Öko-Bilanz des Internethandels Das macht 500 Gramm CO2

Einkaufen im Netz gilt als umweltfreundlich. Schließlich bleibt der Pkw dabei in der Garage. Doch dies ist zu kurz gedacht. Eine kleine Öko-Bilanz des Versandhandels.

Von Stefan Weber

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Wer per Mausklick einkauft und sich die bestellten Waren nach Hause bringen lässt, handelt umweltfreundlicher als sein Nachbar, der für jede Besorgung ins Auto steigt. Schließlich vermeidet der Online-Besteller zusätzliche Fahrten. Internet-Händler und Logistikunternehmen haben gleich Zahlen parat, die diese Argumentation stützen.

So hat die Deutsche Post DHL ausgerechnet, dass der Versand eines Pakets über ihr Zustellsystem weniger als 500 Gramm Treibhausgasemissionen verursacht. 500 Gramm CO2 - damit kommt ein modernes Mittelklassefahrzeug nicht einmal 3,5 Kilometer weit. Und weil die Bundesbürger nach Schätzung des Darmstädter Öko-Instituts im Durchschnitt etwa sechs Kilometer unterwegs sind, um Lebensmittel, Pullover oder Schuhe zu kaufen, hat der Einkauf im Netz in der Umweltbilanz klar die Nase vorn. Soweit die Theorie. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Das beginnt mit der Auswahl der Produkte. Wer Bücher, Socken oder Batterien braucht, vergleicht nicht lange. Solche Artikel sind schnell im Netz gekauft. Ein paar Klicks und die Produkte sind im Warenkorb. Anders ist die Sache bei Kleidungsstücken, Fernsehern oder etwa Fahrrädern. Da stöbern viele Kaufinteressenten gerne zunächst einmal in den einschlägigen Läden. Sie vergleichen. Probieren. Lassen sich beraten. Und fahren nach Hause, um im Internet zu bestellen, weil das gewünschte Produkt dort preiswerter zu haben ist.

Schon ist die schöne Öko-Bilanz zugunsten des Onlinehandels Makulatur. "Nur weil E-Commerce boomt und immer mehr online bestellte Ware per Paketdienst zugestellt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass die Kunden auf das Auto verzichten", meint Dieter Urbanke, Chef des zur Otto-Gruppe gehörenden Logistikdienstleisters Hermes Fulfilment .

Noch mehr hat die Umwelt zu leiden, wenn der Zusteller den Kunden nicht antrifft und kein freundlicher Nachbar die Sendung annimmt. Dann nimmt der Paketmann den Karton wieder mit. Kuriere des Paketdienstes Hermes kommen noch ein zweites oder auch ein drittes Mal vorbei, um die Sendung zuzustellen - macht jedes Mal 500 Gramm Treibhausgasemission. Wenn auch dann niemand öffnet, wandern die Pakete zum nächsten Hermes-Paketshop und der Kunde muss sie dort abholen.

So viel Geduld bringen die Zusteller von Deutsche Post DHL nicht auf. Sie klingeln nur einmal an der Wohnungstür. Ist niemand da, bringen sie die Sendung zu einer Packstation, also einem Automaten, an dem die Kunden rund um die Uhr Pakete abholen können. Zwar ist der Weg dorthin meist nicht weit, denn der Logistikkonzern unterhält bundesweit ein Netz von mehr als 2500 solcher Stationen. Aber die Kunden müssen sich wieder auf den Weg machen. Meist mit dem Auto, was erneut die Umwelt belastet.