Abgasreinigung:Wann nachgefüllt werden muss, zeigt die Elektronik dem Fahrer im Display an

Auch BMW-Sprecher Niklas Drechsler verweist auf die Einflussgrößen Fahrer, Fahrprofil oder Temperatur und belässt es bei ungefähren Werten: "Prinzipiell ist die Behältergröße in unseren Fahrzeugen auf eine Reichweite von 15 000 Kilometer bei einem durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch ausgelegt." Die Größe der AdBlue-Tanks variiert dabei je nach Hersteller, Fahrzeuggröße, -gewicht und Motorleistung. Der Škoda Yeti 2,0 TDI SCR (81 oder 110 kW) beispielsweise hat elf Liter an Bord, der Mercedes-Benz GLE (250d, 350d) 28 Liter.

Wann nachgefüllt werden muss, zeigt die Elektronik dem Fahrer im Display an. Die erste Warnung erscheint bei 2400 Kilometern Restreichweite. Bei 1600 Kilometern greift Warnstufe zwei. Unter 1000 Kilometer wird permanent darauf hingewiesen, dass Harnstofflösung nachzufüllen ist. Wer die Warnung ignoriert, riskiert zu stranden, denn ohne AdBlue im Tank ist ein Motorstart nicht möglich. Zum Neustart genügt das Nachtanken einer Mindestmenge Harnstofflösung und das Zurücksetzen der Reichweitenelektronik, was in der Regel mit längerem Einschalten der Zündung erledigt ist. Vier bis fünf Liter sollten bei leerem Tank mindestens nachgefüllt werden, damit die Elektronik den neuen Füllstand erkennt und den Startvorgang ermöglicht.

Die Versorgung mit AdBlue ist flächendeckend gewährleiset. Laut Portal www.findadblue.com können Autofahrer den Betriebsstoff aktuell an mehr als 10 900 Stellen in ganz Europa beziehen. Adblue-Zapfsäulen für Personenwagen an den Tankstellen gibt es dagegen noch kaum. An der Tankstelle kostet der Liter AdBlue aus der Lkw-Zapfpistole zwischen 49 und 65 Cent. Pkw-Fahrern bleibt oft nur der Griff zu den Nachfüllflaschen und -kanistern, die es an vielen Tankstellen und im Fachhandel mit einem, 1,89, fünf oder zehn Litern Inhalt gibt. Die 1,89 Liter Flasche AdBlue für Pkw wird aktuell an vielen Tankstellen für 9,95 Euro verkauft, etwa das Zehnfache des Lkw-Literpreises.

Je größer die Menge desto geringer der Preis

Die hohen Kosten für die Nachfüllgebinde begründet Shell mit höheren Produktionskosten und dem logistischen Aufwand für die flächendeckende Verteilung. Je größer die Menge desto geringer der Preis. 18,50 Euro verlangt beispielsweise die Mercedes-Benz-Niederlassung München für einen 10-Liter-Kanister. Alle AdBlue-Nachfüllgebinde bis zehn Liter haben einen genormten Verschluss für das tropffreie Einfüllen in den Pkw-AdBlue-Tank und passen herstellerübergreifend.

Bei der Lagerung sollte AdBlue vor starkem Frost geschützt werden, denn bei -11,5 Grad Celsius kristallisiert die Lösung aus. Darum sind Tanks und Zuleitungen in den Fahrzeugen beheizt. Sorgfalt ist bei der Handhabung der Flüssigkeit geboten. Nicht empfehlenswert ist zum Beispiel das Umfüllen in verschmutzte Behälter. Fremdpartikel und Verunreinigungen können die Abgasreinigung im Fahrzeug negativ beeinflussen.

Wer nicht selbst nachfüllen möchte, kann den Nachfüll-Service in Anspruch nehmen, den viele Werkstätten und Autohäuser zusätzlich zum Verkauf von Kleingebinden anbieten. Oft berechnen Betriebe wie die Werkstatt-Kette ATU, im Rahmen einer Inspektion nur die nachgefüllte Flüssigkeit. Kosten für den Nachfüll-Service können dann anfallen, wenn der Tankstutzen sich hinter Verkleidungen im Kofferraum verbirgt, die erst demontiert werden müssen. Bei der Mehrzahl der aktuellen SCR-Diesel befindet sich der blaue Einfüllstutzen für AdBlue neben dem für den Diesel-Kraftstoff.

Hautkontakt sollte man möglichst vermeiden

Besonders kostenbewusste Dieselfahrer raten im Internet dazu, die Harnstofflösung an der Lkw-Zapfsäule nachzufüllen. Mladen Jankovic, Werkstattleiter bei der W. Frisch GmbH in Forstinning bei München, hält das für keine gute Idee. "Lkw-AdBlue-Zapfsäulen arbeiten mit sehr hohen Durchflussgeschwindigkeiten. Ein 20-Liter-Tank ist in Nullkommanichts voll und das Überlaufen der Flüssigkeit programmiert."

Das ist zwar ungefährlich, denn AdBlue ist ungiftig. Dennoch sollte man die Haut nach Kontakt intensiv mit Wasser reinigen und alle Rückstände entfernen. Gleiches gilt für Tropfspuren auf Textilien, Lack oder Kunststoffteilen.

Richtig teuer kann es werden, wenn AdBlue bei einem missglückten Nachfüllversuch im Kofferraum verschüttet wird. "Kommen Kabel, Schalter oder Steuergräte damit in Kontakt, sind Folgeschäden an der Elektronik wahrscheinlich", warnt Jankovic. Wegen ihrer hohen Kapillarwirkung krieche die Lösung auch in unzugänglichste Winkel und verursache dort massive Korrosionsschäden.

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