Kann ein vom Wind beschleunigtes Auto schneller fahren als der Wind? Ein US-Team hat ein solches Gefährt jetzt vorgestellt.
In Kalifornien ist zum ersten Mal ein vom Wind angetriebenes Auto schneller als eben jener Wind gefahren. Das Blackbird genannte Gefährt erreichte Mitte Mai auf dem Flugplatz New Jerusalem bei Tracy ein Tempo von gut 60 Kilometern pro Stunde, obwohl der Nordwestwind nur mit 22 Kilometern pro Stunde wehte, wie seine Konstrukteure und amerikanische Medien melden.
Bild vergrößern
Blackbird - ein Auto, das mit Windkraft schneller fährt als der Wind? Beim Rekord zeigte ein roter Faden vorn den Fahrtwind. (© Thin Air Designs)
Anzeige
Das Team um Rick Cavallaro von der Firma Thin Air Designs wollte mit der Fahrt eine lang debattierte Frage beantworten. Viele Experten für Aerodynamik hatten bestritten, dass ein Fahrzeug mit reinem Rückenwind schneller als die bewegte Luft sein könne: Schließlich schläft der Wind relativ zum Gefährt ja ein, sobald es dessen Geschwindigkeit erreicht hat.
Dieses Problem haben die Designer des Blackbird umgangen, indem sie die Relativgeschwindigkeit zum Boden und nicht zur Luft für den Vortrieb nutzen. Außerdem besitzt der Blackbird kein Segel: Auf der sehr flachen, schmalen und leichten Karosserie, ist hinter dem Fahrersitz ein Windrad von fünf Metern Durchmesser montiert.
Dieses wird aber nicht vom Rückenwind gedreht und gibt seine Energie auf die Räder weiter. Dann wäre wohl in der Tat das Tempo auf die Windgeschwindigkeit begrenzt. Das Prinzip ist umgekehrt. Die Räder drehen über ein Getriebe den Propeller. Er ist wie bei einem Flugzeug angeordnet und zieht das Auto wegen der Form und Stellung seiner Blätter nach vorne.
Beim Anfahren schieben das Team und der Wind den Blackbird an (Video). Der langsam anlaufende Propeller erzeugt in dieser Phase zwar schon etwas Vortrieb, wird aber gebremst, weil ihn der Rückenwind eigentlich anders herum drehen möchte. Die Widerstand hört auf, sobald das Auto die kritische Geschwindigkeit des Windes überschreitet. Nun erzeugt das Windrad nicht nur Vortrieb, der entstehende Fahrtwind unterstützt sogar seine Drehung.
Von den Rädern muss dann nicht mehr so viel Antriebsenergie für den Propeller aufgebracht werden, so dass das gesamte Gefährt beschleunigen kann. Sein Tempo ist aber aus physikalischen Gründen begrenzt, weil der Luftwiderstand schneller wächst als der mögliche Vortrieb.
Cavallaros Idee funktioniert offenbar. Filme eines früheren Prototypen zeigen, wie rote Bänder an dem Auto erst mit dem Rückenwind nach vorne, dann mit dem Fahrtwind nach hinten wehen, während sich das Windrad immer schneller dreht. Dennoch wird die Konstruktion sicherlich weitere Diskussionen auslösen.
Cavallaro, dessen Team von Google und einer amerikanischen Windenergiefirma gesponsert wurde, aber verteidigt seinen Prototyp. Es sei keinesfalls ein Perpetuum mobile, sagte er dem Online-Dienst von Wired, weil das Gefährt ständig externe Energie vom Wind bekomme. Auf anderen Kursen zur Windrichtung ist längst bewiesen, dass Segelboote oder Strandsegler schneller als der Wind sein können.
- Öko-Mobil (7): Venturi Eclectic Das Auto, das mit Wind fährt 24.09.2007
- Venturi Eclectic Der Selbstversorger 10.07.2007
- Windkraftwerk vor Wales München hat Ökoziel fast erreicht 04.06.2010
- Egmating Bürgerbegehren gegen Windkraft 25.11.2011
- Windkraft zwischen Kochel und Icking Nur ein Hauch 18.11.2011
- Unmut über Regionalen Planungsverband "Wir laufen gegen Gummiwände" 17.11.2011
- Podiumsdiskussion in Vaterstetten Der Wald ist nur der Anfang 16.11.2011
(SZ vom 08.06.2010/mcs)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
@rdoelling: (---hatte ich schon vor Tagen gepostet, war aber nicht durch die Kontrolle gegangen. Offenbar werden bestimmte Schlüsselwörter automatisch geblockt und der Computer kann Ironie nicht erkennen.)
Das ist ja lustig. Wie hieß es früher: Ein Schiff kann nicht gegen den Wind segeln? Ein Flugzeug, das schwerer ist als Luft, kann nicht fliegen?
Warum sollte ein von den Rädern angetriebener Propeller ein leichtes Fahrzeug nicht auf doppelte Windgeschwindigkeit bringen können? Andere windgetriebene Fahrzeuge schaffen das locker. Was dem Segler der raume Wind, ist dem Propeller der richtige Anstellwinkel - in Drehrichtung, die Windrichtung ist da vergleichsweise egal. Allerdings bringt einem Auto mit reinem Propeller-Antrieb gerade der Vormwindkurs die größten Vorteile. Aber da endet der Vergleich auch schon. Das Windauto hat mit dem Segeln sonst nichts zu tun.
Auch der Vergleich mit Windrädern (siehe Artikel) geht völlig in die Irre. Windräder werden vom Wind angetrieben und verlangsamen den Wind. Beim Windauto erzeugt der Propeller Wind, der dem realen Wind entgegen geblasen wird. Die Kraft dazu kommt aus den Rädern. Diese wiederum bekommen Kraft, weil das Gesamtsystem dem Winddruck ausgesetzt ist.
Wenn man schon einen Vergleich machen will, dann diesen: Das Windauto ist ein Ventilator auf Rollen. Der Propeller wird von den Rädern angetrieben und pustet munter gegen den anstürmenden Wind, was ihn schneller rollen lässt als wenn er nicht pusten würde, woraufhin mehr gepustet werden kann und so weiter bis der zunehmende Fahrtwind eine weitere Beschleunigung unmöglich macht. Aber da fährt das ganze System schon 2,85 mal so schnell wie der Wind.
Ach ja, den Leuten von Google, die das Projekt sponsern, haben am Anfang auch alle gesagt, daß man mit Suchmaschinen im Internet kein Geld verdienen kann.
Was mich wundert, ist, daß der Autor des Artikels eigene (unzutreffende) Spekulationen über das Wirkunsprinzip des Windkraftautos anstellt, die den Statements der Erbauer zuwiderlaufen:
"Beim Anfahren schieben das Team und der Wind den Blackbird an (Video). Der langsam anlaufende Propeller erzeugt in dieser Phase zwar schon etwas Vortrieb, wird aber gebremst, weil ihn der Rückenwind eigentlich anders herum drehen möchte. Die Widerstand hört auf, sobald das Auto die kritische Geschwindigkeit des Windes überschreitet. Nun erzeugt das Windrad nicht nur Vortrieb, der entstehende Fahrtwind unterstützt sogar seine Drehung."
Immerhin verlinkt der Artikel auf die Korrektur:
Wired: Posted by: ziploc | 06/2/10 | 6:29 pm |
... The prop always acts as a prop – not a turbine (though it’s stalled initially and only acts as a bluff body). There is nothing particularly special that happens right at wind speed – despite what might seem like common sense...
Sobald der Propeller Schub erzeugt - lange vor Erreichen der Windgeschwindigkeit - kann ihn der Rückenwind nicht mehr andersherum drehen wollen, weil ihm der Propellerwind bereits entgegen bläst. Bei Erreichen der Windgeschwindigkeit passiert nichts besonderes. Und auch wenn das Gerät schneller fährt als der Rückenwind, kann der Propeller aus dem Fahrtwind keine Energie beziehen, auch nicht ein bißchen - der Schub wäre dann weg. (Oder hat man schon mal gehört, daß Propellerflugzeuge bei Gegenwind immer schneller werden?)
Die Räder nehmen Kraft vom Boden auf - nicht der Propeller vom Wind. Das gilt für jede Phase des Laufs. Die Energie kommt aus der Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Wind und Land.
Einen kleinen Windgenerator würden die Erfinder allerhöchstens einbauen, um damit bei der Rekordfahrt im entscheidenden Moment ihre Liblingsmusik erschallen zu lassen...
@Christopher Schrader, nicht Christoph
...dürfen Sie gerne korrigieren, falls ich das falsch geschrieben haben. Wenigstens der Autoren-Name sollte richtig sein, wenn der Artikel schon so gravierende Fehler enthält. :-)
@ fenomene: du hast ja richtig Recht. Warum ist noch kein Fliegerkonstrukteur auf die Idee gekommen, ein gaaaanz langes Fahrgestell unter den Flieger zu schrauben, damit er bei Rückenwind den Rollwiderstand noch mit als Vortrieb auf den Propeller bringen kann?
Ein paar Leute probieren das mit der Propellerform zu erklären. Wer segelt weiß, dass der Vortrieb auf Raumkurs maximal ist weil der Unterdruck vorm Segel wirkt. Das geht aber nicht bei Rückenwind, egal wie man das Segel formt ....
Und nun überlegen wir mal: Wir zapfen dem Segelboot seinen Hilfspropeller an, übersetzen das mit Getriebe auf einen Windpropeller und stellen uns mit dem Rücken zum Wind. Was passiert? Der Propeller im Wasser rotiert, die Energie kriegen wir auf den Windprop und der drückt den Wind nach hinten, gegen den Rückenwind. Dann fährt das Boot schneller. Und weil es schneller fährt, drückt es noch mehr Wind nach hinten. Und fährt noch schneller .... Ein Glück, dass der Wasserpropeller nicht mehr wirkt wenn das Boot abhebt, weil sonst würden wir direkt in eine Erdumlaufbahn beschleunigt :-)
Da hat mal wieder einer tief in der Nase gebohrt.
1. lassen wir mal alle Reibkraftverluste beiseite, dann würde das Windei mit der Geschwindigkeit fahren, mit der es angeschoben wurde plus der Windgeschwindigkeit. Nun sind aber Reibkraftverluste da..... Das wird wohl der Grund sein, warum das Windei nicht mal die Bahnlänge des Flugplatzes schafft. Mal überlegen, wie schnell seine Helfer schieben müssen damit er dreißig km weit über den großen Salzsee brausen kann, statt einen kurzen Hopser auf dem Flugplatz....
2. Da kommen Argumente: die Propellerform machts aus. Wer segelt, der weiß: vorm Wind ist es egal ob man das Segel dicht holt oder nicht .... schneller als der Wind wird man deswegen nie nicht. Notwendig ist, dass Unterdruck auf der Leeseite des Segels (oder Propellers) erzeugt wird. Und das macht raumer Wind ganz allein. Wie? Vektorrechnung anwerfen! Ohne Räder unterm Boot :-)
3. Die Windenergie eines gegebenen Querschnitts A ist die Masse Luft M, die mit Geschwindigkeit v übers Land braust. Mit einer guten Turbine holt man bei 20 km/h rund 50 W/m² raus - für das Wunderwindei also 1 kW. Mal überlegt, wie schnell 1 kW so ein Gefährt bei WIndstille bewegen könnte?
Rundum: Es ist Sommer. Zeit für nen netten Hoax :-)
Paging