Elektroroller Unu im Test Von "Plastikroller" kann nicht die Rede sein

Bei der Verarbeitung kann der Kunststoff-verkleidete Unu zwar nicht mit stabilen Blechrollern mithalten. Das abwertende Prädikat "Plastikroller" hat er allerdings auch nicht verdient. Alles funktioniert so, wie es funktionieren muss. Allein bei etwas zu tief verbauten Gullideckeln und bei Kopfsteinpflaster - was die Federung solide abdämpft - äußert sich das vordere Schutzblech durch widerwilliges Klappern. Und so gibt es beim Unu nur zwei Nachteile zu bemängeln: Einmal das Ladegerät, dessen Lüfter eine Spur zu geräuschvoll arbeitet, was am Arbeitsplatz oder in kleinen Wohnungen schnell als störend empfunden werden kann. Und leider passt der Helm erst dann in die Sitzbankablage, wenn der Akku entnommen ist. Wäre der Akku nur halb so hoch, dafür doppelt so breit, könnten Helm und Batterie gleichzeitig verstaut werden.

Im Fach unter der Sitzbank findet ein zweiter Akku oder eine kleine Tasche Platz - oder ein Helm, wenn die Batterien entnommen sind.

(Foto: Daniel Hofer)

Bei plötzlichen Bremsmanövern packen sowohl die Scheibenbremse vorne als auch die Trommelbremse hinten fest zu und bringen den Roller sicher zum Stillstand. Ein paar Extrameter gewinnt der kleine Zweiradstromer dank der Möglichkeit, Energie durch Rekuperation in die Batterie zurückzuspeisen. Das System wird aktiviert, sobald man die Vorderradbremse leicht betätigt.

In Sachen Design hält sich der Unu bescheiden zurück und ist kaum von anderen Rollern im beliebten Retro-Look zu unterscheiden. Neue Wege hingegen geht der Hersteller beim Vertrieb: Er spart sich die Extrakosten für Zwischenhändler, Lager und Werkstätten-Netz und fertigt jeden Elektroroller erst auf Bestellung - den Preisvorteil spüren Kunden beim Ordern. Nach der Fertigung wird der Unu direkt vor die Haustür geliefert, auf Wunsch inklusive Nummernschild, Registrierung, passender Versicherung und Helm.

Preis steigt mit Leistung und Reichweite

Die Kosten für den E-Roller steigen mit der Motorleistung. Ist das 1000-Watt-Basismodell schon ab 1699 Euro zu haben, sind für etwas flottere 2000 Watt schon 2199 Euro fällig. Der stärkste Unu mit 3000-Watt-Elektromotor kostet 2799 Euro. Allen Modellen gleich sind die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und 50 Kilometer Reichweite. Ein zweiter Akku für 50 Kilometer mehr kommt bei jedem Modell auf 700 Euro zusätzlich. Für den Service hat sich der Hersteller etwas Cleveres einfallen lassen und ist eine Partnerschaft mit Bosch eingegangen, dessen Werkstätten Reparaturen und den Service übernehmen.

Verlässliche Erfahrungswerte zur Zuverlässigkeit von Elektrorollern gibt es zwar erst wenige, aber bei Elektrofahrzeugen gilt im Allgemeinen, dass sie Werkstätten bis auf die üblichen Inspektionen und Wartungen eher selten von innen sehen. Verschmutzte und zickende Vergaser, nasse Zündkerzen, gerissene Kupplungsseile - die typischen Wehwehchen alter Vespas, welche die bayerisch-italienische Liebesbeziehung so jäh beendet hatten, werden E-Mobilen wie dem Unu sicher nicht zum Verhängnis. Denn in einem Elektroroller gibt es all diese Teile erst gar nicht.