Getäuschte Wahrnehmung Die Hässlichkeit im Auge des Betrachters

Australische Forscher bringen unser Gehirn dazu, Gesichter ganz normaler Frauen als groteske Monsterfratzen wahrzunehmen - mit Hilfe eines ganz einfachen Tricks. Sehen Sie selbst.

Mit Video

Das Bild von der Welt, das in unserem Kopf entsteht, stellt nur einen verzerrten Bruchteil dessen dar, was tatsächlich um uns und in uns existiert. Das belegen zum Beispiel optische Täuschungen. Besonders eindrucksvoll demonstrieren australische Wissenschaftler diese Tatsache nun mit ihrer Beobachtung an Porträtfotos.

Wie Sean Murphy, Jason Tangen und Matthew Thompson von der University of Queensland in St. Lucia im Fachjournal Perception berichten, erscheinen uns die Gesichter völlig normal aussehender Frauen "wie Karikaturen ihrer selbst, ja sogar grotesk, wenn man sie auf einem Computerbildschirm nacheinander auftauchen lässt".

Um zu begreifen, wovon die Forscher schreiben, muss man sich lediglich auf das Kreuz zwischen den beiden Fotos auf dem Video konzentrieren und den Film laufen lassen.

Auf die Spur des Phänomens war Sean Murphy gestoßen, als er für ein bestimmtes Experiment Porträtaufnahmen von Frauen vorbereitete, die aus einer slowakischen Datenbank stammten, wie das Fachmagazin New Scientist berichtet. Dafür hatte der Psychologiestudent die Porträts so aufeinander abgestimmt, dass die Augen sich auf gleicher Höhe befanden.

Als er überprüfen wollte, ob das geklappt hatte, bemerkte er, dass die Gesichter im Verlauf des Tests verzerrt und hässlich wirkten. "Am stärksten ist die Störung für Gesichter, die in einem bestimmten Aspekt abweichen (zum Beispiel wirkt eine große Stirn besonders groß)", berichten die Psychologen.

Die Beobachtung hat nichts damit zu tun, dass die anfänglich betrachteten Gesichter aus der Slowakei stammten, betonen die Wissenschaftler. "Wir konnten den Effekt mit Gesichtern aus etlichen anderen Datenbanken wiederholen."

Möglicherweise, so erklärte Jason Tangen dem New Scientist, kommt es zu dem Effekt, da unser Gehirn versucht, jedes neue Gesicht möglichst schnell mit zuvor gesehenen zu vergleichen.

Die Forscher hoffen nun, dass diese neue Methode der Bilddarstellung ein neues Werkzeug zur Untersuchung von Wahrnehmungsfehlern darstellen könnte.

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