercedes bändigt den Sturm im Cabrio. Für die neue offene Version der E-Klasse haben die Stuttgarter ein Konzept entwickelt, mit dem das herkömmliche, aber nervige Windschott ersetzt wird.

Von Jürgen Wolff

Hardcore-Cabriosi werden wieder einmal den Untergang des Abendlandes wittern, wenn Mercedes-Benz im Frühjahr seine neue offene E-Klasse auf den Markt bringt. Nein, es liegt nicht am Stoffdach - das hat das neue Cabrio aus Stuttgart. Wenn auch eines, das sich in Isolierung und Geräuschdämpfung nicht mehr viel von einem festen Dach unterscheidet. Der Sündenfall sitzt vielmehr oberhalb der Frontscheibe: ein ausfahrbarer Windabweiser, der bei Bedarf selbst auf den hinteren Plätzen für den weitgehenden Erhalt der frisch gefönten Frisur sorgt - noch bei Tempo 140 und offenem Verdeck.

AirCap nennt Mercedes den kleinen Flügel über der Frontscheibe - er soll das normale Windschott überflüssig machen.

(Foto: Foto: oh)

Wer Cabriofahren als reines Vergnügen sieht und nicht als Teil des Überlebenstrainings bei den US Marines, der wird den auf gut Marketingdeutsch "AirCap" getauften Flügel schnell zu schätzen wissen. Nicht nur, dass er in dem viersitzigen Cabrio das fummelige Windschott überflüssig macht - er funktioniert auch verblüffend drastisch, wie ein Selbstversuch im Windkanal schnell zeigt.

Mit hochgedrehten Scheiben lässt es sich im neuen E-Klasse-Cabrio bis Tempo 100 prima aushalten. Zumindest auf den vorderen Plätzen. Gut, der Wind zauselt auch schon an den Haaren. Aber bitte: Wen es jetzt schon verweht, der ist in einem Coupé eh besser aufgehoben. In der zweiten Reihe bläst es dagegen schon so heftig, dass der ohnehin notorisch quengelnde Nachwuchs noch quengeliger wird und schwört, künftig nicht einmal mehr zu McDonalds in diesem Auto mit zu fahren. Bei 140 km/h wird es auch vorne langsam ungemütlich - hinten ist es kaum noch auszuhalten. An eine gepflegte Unterhaltung ist gegen den Geräuschpegel nicht zu denken.

Ein kurzer Druck auf die kleine Taste zwischen den Frontsitzen ändert alles. Vorne fährt der Wind auch bei großen Passagieren nur noch als leichtes Säuseln durchs Haar, hinten schwächt sich der Sturm zumindest bis auf Luftzug-Niveau ab. Die Geräuschkulisse schwindet, als habe jemand am Verstärker gedreht. Eine gepflegte Tonlage ersetzt das gegenseitige An-Gebrülle. Bis Tempo 200, verspricht Jörg Bartels, bei Mercedes für die Entwicklung des AirCap verantwortlich, funktioniere die Verständigung im offenen Auto ohne große Probleme.

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