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Busunglück in Wallis:Wie sicher Busreisen in der Schweiz sind

EU-weite Gurtpflicht, sichere Tunnelanlagen und vorgeschriebene Ruhezeiten für die Fahrer: Es heißt, Reisebusse gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln überhaupt. Doch wenn es kracht, sind die Folgen meist verheerend, sagen Experten.

Sascha Gorhau

28 Menschen sind bei dem tragischen Unglück von Sierre (Siders) verunglückt. Doch Reisebusse gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln überhaupt: "Busse sind gemäß unseren Statistiken unglaublich sicher. Nur wenn was passiert, dann sind die Folgen meist wirklich schlimm," sagt Jürgen Grieving vom ADAC.

Gurtpflicht. Seit 2006 gilt in der gesamten EU eine Anschnallpflicht in Reisebussen. Sie greift auch in der Schweiz. In Deutschland wurde bereits 2005 eine entsprechende Gurtpflicht eingeführt. Eigentlich hätten also alle Insassen des Busses angeschnallt sein müssen. Ob die Schulkinder auch tatsächlich Sicherheitsgurte angelegt hatten, ist derzeit aber noch unklar. Der Busfahrer müsse die Fahrgäste auf die Gurtpflicht hinweisen, er könne aber niemanden zwingen, sich anzuschnallen, erklärt Frank Volk vom TÜV Süd.

Sicherheit der Tunnel. Schweizer Tunnel gelten allgemein als sehr sicher. Im großen Tunneltest des ADAC aus dem Jahre 2010 erhielten die eidgenössischen Verkehrsröhren ausschließlich gute und sehr gute Bewertungen. Bereits 2005 widmeten sich die Tester dem betroffenen Unfalltunnel Sierre. Er wurde damals vom ADAC als "gut" bewertet.

Lobend erwähnt der Verkehrsklub in dieser Untersuchung beispielsweise die vorhandenen Pannenbuchten im Abstand von 600 Metern. An die Mauer einer dieser Rettungszonen prallte der verunglückte Reisebus. "Hier wäre vielleicht eine durchgängige dritte Spur als Auslaufzone sinnvoller gewesen," sagt Bastian Roet vom Bundesverband deutscher Omnibusunternehmer e. V.

Die Fahrer. "Der Faktor Mensch lässt sich nie ausschließen," so Roet weiter und verweist darauf, dass verbindliche Ruhezeiten für die Fahrer europaweit gelten. Außerdem führe jeder Staat entsprechende Kontrollen durch. Die Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhephasen für die Bus-Chauffeure würden nicht zuletzt dadurch kontrolliert und dokumentiert. Den Dienstag haben die beiden Fahrer des verunglückten Busses nach Angaben des belgischen Verkehrsministeriums am Abfahrtsort Val d'Anniviers verbracht. "Es scheint, dass also die Vorschriften über die Ruhe- und Fahrzeit eingehalten wurden," sagt der Staatssekretär, Melchior Wathelet.

Technische Defekte. Gegenwärtig untersuchen die schweizerischen Behörden den Bus auf technische Defekte, die zu dem Unglück geführt haben könnten. Vor allem von der Auswertung der Überwachungsvideos erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf die Unfallursache.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/mri/leja/hai

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