Raubbau, Erosion und Beton verwandeln immer mehr Erdboden in Ödland. Damit steht die Ernährung der Welt auf dem Spiel. Teil 1 einer neuen Serie zu den versiegenden Ressourcen der Erde.
Wo man hinblickt: Narben. Jeder Hangrutsch, jeder Sandsturm, jedes neue Einkaufszentrum und jede Autobahn verletzen ein Stück Haut der Erde. Zurück bleibt toter Boden - Ödland, auf dem nichts mehr gedeihen kann, was Menschen ernährt. Ein Viertel des Erdbodens weltweit ist bereits tot oder kurz davor - erstickt unter wachsenden Wüsten; ertrunken unter Flüssen; weggeweht von Stürmen; aufgefressen von Viehherden; erdrückt von immer neuen Industriegebäuden und Straßen.
Ein Viertel des Erdbodens ist bereits tot oder steht kurz vor dem Kollaps. (© Foto: AFP)
Anzeige
Etwa 120 Hektar Land sind es, die täglich in Deutschland mit Beton zugepflastert werden. Das entspricht der Fläche einer 24 Kilometer langen, vierspurigen Autobahn. Schon nach einer Bauzeit von eineinhalb Monaten wäre die Fahrbahn von Füssen bis Flensburg errichtet. Und am Ende eines Jahres gäbe es acht neue Autobahnen zwischen den beiden Städten im Süden und Norden Deutschlands. All dieses zuvor fruchtbare Land verschwindet Jahr für Jahr in Deutschland. Weltweit sind es sogar knapp 330 Quadratkilometer, die täglich zubetoniert werden.
Dabei hatte die Menschheit gesunden Erdboden noch nie so nötig. Im Jahr 2030 werden sich acht Milliarden Menschen auf ihm drängen und sich ernähren wollen. Doch weil Ackerland auf dem gesamten Globus immer knapper wird, steht die Ernährung der Weltbevölkerung auf dem Spiel. Um genug Nahrung zu erzeugen, müsste das fruchtbare Ackerland weltweit in den kommenden zwei Jahrzehnten eigentlich um die vierfache Fläche Deutschlands anwachsen. Stattdessen aber schrumpfen die fruchtbaren Böden der Erde.
Jahr für Jahr zerstört die Menschheit weltweit Acker- und Weideflächen von der Größe Bayerns und Baden-Württembergs zusammen. Die vielen Kleinbauern in Afrika südlich des Äquators, in Südostasien oder China zum Beispiel. Sie tun es nicht mutwillig. Doch sie leben in Gegenden, in denen die Böden so schlecht sind, dass ihnen keine andere Wahl bleibt - entweder zu hungern oder aus dem Land das Letzte herauszuholen, was es hergibt. Sie bewässern zu viel oder zu wenig und geben den Boden der Versalzung preis, oder sie lassen ihre Viehherden auf die letzten Grasbüschel los. Und stets stehen sie dabei im Wettkampf mit natürlichen Erosionsprozessen, also Überschwemmungen und Stürmen, die noch einmal eine genauso große Fläche jährlich vernichten wie die Menschen.
So kommt es, dass nach Angaben des UN-Wüstensekretariats bereits ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Erde geschädigt ist - ein Viertel der Weltbevölkerung lebt in solchen Gegenden, in denen die Böden erschöpft sind. Da sich die Bauern in Entwicklungsländern kaum Düngemittel leisten können, geht ihrem Land nach und nach die Kraft aus. In etwa 85 Prozent der Böden Afrikas fehlt Stickstoff, Phosphat und Kalium. Dadurch sinken die Erträge Jahr für Jahr, wodurch sich die Bauern erst recht keinen Dünger leisten können und in der nächsten Saison noch weniger ernten - ein Teufelskreis.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Strom-Autos in China belasten die Umwelt stärker als Benziner. Jetzt lesen ...
- Thema
- Ressourcenknappheit RSS
- Ressourcenmangel Der Agro-Imperialismus 22.07.2009
- Versteppung in China Eine Schüssel Wasser pro Tag 22.07.2009
- Worldwatch Institute Konsum ist schlimmster Klimakiller 18.03.2010
- Ernährungskrise Bio für die ganze Welt? 18.01.2010
- Ernährung Darf's ein Baumwoll-Keks sein? 01.12.2009
- Öl-Unfall vor Australien Leck in der Tiefsee 04.11.2009
- Hoffnung auf die Kohle Nur Schall und Rauch? 27.10.2009
Sorgerechtsverfahren in der Kritik
Ich möchte Ihrer Ansicht über "die Volkswirtschaft, welche denjenigen belohnt, der Ressourcen am effizientesten vom Markt schwemmt." widersprechen. Selbstverständlich verbrauchen moderne Volkswirtschaften viel Ressourcen - und das ist nicht gut. Ich bin jedoch der Meinung, dass man ohne eine liberale Wirtschaftsordnung ein noch viel grösseres Maß an Umweltzerstörung und Ressourcenvernichtung zu gegenwärtigen hätte.
Warum? Weil es nur einer liberalen Wirtschaftsordnung immanent ist, Kosten zu vermeiden bzw. für solche aufzukommen. Sie mögen damit recht haben, dass "die Wirtschaft" bisher noch nicht den vollen Preis bezahlt für die Umweltschäden, die sie anrichtet. Aber letztenendes wird der zügellose Raubbau an der Erde nicht durch ein paar fromme Ideen gestoppt, sondern, wenn es zu teuer wird. Ein Schritt in diese Richtung ist es, die Höhe der Schadstoffemission der Industrie über den Verkauf von Rechten zu steuern (cap-and-trade):: Wer umweltfreundliche Technologien verwendet, benötigt weniger Rechte, Schadstoffe zu emittieren und kann diese Erlaubnis dann anderen "Luftverpestern" verkaufen. Die Kosten, die Unternehmen entstehen, wenn sie das Recht erwerben, die Umwelt zu schädigen, schmälern den ihren Gewinn - und den ihrer Aktionäre. Und was tut der Aktionär, wenn sein Gewinn schrumpft? Er wendet sich dem zu, der ihm höheren Gewinn verspricht.
Es kann sein, dass der Preis für ein Umweltverschmutzungszertifikat zu niedrig ist. Dennoch: eine Wirtschaftsordnung, die nicht dem Liberalismus verpflichtet ist (was nicht heisst: dass sich jeder an diese Ordnung hält), hätte die Erde und ihre Ressourcen wahrscheinlich noch mehr in Mitleidenschaft gezogen. Oder meinen Sie, dass es in der ehemaligen Sowjetunion keine Umweltzerstörung in grossem Stil gab?
Vorschnell ist die Jugend mit dem Wort... ungut ists, wenn man andere dabei angreift. Der genannte Bereich ist mein Beruf.
Bestandsgrün zählt nicht einfach so, es muß aus der Nutzung genommen werden und ökologisch aufgewertet werden.
Die Böden sind nicht tot, es wird aber auch kein Wald da husch hingezaubert - er kommt nur langsam und wird dann mit seinem ökologischen Wertzuwachs schrittweise angerechnet. Das ist ja das Geheimnis des Wortes "Konto" - man kann/muß vorher investieren, damit später (wenn man was braucht) was da ist.
Gehen Sie einfach auf eine Gemeinde, schauen Sie in ein Bebauungsplanverfahren (ist alles öffentlich) - Teil Umweltbericht. Da stehts ja. Rückfragen beim BUND oder Umweltministerium. Schauen Sie sich Beispiele an.
Die sog. Ausgleichsflächen von Gemeinden sind keineswegs versiegelte Flächen die wieder offengelegt werden, und somit kein echter Ausgleich. Eher werden alte Gartenanlagen, Brachliegende Felder oder freie Wiesen damit von der Betonierung in Zukunft verschont.
Das unaufhörliche Zubetonieren zurstört die die Heimische Fauna und Flora.
Wer das nicht einsieht hat keine Ahnung. Ich bin nicht gegen jede Straße, aber das ungebremste Ausweisen von Neubaugebieten, obwohl der halbe Ortskern leersteht, wiederspricht dem Umweltfreundlichen Umgang mit Ressourcen, wie in Deutschland festgelegt wurde.
Unsere wichtigste Ressource ist Boden. Auf ihn wachsen Bäume. Ist er zubetoniert verhindern wir Grün und Leben.
Außerdem:
Ein Sumpfwald, richtig Auenwald, wird nie und nimmer auf einer Fläche gedeihen auf dem vorher intensive Landwirtschaft betrieben worden ist. Nicht im nächsten Jahrhundert.
Da sieht man wie viel Sie von Bodennutzung vertehen. Nach 10 Jahren intensiver deutscher Landwirtschaft ist ein Boden TOT. Ohne Dünger wächst da kaum was. Und vor allem kein Auenwald!
bitte nachschauen z.B. in der Wikipedia unter "Eingriffsregelung in Deutschland".
Die Sage vom Zubetonieren ist nicht (mehr) wahr. Es ist nicht richtig. Der Bund Naturschutz und andere entsprechende Organisationen sind Träger öffentlicher Belange und so in dem Verfahren beteiligt.
Es ist einfach nicht wahr.
Krampf.
Es gibt mittlerweile eine klare Gesetzgebung zur "Umweltverträglichkeitsprüfung" UVP. In Bayern ist das z.B. das Ökokonto. Keine Gemeinde kann Bauland ausweisen, ohne dafür großzügig Biotope zu schaffen - z.B. Umwandlung von intensivem Ackerland in aufgeforstete Sumpfwälder, die von Nutzung weitesgehend ausgenommen sind. Es wird netto nichts mehr zubetoniert.
Eine Nachfrage in einer beliebigen öffentlichen Verwaltung könnte dem Autor etwas Sachkunde bringen, stört aber wahrscheinlich im grünen Katastrophenszenario. Ach, wie schade, daß das Waldsterben völlig "falsch" gelaufen ist?
Paging