Mangel an Böden Verbaut, verwüstet, verloren

Raubbau, Erosion und Beton verwandeln immer mehr Erdboden in Ödland. Damit steht die Ernährung der Welt auf dem Spiel. Teil 1 einer neuen Serie zu den versiegenden Ressourcen der Erde.

Von Martin Kotynek

Wo man hinblickt: Narben. Jeder Hangrutsch, jeder Sandsturm, jedes neue Einkaufszentrum und jede Autobahn verletzen ein Stück Haut der Erde. Zurück bleibt toter Boden - Ödland, auf dem nichts mehr gedeihen kann, was Menschen ernährt. Ein Viertel des Erdbodens weltweit ist bereits tot oder kurz davor - erstickt unter wachsenden Wüsten; ertrunken unter Flüssen; weggeweht von Stürmen; aufgefressen von Viehherden; erdrückt von immer neuen Industriegebäuden und Straßen.

Feld, verödet, AFP

Ein Viertel des Erdbodens ist bereits tot oder steht kurz vor dem Kollaps.

(Foto: Foto: AFP)

Etwa 120 Hektar Land sind es, die täglich in Deutschland mit Beton zugepflastert werden. Das entspricht der Fläche einer 24 Kilometer langen, vierspurigen Autobahn. Schon nach einer Bauzeit von eineinhalb Monaten wäre die Fahrbahn von Füssen bis Flensburg errichtet. Und am Ende eines Jahres gäbe es acht neue Autobahnen zwischen den beiden Städten im Süden und Norden Deutschlands. All dieses zuvor fruchtbare Land verschwindet Jahr für Jahr in Deutschland. Weltweit sind es sogar knapp 330 Quadratkilometer, die täglich zubetoniert werden.

Dabei hatte die Menschheit gesunden Erdboden noch nie so nötig. Im Jahr 2030 werden sich acht Milliarden Menschen auf ihm drängen und sich ernähren wollen. Doch weil Ackerland auf dem gesamten Globus immer knapper wird, steht die Ernährung der Weltbevölkerung auf dem Spiel. Um genug Nahrung zu erzeugen, müsste das fruchtbare Ackerland weltweit in den kommenden zwei Jahrzehnten eigentlich um die vierfache Fläche Deutschlands anwachsen. Stattdessen aber schrumpfen die fruchtbaren Böden der Erde.

Jahr für Jahr zerstört die Menschheit weltweit Acker- und Weideflächen von der Größe Bayerns und Baden-Württembergs zusammen. Die vielen Kleinbauern in Afrika südlich des Äquators, in Südostasien oder China zum Beispiel. Sie tun es nicht mutwillig. Doch sie leben in Gegenden, in denen die Böden so schlecht sind, dass ihnen keine andere Wahl bleibt - entweder zu hungern oder aus dem Land das Letzte herauszuholen, was es hergibt. Sie bewässern zu viel oder zu wenig und geben den Boden der Versalzung preis, oder sie lassen ihre Viehherden auf die letzten Grasbüschel los. Und stets stehen sie dabei im Wettkampf mit natürlichen Erosionsprozessen, also Überschwemmungen und Stürmen, die noch einmal eine genauso große Fläche jährlich vernichten wie die Menschen.

So kommt es, dass nach Angaben des UN-Wüstensekretariats bereits ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Erde geschädigt ist - ein Viertel der Weltbevölkerung lebt in solchen Gegenden, in denen die Böden erschöpft sind. Da sich die Bauern in Entwicklungsländern kaum Düngemittel leisten können, geht ihrem Land nach und nach die Kraft aus. In etwa 85 Prozent der Böden Afrikas fehlt Stickstoff, Phosphat und Kalium. Dadurch sinken die Erträge Jahr für Jahr, wodurch sich die Bauern erst recht keinen Dünger leisten können und in der nächsten Saison noch weniger ernten - ein Teufelskreis.