Tierschutz versus Kosmetik Schönheitstrick für Tierversuche

Tierversuche für kosmetische Zwecke sind in der EU seit 2004 verboten. Ab 2013 sollen auch Produkte, die anderswo an Tieren getestet wurden, aus den Regalen der Drogerien verschwinden. Doch EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli versucht, das Verbot aufzuweichen. Tierschutzorganisationen laufen Sturm.

Von Daniela Kuhr

Kaninchen, Mäuse und Ratten, die im Labor vor Schmerz zappeln - niemand will diese Bilder sehen. Erst recht nicht, wenn das Leid ausschließlich der Schönheit von Menschen dient. Daher sind Tierversuche für kosmetische Zwecke in Deutschland seit 1998 und EU-weit seit 2004 verboten.

Gegen Tierversuche für kosmetische Zwecke protestiert auch die US-Künsterlin Kimberly Wyatt für die Tierrechtsorganisation Peta. In ihrem Spiegelbild sind Verletzungen dargestellt, wie sie Tiere in den entsprechenden Versuchen erleiden können.

(Foto: Peta/karlgrant.com)

Außerhalb der EU allerdings gibt es sie noch - mit der Folge, dass in den Regalen europäischer Drogerien nach wie vor Produkte stehen, die zuvor in einem anderen Land an Tieren getestet worden sind.

Allerdings nicht mehr lange, so war es zumindest geplant. Von März 2013 an sollte EU-weit ein komplettes Vermarktungsverbot für Tierversuchs-Kosmetika gelten. Sollte, wie gesagt. Denn dieses Verbot, für das Tierschützer lange gekämpft hatten, ist auf einmal wieder in Gefahr. Und deshalb laufen Tierschutzorganisationen Sturm.

"Lassen Sie nicht zu, dass Politiker die Uhr zurückdrehen", warnt Peta auf vorgedruckten Postkarten. "Die Tiere haben lange genug auf das Verkaufsverbot für Tierversuchs-Kosmetik gewartet." Der Deutsche Tierschutzbund ruft zu einer Petition auf: "Sag NEIN zu grausamen Tierversuchen für Kosmetik!"

Anlass sind Überlegungen von EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli, das für März geplante Vermarktungsverbot aufzuweichen. Er könne sich vorstellen, in bestimmten Ausnahmefällen Tierversuchs-Kosmetik weiterhin in der EU zuzulassen, sagte Dalli kürzlich in den USA, wo zahlreiche namhafte Kosmetik-Hersteller ihren Sitz haben.

Grund für diese Überlegung: Zwar hat die Branche bereits in vielen Bereichen alternative Tests entwickelt, die Tierversuche überflüssig machen. Hunderte namhafte Firmen verzichten nach eigenen Angaben schon lange auf Tierversuche für Kosmetika und halten sie auch nicht für erforderlich. Doch noch sehen das nicht alle so.

Daher erwägt Dalli, Tierversuchs-Kosmetik dann ausnahmsweise zu erlauben, wenn ein Konzern nachweist, dass er den Versuch für eine Innovation benötigt, von der Gesellschaft und Umwelt profitieren werden.

"In Betracht käme etwa, dass jemand eine sensationelle Sonnencreme entwickelt, die man nur einmal auftragen muss, um den ganzen Tag geschützt zu sein", erklärt Birgit Huber, Vize-Geschäftsführerin des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW). "Sollte sich die Unbedenklichkeit der Inhaltsstoffe für Verbraucher nur durch Tierversuche belegen lassen, dürfte sie auch in Zukunft in der EU auf den Markt."

Laut Huber geht es nur um wenige Ausnahmefälle. Die Branche arbeite bereits von sich aus lieber mit Alternativtests, wie etwa künstlicher Haut, zumal das deutlich günstiger und schneller sei. Das Problem sei nur: "Nicht alle Alternativmethoden sind bereits anerkannt, und bei ein paar Sicherheitsfragen konnte die Wissenschaft noch keine Alternative finden." Beides müsse rasch erfolgen.

Doch der Tierschutzbund will nicht warten. Tierversuche für Kosmetika seien "indiskutabel" und müssten verhindert werden, "egal ob es andere Testmethoden gibt oder nicht".

Oder, wie der ehemalige James-Bond-Darsteller Roger Moore es formuliert hat: "Es erscheint mir absurd, dass es in Europa erlaubt ist, Kosmetik zu verkaufen, die an Tieren getestet wurde, während die Tierversuche selbst verboten sind."