Seit Jahren wird darum gestritten, ob Handystrahlung gefährlich ist. Die bislang größte Studie bietet nun Grund zur Sorge.
Wer viele Jahre lang intensiv ein Handy benutzt, hat womöglich ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem seltenen Hirntumor zu erkranken.
Handys könnten zu etwa tausend zusätzlichen Fällen von Gliomen - gefährlichen Hirntumoren - in Europa und den USA führen. (© Foto: ddp)
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In der bisher größten Untersuchung zu dem Thema, der internationalen Interphone-Studie, war die Gefahr für die intensivsten Nutzer um 40 Prozent erhöht; zu dieser Gruppe gehörten schon Menschen, die zehn Jahre lang jeden Tag eine halbe Stunde das Mobiltelefon benutzten.
"Die obersten zehn Prozent unserer Studiengruppe scheinen tatsächlich ein erhöhtes Risiko zu haben, ein Gliom zu entwickeln", sagt Elisabeth Cardis vom Umweltforschungszentrum Creal in Barcelona, die die Studie geleitet hat.
An diesem Leiden erkranken in Europa und Nordamerika pro Jahr etwa drei von 100.000 Menschen; Handys könnten den Zahlen der Studie zufolge zu etwa tausend zusätzlichen Krebsfällen auf beiden Kontinenten führen.
Cardis drückt sich so vorsichtig aus, weil sich der Krebsverdacht gegen Handys durch Interphone zwar erhärtet hat, die Studie aber keinen handfesten Beweis liefert.
Die Untersuchung für die gesamte Studiengruppe - immerhin 5200 Krebspatienten und 7700 Kontrollpersonen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren - hat nämlich ein verblüffendes Resultat erbracht. Auf den ersten Blick scheint der Gebrauch von Handys sowohl vor dem bösartigen Gliom als auch dem gutartigen Meningeom zu schützen (International Journal of Epidemiology, online).
"Legitime Unterschiede der Interpretation"
"Das hat sicherlich keine biologische Basis, sondern liegt an methodischen Problemen unserer Studie", sagt Cardis.
Bei der Bewertung der Zahlen in der 20-seitigen Veröffentlichung und den beiden Anhängen von zusammen 13 Seiten gebe es darum "legitime Unterschiede der Interpretation" unter den Forschern.
Die Studie bleibt also hinter den hohen Erwartungen zurück, eine lang erwartete Antwort auf die Frage nach den möglichen Gesundheitsgefahren durch Handys zu liefern. Weil die Ergebnisse so widersprüchlich sind, werden sich Interessenvertreter beider Seiten die Daten herauspicken, die zu ihrem Blickwinkel passen.
Den Anfang hat die Handyindustrie bereits gemacht, ehe die Studie offiziell erschienen war. Der internationale Verband der Handyindustrie, das Mobile Manufacturers Forum, feiert die Ergebnisse als eindeutigen Sieg.
"Die Interphone-Studie liefert eine weitere Bestätigung über die Sicherheit von Mobiltelefonen", erklärt Michael Milligan, Generalsekretär der Organisation.
Auch bei einer Verwendung von mehr als zehn Jahren gebe es keine Gesundheitsrisiken, liest er aus den Daten - ignoriert dabei aber nicht nur den Forschungsstand, sondern auch eine Seite der Ergebnisse.
Weil es sich die Forscher bei der Bewertung ihrer Daten nicht so einfach machen, stecken sie in einem Dilemma. Die Meinungsunterschiede zwischen den 21 Wissenschaftlern aus Europa, Israel, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan haben die Veröffentlichung der Studie um Jahre verzögert.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Handystrahlung ist ebenso ungefährlich wie ein Radiowecker auf dem Naczttisch....
15 Jahre Globales Mobiltelefonieren früher mit X höherer Strahlung haben es gezeigt. Niemand auf diesem Planeten ist nachweislich vom Telefonieren krank geworden....
Übrigens die Schnurlosen Heimtelefone aus den 90er die haben mal so richtig gestrahlt dagegen ist ein handy ein Witz. Hat auch keinen krank gemacht.....
Sehr merkwürdig. Ein und dieselbe Studie wird von der SZ gänzlich anders bewertet wie von der Konkurrenz - z.B. Spiegel, FAZ, TAZ.
Schon im Aufreisser des Artikels wird mit der Aussage "Die bislang größte Studie bietet nun Grund zur Sorge" das komplette Gegenteil des Fazits der Studie selber suggeriert und dies über 3 Seiten mit diversen Zitaten ausgeschmückt, bei denen nicht klar wird, aus welchem Zusammenhang diese genommen wurden.
Eine kleine Google-Recherche später sieht man, dass der Autor dieses Artikels das Spiel von 2007 mit Vorabergebnissen so gespielt hat und damals schon dafür kritisiert wurde. Manche Glaubenssätze à la "Handys müssen böse sein " ändert man halt nicht so leicht - aus meiner Sicht für einen Wissenschaftjournalisten aber ein Armutszeugniss, so zu arbeiten...
Einstein hat schon 1905 nachgewiesen, dass Handystrahlung keinen Krebs verursachen kann! Er hat gezeigt, dass ein Elektron aus einer chemischen Bindung nur durch elektromagnetische Strahlung herausgelöst werden kann (was zu einer DNA-Änderung notwendig ist), deren Frequenz und damit deren Energie mindestens um den Faktor 10000 höher als die unter 2000 MHz liegenden Frequenzen der Mobiltelefonie ist. Deshalb ist es auch sinnvoll, nicht in der Sonne zu liegen und sich braten zu lassen! Aber diese Einsicht würde den untersuchenden Instituten und Verkäufern seltsamer Schutzeinrichtungen vor der Handystrahlung den Geldhahn abdrehen! Seltsame Welt! Warum wird das von der SZ nicht mal ernsthaft recherchiert und berichtet?
"An diesem Leiden erkranken in Europa und Nordamerika pro Jahr etwa drei von 100.000 Menschen; Handys könnten den Zahlen der Studie zufolge zu etwa tausend zusätzlichen Krebsfällen auf beiden Kontinenten führen."
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Tausend zusätzliche wären 1% von 100.000 mehr.
Macht sich natürlich viel besser, wenn man von einer 40%-Steigerung spricht.
Eine ähnliche Zahl bei Brustkrebs hatte schon mal die halbe Nation in Aufruhr gebracht. Dort hatte man statistisch ermittelt, dass es bei einer bestimmten Voraussetzung zu einer Erhöhung um 50% kommt. (Vorher war es 1 Frau von 100.000, nachher waren es 2 Frauen).
So böse es klingen mag: eine Statistik beweist zunächst mal garnix. Sie kann nur Verdachtsmomente nähren.
Alter Schwede, 3 Seiten und trotzdem keine Angabe dazu, _wie hoch_ das Risiko denn nun tatsächlich (oder vermeintlich) ist.
Muss ich mir das also wieder selbst zusammenreimen.
Normalerweise liegt das Risiko bei 3:100.000.
Wenn es durch die Vieltelefoniererei um 40 Prozent steigt, dann liegt es bei 4,2:100.000.
Hoffe das stimmt so. Falls ja, dann ist das Risiko doch sehr überschaubar.