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Fahrradtransport:Huckepack aufs Auto

ADAC Fahrradträger Test

Harte Bedingungen: Von elf Heckträgern im Test erhielten lediglich fünf Modelle die Note "gut".

(Foto: Ralph Wagner/ADAC)

Ausflüge mit dem Fahrrad sind in Zeiten von Corona sehr beliebt. Beim Transport auf einem Träger am Heck sollte man aber einiges beachten.

Von Marco Völklein

Der Parkplatz am kleinen Bahnhof in Neustadt an der Waldnaab ist gut gefüllt. An sonnigen Sonntagen nehmen von hier aus viele Fahrradausflügler den Bockl-Radweg in Angriff. Auf dem Parkplatz stehen zahlreiche Autos mit Fahrradträgern am Heck. "In Corona-Zeiten", sagt eine Anwohnerin und zeigt auf die Autos, "sind Ausflüge in der Heimat wieder in." Heckträger am Auto für den Fahrradtransport sind da sehr gefragt.

Vor gut einem Jahr hat der ADAC insgesamt elf Modelle einem intensiven Test unterzogen. Dabei stellten die Tester fest: Beim Preis wie auch in der Handhabung unterscheiden sich die Träger teilweise erheblich. Ausgewählt hatten die Tester Modelle, auf denen drei Räder Platz haben und die auch den Transport von Pedelecs erlauben - schließlich werden diese mit einem elektrischen Hilfsmotor ausgestatteten Velos immer beliebter. Geprüft wurde unter anderem, wie sich die Träger am Fahrzeugheck bei einem Crashtest verhalten, wie leicht sie sich montieren und handhaben lassen und wie sicher sie sind.

Vier Modelle erhielten die Note "gut"

Lediglich fünf Modelle schnitten dabei mit der Note "gut" ab, vier wurden mit "befriedigend" und zwei mit "ausreichend" bewertet. Als Testsieger ging das Modell i31 von Uebler aus dem Rennen. Dieser Heckträger war mit einem Preis von 698 Euro aber auch der teuerste Testkandidat. Auf dem letzten Platz landete der SR3 plus von Bullwing - das mit 215 Euro günstigste Modell im Test. Allerdings fanden sich nach Angaben des Klubs gut bewertete Träger auch im mittleren Preissegment.

Im Crashtest schnitt der VeloSpace XT 3 von Thule am besten ab: Bei ihm gab es kaum Kontakt zum Aufbau des Autos und annähernd keine Defekte an den Befestigungen. Bei SR3 plus (Bullwing), Backpower (Mft) und FoldClick 3 (Yakima) entstanden hingegen beim Crash massive Einschläge in den Aufbau, zwei Haltearme brachen. Beim Bullwing rutschten zudem die Räder aus den Führungsschienen. Beim Mft erwies sich die Verzahnung des Befestigungsbügels als zu schwach.

Vor der Montage eines Heckträgers auf der Anhängerkupplung empfiehlt sich ein Blick in den Fahrzeugschein, um die maximal zulässige Stützlast des Autos zu ermitteln. Addiert man das Eigengewicht des Trägers mit dem Gewicht der zu transportierenden Velos, darf die Summe den im Fahrzeugschein angegebenen Wert nicht überschreiten. Laut ADAC kann es zudem sein, dass in der Bedienungsanleitung des Autos die maximale Stützlast für Fahrradheckträger genannt wird - und diese von der maximalen Stützlast abweicht. Daher achteten die Tester auch auf das Eigengewicht der Träger. Auch hier fiel Testsieger Uebler mit 16,4 Kilogramm positiv auf. Beim mit Abstand schwersten Modell Backpower von Mft mit etwas mehr als 30 Kilo kann laut ADAC schon die Beförderung von drei Rädern problematisch sein.

Für die Beladung kann es zudem hilfreich sein, wenn sich die Haltearme nachträglich am Rahmen des Trägers befestigen lassen. Zudem seien zur Befestigung der einzelnen Räder am Rahmen Klemmsysteme besser geeignet als Ratschensysteme, weil sie das Spannen der Halterarme erleichterten. Einfach gestaltete Bänder ohne Rasterverschluss wie beim Träger von Bullwing seien dagegen eher ungeeignet, warnt der Klub.

Bei Uebler, Norauto, Menabo, Thule und Atera bemängelten die ADAC-Experten zudem einen zu geringen Abstand der Halteschienen, weil bei einem Abstand von weniger als 190 Millimeter im Test beispielsweise die Gabeln der transportierten Räder aneinander scheuerten. Wichtig beim Transport von teureren Fahrrädern: eine vernünftige Diebstahlsicherung. Diese fehlte etwa beim Träger von Bullwing komplett.

Die Montage ist mitunter knifflig

Auch die Montage der Heckträger selbst auf der Anhängerkupplung des Autos stellte sich bisweilen als äußerst knifflig heraus: So sei die Erstmontage bei den beiden günstigsten Trägern SR3 plus (Bullwing) und Alphard Plus (Menabo) ausgesprochen langwierig gewesen, erklärte der Automobilklub. Beim VeloSpace XT 3 von Thule beanspruchte die Montage des Haltebügels ungewöhnlich viel Zeit. Positiv fielen hingegen Uebler und Yakima auf: "Hier genügte auspacken, anstecken und losfahren", erklärten die Tester.

Ohnehin haben die Träger am Heck beispielsweise gegenüber Dachträgern den Vorteil, dass sie leichter zu beladen sind - das ist insbesondere dann ein Vorteil, wenn (in der Regel doch recht schwere) Pedelecs transportiert werden sollen. Fachleute raten dennoch, vor dem Beladen die Akkus zu entfernen, sofern dies geht. Das erleichtert in der Regel die Handhabung.

Wichtig ist auch: Leichte Sporträder aus Aluminium oder Carbon sollten mit Bedacht eingespannt werden, um Rahmen oder Laufräder nicht zu beschädigen. "Bei Carbonteilen sollte man außerdem aufpassen, dass sie nicht vom Auspuff 'gegrillt' werden", warnt Felix Puello von Radhersteller Haibike. Diese Gefahr besteht zwar relativ selten, häufiger dagegen setzen Schmutz, Nässe oder Streusalz empfindlichen Komponenten zu. Auch deshalb empfiehlt es sich, den Akku (ebenso wie das Bedienteil fürs Pedelec oder den edlen Ledersattel) vor der Fahrt abzumontieren und im Auto zu verstauen.

Wichtig außerdem: Die Anhängerkupplung muss sauber und fettfrei sein; vor der Abfahrt sollte man auch die Funktion der Beleuchtungsanlage prüfen. Außerdem raten die ADAC-Experten, nach etwa 50 Kilometern anzuhalten und alle Schrauben, Klemmen und Gurte zu kontrollieren. Und: Wird das amtliche Kennzeichen am Auto durch den Träger am Heck verdeckt, muss ein sogenanntes Wiederholungskennzeichen angebracht werden. Auf eine Prüfplakette kann dort aber verzichtet werden, sofern diese auf dem Originalkennzeichen lesbar ist, erklärt der ADAC.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

© SZ vom 05.09.2020/reek

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