Prognose von Klimaforschern Der Norden wird grün

Mehr Bäume in der nördlichen Polarregion: Eine Klima-Simulation sagt starkes Pflanzenwachstum in der Arktis voraus. Ein Ergrünen des Nordens könnte das Ökosystem der ganzen Welt beeinflussen.

Von Christian Weber

Den Trend ist seit Längerem bekannt, doch das Ausmaß der Veränderung könnte selbst manchen Experten überraschen: Die bewaldeten Flächen in den nördlichen Polarregionen werden in den nächsten Jahrzehnten um bis zu 50 Prozent wachsen, prognostizieren Forscher um Richard Pearson vom American Museum of Natural History in der Fachzeitschrift Nature Climate Change (online).

Dies folgern sie aus Computersimulationen, in die Klimaszenarien eingespeist wurden, die bis zum Jahr 2050 reichen. Dabei berechneten die Wissenschaftler, welche Art von Vegetation sich bei den zu erwartenden Temperaturen und Niederschlägen wahrscheinlich wird durchsetzen können. So werde sich nicht nur die grüne Fläche vergrößern, sondern auch die Zusammensetzung der Vegetation ändern.

Etwa die Hälfte der Pflanzenarten könnte verschwinden und durch neue ersetzt werden. Insbesondere würden deutlich mehr Bäume wachsen und - etwa in Sibirien - Gebiete erobern, die Hunderte Kilometer nördlich der derzeitigen Baumgrenze liegen. Trotz aller Unsicherheiten sei ihre Prognose einigermaßen verlässlich, versichern die Forscher. Angesichts der begrenzten Artenvielfalt in der Polarregion seien Simulationen hier einfacher als etwa in den Tropen.

Das Ergrünen des Nordens könnte auch das globale Ökosystem beeinflussen, warnen die Studienautoren. "Die Folgen könnten sich weit über die arktische Region hinaus erstrecken", sagt Richard Pearson. "So verlassen sich etwa Zugvögel aus den niederen Breiten auf bestimmte polare Habitate, etwa offene Flächen, um am Boden Nester zu bauen." Hinzu kommt, dass eine wachsende Vegetation den sogenannten Albedo-Effekt schwächen könnte. So nennen Klimawissenschaftler die Tatsache, dass Schnee und Eis Sonnenstrahlung in den Weltraum reflektieren. Wird das Licht hingegen von Bäumen und Gebüsch absorbiert, stärkt das die Erwärmung.