Ungewöhnliche Nahrungsmittel Geheimnis des bunten Honigs

Im Elsass verzweifeln Imker an ihren Bienen: Die Insekten produzieren Honig in blauen und grünen Farbtönen, weil sie Reste einer M&M's-Produktion dem Blütennektar bevorzugen. Es ist nicht das erste Mal, dass Bienen auf solche Art fremdgehen.

Von Markus C. Schulte von Drach

Ein Imker aus dem Elsass zeigt seine Sammlung an buntem Honig.

(Foto: REUTERS)

Honig kann weiß sein, gelb, braun oder sogar fast schwarz. Welche Farbe er hat, hängt davon ab, an welchen Pflanzen die Bienen Nektar gesucht haben, und wie viel Honigtau in ihm enthalten ist. Der Nektar selbst ist eigentlich farblos. Über Pollen geraten jedoch Farbstoffe wie Flavone, Carotinoide oder Anthocyane in den Honig, weshalb zum Beispiel der Sonnenblumenhonig gelb ist, Rapshonig dagegen weiß. Und bei Honigtau handelt es sich um das Ausscheidungsprodukt einiger Insekten wie Blattläuse, die die Bienen von den Blättern lecken, und die etwa den dunklen Waldhonig ergeben.

Aber grüner und blauer Honig?

Damit haben ein Dutzend Imker in der Umgebung der französischen Stadt Ribeauvillé (Rappoltsweiler) im Elsass zu tun. Zu ihrer großen Überraschung beobachteten sie, dass ihre Bienen nicht normalen Nektar, sondern Substanzen in den Farben blau, grün oder schokoladenbraun nach Hause brachten. Die Folge: In den Waben der Bienenstöcke entsteht Honig in Schattierungen genau dieser Farben.

Wie sich nun herausgestellt hat, besuchten die betroffenen Sammlerinnen offenbar nicht mehr, wie vorgesehen, Blumen und Blüten, sondern eine Biogasanlage in der Umgebung. Angelockt, so berichtet Le Monde, wurden sie von Rückständen aus der Produktion von M&M's. Die kleinen bunten Schokolinsen werden unter anderem in einer Fabrik der Firma Mars in der Nähe von Strasbourg hergestellt. Der süße Müll aus der Anlage wird in der Biogasanlage verwertet.

Der Betreiber der Anlage, Agrivalor, hat zugesagt, die für die Bienen interessanten Rückstände in Zukunft in "dichten Behältern zu transportieren und schnell zu verarbeiten".

Was für Substanzen den Honig bunt färben, ist noch unklar. Aber wenn die Quelle tatsächlich die M&M's-Reste sind, dürfte es sich um Lebensmittelfarbstoffe handeln. Trotzdem halten die Imker von Ribeauvillé das farbige Produkt für unverkäuflich.

Vielleicht sollten sie einen Blick nach North Caroline werfen. Auch dort stoßen die Imker in den Sandhills um die Stadt Fayetteville immer wieder auf blauen Honig in ihren Bienenstöcken - und betrachten das als Glücksfall. Das blaue Gold lässt sich sogar für den doppelten Preis verkaufen - obwohl bis heute nicht eindeutig geklärt ist, woher die blaue Farbe stammt.