Soziologie Große Männer und schlanke Frauen sind erfolgreicher

Klein, dick und mit Rettungsring: Schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. (Tonfigur der Künstlerin Angela Eberhard)

(Foto: Catherina Hess)

Eine Studie mit 120 000 Probanden zeigt: Kleine und Dicke haben eine schlechtere Ausbildung und verdienen weniger als Menschen, die der ver­meint­lichen Norm entsprechen.

Von Werner Bartens

Die Behauptung, es komme nicht allein auf die Größe an, ist zwar manchmal tröstlich, aber falsch. Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA zeigen anhand umfangreicher Daten, welchen Einfluss Gewicht und Körpergröße auf zahlreiche Lebensbereiche haben. Im British Medical Journal belegt das Forscherteam um Jessica Tyrrell, dass kleiner gewachsene Männer und übergewichtige Frauen aus sozioökonomischer Sicht benachteiligt sind.

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Die Mediziner aus Exeter und Harvard haben anthropometrische Daten von nahezu 120 000 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren analysiert. Die Untersuchung ergab, dass kleinere Männer und dicke Frauen im Durchschnitt eine schlechtere Ausbildung haben, weniger qualifizierte Jobs und in der Folge weniger verdienen. Sie gehören häufiger der untersten sozialen Schicht an und sind stärker bedroht, in Notlagen abzurutschen. Die Forscher betonen, dass Stigmatisierung, mangelndes Selbstwertgefühl und Diskriminierung auch zu den Unterschieden beitragen können.

Sozioökonomische Nachteile bei kleinen Männern und dicken Frauen

Zusätzlich zu den Körperdaten erfassten sie Dutzende Genvarianten, die mit der Neigung zu größerer Körperlänge und Übergewicht einhergingen. Auch bei den Probanden, die rein nach diesen Kriterien unterteilt wurden, zeigten sich sozioökonomische Nachteile bei kleineren Männern und dickeren Frauen. Ein um mehr als vier Einheiten gegenüber dem Durchschnitt erhöhter Body-Mass-Index ging bei Frauen mit einem um 2450 Euro geringeren Jahreseinkommen einher. Waren Männer um mindestens sechs Zentimeter größer als der Durchschnitt, verdienten sie jährlich im Mittel sogar 3815 Euro mehr.

"Es gibt viele Belege dafür, dass Größe den Männern Vorteile bietet, Schlankheit den Frauen", schreiben George Davey Smith und Neil Davies von der Universität Bristol in einem Kommentar. "In ärmeren Ländern ist das nicht so, da sind mehr Übergewichtige unter den gut ausgebildeten Besserverdienern."