Diesel vs. Benziner Dieselfahrer müssen rechnen

Wer sparen will, kauft sich einen Diesel: eines der vermeintlich unverrückbaren Grundgesetze der Autowelt. Der Kostenvergleich bei BMW 3er, Mazda 5, Opel Mokka, Peugeot 208 und VW Golf kommt aber zu einem anderen Ergebnis.

Von Thomas Harloff

Kostenbewusste Autofahrer haben es nicht leicht. Um auszurechnen, ob man den gewünschten Pkw lieber in der Benziner- oder Dieselvariante kaufen sollte, muss man sich tief ins Zahlendickicht begeben. Denn die einfache Gleichung "weniger Verbrauch + günstigerer Kraftstoff = Sparen beim Fahren" gilt längst nicht mehr.

Zwar sind Dieselmodelle noch immer sparsamer als ihre Pendants mit Ottomotor, wenn auch nicht auf demselben Niveau wie früher. Zudem ist Diesel weiterhin deutlich billiger: Laut ADAC lag der Preis für Super E10 im Jahr 2013 durchschnittlich bei 1,549 Euro, Diesel kostete 1,420 Euro. Die rechnerischen Stolperfallen lauern woanders. Erstens bei der Preisgestaltung der Autohersteller. Modelle mit Selbstzünder sind durch die Bank teurer in der Anschaffung als jene mit Benzinmotor. Auch der Staat kassiert beim Diesel kräftiger mit, die Kfz-Steuer liegt teilweise empfindlich über Benzinerniveau.

Beim Mazda 5 lohnt sich der Diesel

Wie viele Kilometer muss man im Jahr also zurücklegen, damit sich ein Diesel rechnet? Um das herauszufinden, muss man einzelne Größen vorgeben. In unserer Rechnung nehmen wir an, dass das Auto als Neuwagen gekauft und danach zehn Jahre im Besitz des Käufers bleibt. Deshalb haben wir die Kfz-Steuer für zehn Jahre einberechnet. Wartungs- und Versicherungskosten sowie den Wertverlust haben wir vernachlässigt, weil wir annehmen, dass sich sich bei jedem der fünf Modelle auf ähnlichem Niveau bewegen.

Zudem legen wir die im ADAC Ecotest ermittelten Verbrauchswerte zugrunde, um nicht auf die unrealistischen Verbrauchsangaben der Autohersteller angewiesen zu sein. Schließlich haben wir jeweils Motorvarianten mit ähnlicher Leistung sowie fünf beliebte Modellreihen aus unterschiedlichen Segmenten herangezogen, um ein stimmiges Bild liefern zu können.

Zuerst steht der Mazda 5 auf dem Prüfstand. Bei dem japanischen Kompaktvan treten die jeweils 115 PS starken Varianten 1.8 l MZR (Benziner) und 1.6 l MZ-CD (Diesel) gegeneinander an. Dem Selbstzünder kommen der kleinere Hubraum und der um 30 g/km geringere CO2-Ausstoß im Vergleich zum Benziner zugute, denn das wirkt sich positiv auf die Kfz-Steuer aus. Er hat den deutlich sparsameren Motor (5,57 statt 7,39 Liter auf 100 Kilometer), ist in der Anschaffung jedoch 1700 Euro teurer. Somit lohnt sich der 1.6 l MZ-CD bereits bei einer Laufleistung von 4692 Kilometer im Jahr.

Opel Mokka: Zwei Liter Unterschied beim Durchschnittsverbrauch

Vergleicht man den Opel Mokka mit 130 PS starkem 1.7-CDTI-Diesel und 140 PS PS starken 1.4-Turbo-Benziner, lohnt sich der Selbstzünder bereits bei 6434 Kilometern im Jahr. Das kleine SUV rechnet sich also ebenfalls recht schnell, wenn auch aus anderen Gründen als der Mazda 5. Zum einen ist der Aufpreis mit 1500 Euro recht gering, zum anderen beträgt der Verbrauchsvorteil des Selbstzünders auf 100 Kilometern fast zwei Liter (5,26 zu 7,23 Liter) - der höchste Wert in unserer Vergleichsreihe. Negativ wirkt sich dagegen die hohe Kfz-Steuer aus, die die zweithöchste unter allen verglichenen Modellen ist.

Nächster Testkandidat: der 3er BMW. Der 163 PS starke Diesel 320d und der 320i-Benziner mit 170 PS treten jeweils in der verbrauchsoptimierten "Efficient-Dynamics"-Edition gegeneinander an. Der Selbstzünder verbraucht zwar 1,41 Liter auf 100 Kilometer weniger als der 3er mit Ottomotor, trotzdem muss sein Fahrer pro Jahr mindestens 12 781 Kilometer zurücklegen, um die Gewinnzone zu kommen. Die beiden Hauptgründe für das bescheidene Abschneiden: Der um 2250 Euro höhere Kaufpreis und der alle Jahre wiederkehrende Dieselzuschlag von 128 Euro bei der Kfz-Steuer.

Wer beim BMW 3er Aufpreis zahlt, damit er die Euro-6-Abgasnorm erreicht, beruhigt zwar sein Umweltgewissen, aber schont nicht seinen Geldbeutel.

(Foto: BMW)

Später Dieselvorteil beim VW Golf

Das ist aber immer noch deutlich weniger als im VW Golf. Sowohl in der 1.2-TSI-Benzinvariante als auch mit dem 1.6-TDI-Dieseltriebwerk mit verbrauchsoptimierter "Blue-Motion-Technology" leistet der Bestseller 105 PS. Allerdings gerät der Selbstzünder von vornherein durch seinen hohen Aufpreis (2300 Euro) und den höchsten Kfz-Steuer-Unterschied aller Vergleichskandidaten (200 statt 62 Euro pro Jahr) ins Hintertreffen. Da der Dieselmotor zudem nur 0,86 Liter weniger verbraucht als das Benzinertriebwerk (4,48 statt 5,34 Liter), muss dessen Fahrer jährlich 19 266 Kilometer zurücklegen, um finanziell in den grünen Bereich zu kommen.

Am unrentabelsten ist der Selbstzünder aber für Fahrer eines Peugeot 208. Beide Motorvarianten sind 68 PS stark, allerdings leidet der Diesel an den gleichen Mankos, die sich schon beim Golf negativ ausgewirkt haben - nur noch eklatanter. Der Diesel ist 2800 Euro teurer als der Benziner und kostet im Jahr 105 Euro Kfz-Steuer mehr. Zudem verbraucht er nur 0,79 Liter weniger als der Benziner und muss nach Abwägung aller Faktoren im Jahr mindestens 21 248 Kilometer abspulen, um günstiger als sein Pendant mit Ottomotor zu sein.

Unsere Vergleichsreihe zeigt: Wer den Diesel aus finanziellen Gründen fährt, muss viele Kilometer zurücklegen, damit sich das auch wirklich rechnet. Wenigfahrer greifen tendenziell eher zum Benziner .

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes wurde behauptet, dass man die errechneten Kilometer im Jahr mit der Dieselversion mehr fahren müsste, damit sie sich gegenüber dem Benziner rechnet. Diese Behauptung war falsch. Stattdessen muss es, wie nun geschrieben, heißen, dass mindestens so viele Kilometer im Jahr gefahren werden müssen, um mit dem Diesel günstiger unterwegs zu sein. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen und danken all jenen Lesern, die uns auf diesen Fauxpas aufmerksam gemacht haben.