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Car2go in den USA:Let's go Texas

Seit knapp einem Jahr testet Daimler in Ulm das innovative Mietauto-Konzept car2go. Jetzt gibt es in Texas die erste Außenstelle.

Der Normalfall: Führerschein machen, Auto kaufen, Auto haben, verkaufen, neu kaufen - damit immer ein fahrbarer Untersatz zur Verfügung steht, ein ganzes Autofahrerleben lang. Die Ein-Mensch-ein-Auto-Philosophie ist in den Industriegesellschaften Normalität - und sie ist schuld daran, dass sich der Traum von der automobilen Freiheit immer öfter in einen verkehrstechnischen Albtraum verwandelt.

Noch eine Begegnung der ungewohnten Art: ein Smart Fortwo und ein Longhorn-Bulle

(Foto: Foto: oh)

Verstopfte Straßen, nervtötende Staus und zeitraubende Dauerschleifen zwecks Parkplatzsuche in der City führen den Wunsch nach individueller Mobilität Tag für Tag ad absurdum. Die klügsten Köpfe in der Städteplanerzunft fordern daher schon seit langem neue Verkehrskonzepte, die mehr können als Privatautos, Bus und Bahn. Konkrete Beispiele lassen indes auf sich warten - von gut gemeinten Carsharing-Angeboten, die ein Nischendasein fristen, einmal abgesehen.

Als Daimler vor einem Jahr in Ulm sein Leihauto-Projekt "Car2go" an den Start brachte, war das deshalb schon eine kleine Sensation. 50 Cityflitzer der Marke Smart wurden dabei zunächst einem begrenzten Personenkreis zur Verfügung gestellt. Nach erfolgreicher Testphase wurde der Pilotversuch ausgeweitet. Seit April kursieren 200 blauweiße Cityflitzer in und um Ulm herum, die im Prinzip von jedem Führerscheininhaber ohne Voranmeldung und ohne Kaution - praktisch vom Fleck weg - gemietet werden können. Einzige Bedingung: Man muss sich als Nutzer registrieren lassen. Rund 15.000 Menschen - das sind mehr als 15 Prozent der Ulmer Führerscheininhaber - haben das bereits getan und täglich machen 500 bis 1000 von ihnen von einem Miet-Smart Gebrauch.

Jetzt will Daimler testen, wie das Car2go-Konzept in den USA ankommt. Mit der texanischen Hauptstadt Austin wurde nach Ulm der zweite Kooperationspartner für die Leihauto-Idee gewonnen. Nach dem Erfolg in der süddeutschen Münsterstadt sei dies "der nächste große Schritt zur internationalen Markteinführung", freut sich Thomas Weber, der bei Daimler für Konzernforschung zuständig ist. Mit Car2go, so hofft man im Konzern, könnte sich künftig international und in großem Stil ein neues Geschäftsfeld etablieren lassen.

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