Kommentar Marke, Marke, Marke - was sonst?

Bekennende Vollgas-Fans in der Automobilindustrie bekehren sich plötzlich zu Batterie-Aposteln. Ihre Hauptaufgabe wird aber die Transformation der Marken zu einem elektrisierenden Lebensgefühl sein.

Von Joachim Becker

Das ist das Ende der deutschen Automobilindustrie, wie wir sie kennen. Wer an die Spitze der Traditionsmarken aufrücken wollte, musste bisher bekennender Vollgasfahrer sein - am besten mit Rennlizenz. Nun bekehren sich Petrol-Heads öffentlich zu Batterie-Aposteln. Das ist umso erstaunlicher, weil es aus technischer Sicht überhaupt keinen Umbruch gibt. Die Batterieentwicklung verläuft evolutionär, voraussehbar und langweilig. Bis 2025 wird keine Marke damit einen Vorteil herausfahren können. Ganz anders als beim Vorsprung durch Dieseltechnik. Mit den leistungsstarken Ölbrennern lagen die deutschen Marken weltweit uneinholbar in Führung. Aus, vorbei, das Thema scheint langfristig durch zu sein.

An die Stelle des Motorkults rückt nun das autonome Fahren. Hier wird das Schaulaufen um die Technologieführerschaft künftig stattfinden. Gegenüber Google, Apple und Uber haben die deutschen Hersteller einen Vorteil: ihre Premiummarken und den Zugang zu Luxuskunden weltweit. Diese kaufkräftige Klientel könnte bei der Transformation über Wohl oder Wehe entscheiden.

Rolls-Royce hat gerade eine fahrerlose Chauffeurslimousine gezeigt, auch die Vision Next 100 von BMW und Mini passen zum jeweiligen Käufer- oder künftig: Nutzerprofil. Der moderne Mercedes-Luxus ist ebenso zukunftsfähig wie "smarte" Robotertaxis. Das Problem ist nur: Wofür soll die Marke VW in fünf oder zehn Jahren stehen? Die Liebe zum Automobil war ja eher eine Nebensache bei diesem Blech gewordenen Bekenntnis zur Vernunft. Da hat Škoda mächtig aufgeholt. Viel erfahren wir über künftige Elektro-Plattformen. Wie ein elektrisierendes VW-Lebensgefühl aussehen soll - das wird zur eigentlichen Herausforderung für die Wolfsburger.