Verhaltensbiologie "La Ola" der Präriehunde

Verhaltensbiologie "La Ola" bei Präriehunden

(Video: R. Senkiw, Foto: Darlene Stack/The Royal Society)

Durch Kolonien von nordamerikanischen Präriehunden geht immer wieder eine wellenförmige Bewegung, die der La-Ola-Welle im Fußballstadion ähnelt. Nun bieten Wissenschaftler eine Erklärung für die Choreografie der Tiere.

Von Katrin Blawat

Durch die Kolonien von Präriehunden in Nordamerika geht immer wieder eine wellenförmige Bewegung, ähnlich einer "La Ola" im Fußballstadion.

Zustande kommen diese Wellen, wenn sich eines der Erdhörnchen auf den Hinterbeinen aufrichtet - und die anderen Gruppenmitglieder mit diesem "jump-yip"-Verhalten ansteckt. Noch ehe der Initiator wieder auf allen Vieren gelandet ist, hat sich schon ein Artgenosse erhoben.

Das sieht putzig aus - und lässt Forscher rätseln: Welchen Sinn hat dieses aufeinander abgestimmte Verhalten?

Vielleicht ermöglicht es dem einzelnen Gruppenmitglied, in Ruhe nach Futter zu suchen, vermuten nun Biologen der University of Manitoba im kanadischen Winnipeg (Proceedings of the Royal Society B, online). Demnach könnte das koordinierte Männchenmachen dazu dienen, sich der Wachsamkeit der anderen Gruppenmitglieder zu versichern.

Dies vermutet das Team um James Hare aufgrund seiner Beobachtungen von insgesamt 173 Wellen in mehreren Gruppen von Schwarzschwanz-Präriehunden. Dabei zeigte sich, dass ein einzelnes Tier umso ausgiebiger nach Futter suchte, je mehr Artgenossen sich an der Welle beteiligten und je länger diese anhielt.

Mit seinem Aufrichten testet ein Präriehund der neuen Theorie zufolge, ob seine Artgenossen wachsam genug sind, um auf die Bewegung zu reagieren. Nur dann kann er es sich leisten, sich ganz der Futtersuche hinzugeben.

Die gut 30 Zentimeter lange Erdhörnchen-Art lebt in großen Kolonien, die jeweils aus mehreren Familien bestehen, und frisst vor allem Gras.