Verhaltensforschung Präriewühlmäuse kuscheln gegen den Stress

Streicheleinheiten: kleine Nager mit viel Empathie.

(Foto: Zack Johnson)

Allerdings nur mit bestimmten Artgenossen - und nicht mit Fremden.

Von Mathias Tertilt

Mitgefühl ist in der Natur verbreiteter als angenommen. Auch Präriewühlmäuse trösten ihre Artgenossen, falls diese unter Stress gestanden haben. Zuneigung gibt es allerdings nur, wenn sich die Tiere bereits kennen. Mit fremden Mäusen wird nicht gekuschelt. Dabei spielt das "Kuschelhormon" Oxytocin eine maßgebliche Rolle.

Das berichten Forscher von den Universitäten Atlanta und Utrecht, die ihre Ergebnisse nun im Fachmagazin Science veröffentlicht haben. Die Wissenschaftler haben für ihre Studie Wühlmauspärchen gebildet und mehrere Tage aneinander gewöhnt. Anschließend haben sie die Tiere getrennt und eines von ihnen verängstigt.

Die Wühlmaus bekam kurzzeitig laute Töne zu hören und leichte Elektroschocks. Wieder in einem Käfig vereint, bekam sie sofort Trost und Zuneigung von ihrem Artgenossen. Dabei lecken sich Wühlmäuse gegenseitig das Fell. Dieses Verhalten tritt deutlich schneller und länger auf, wenn die Tiere sich bereits kennen, schreiben die Forscher.

Wissenschaftler finden Fremdgeh-Gene bei Wühlmäusen

Bestimmte Gene sind bei männlichen Wühlmäusen weniger aktiv, wenn sie einen Seitensprung suchen. mehr ...

Lieber Freund als Fremd

Bei einer Kontrollgruppe blieben die beiden Wühlmäuse lediglich eine Zeit lang getrennt, ohne sie den Stressfaktoren auszusetzen. Hier hat es deutlich länger gedauert, bis die Tiere das empathische Verhalten gezeigt haben. Dasselbe gilt für einander fremde Tiere.

Die Forscher führen ihre Beobachtungen auf das Hormon Oxytocin zurück. Sie untersuchten dafür Präriewühlmäuse, die das Hormon nicht verarbeiten konnten. Diese Tiere haben ihre Artgenossen in den Versuchen nicht getröstet. Die Nager zählen damit neben Menschenaffen, Elefanten, Hunden und Delfinen zu wenigen Spezies, bei denen Forscher empathisches Verhalten vermuten.