Klimawandel in Deutschland Heißere Sommer, nassere Winter

Ein Hauch von Sommer bereits im Frühling: Im bereits geöffneten Strandbad Jungfernheide in Berlin springen Jugendliche von einer Badeinsel ins Wasser

(Foto: dpa)

Der Klimawandel macht sich in Deutschland bereits bemerkbar: Der Frühling startet früher, es wird wärmer. Einige Regionen müssen sich auf Veränderungen einstellen.

Von Christopher Schrader

In Hamburg blühen die Forsythien bereits seit dem 9. März, eine Folge des milden Winters. Üblicherweise nämlich werden die Sträucher an der Binnenalster im langjährigen Mittel erst am 26. März gelb, berichtet der Deutsche Wetterdienst, der seit 1945 den Beginn der Blüte aufzeichnet. Ein derart frühes Datum wie 2014 findet sich in der ersten Hälfte der Messreihe nur viermal, in der zweiten neunmal.

Der "Hamburger Forsythienkalender" ist eine von vielen sogenannten phänologischen Beobachtungsreihen. Ein Netz von Messstellen zwischen Kap Arkona auf Rügen und Weil am Rhein erfasst Ereignisse wie den Beginn der Apfelblüte oder die Gelbreife von Winterweizen. Auch Vorgänge bei Tieren, vom ersten Ruf des Kuckucks bis zum Almauftrieb der Kühe, werden verzeichnet. Viele dieser Ereignisse liegen in diesem Frühling um Wochen früher als in vergangenen Jahrzehnten - und die Menschen, von Pollenallergikern bis zu Bauern, müssen sich anpassen.

Vier Grad mehr in Deutschland

"Wir haben inzwischen eine ziemlich stabile Vorstellung, wie sich das Klima in Deutschland und Europa verändert", sagt Daniela Jacob vom Hamburger Klimaservice-Zentrum. "Das Signal ist klar und scharf, die Beobachtungen und die Projektionen der weiteren Erwärmung passen gut zusammen." Jacob gehört zu den Leitautoren des Europa-Kapitels im aktuellen Bericht der zweiten IPCC-Arbeitsgruppe; sie arbeitet an regionalen Klimamodellen, deren Ergebnisse der Weltklimarat nun vorstellt. Dabei habe es im Vergleich zum letzten Bericht vor sieben Jahren entscheidende Fortschritte gegeben: "Die Information sind viel robuster und zuverlässiger, auch wenn sich an den konkreten Aussagen wenig geändert hat." Statt früher drei sind in den IPCC-Bericht fast 30 Modellrechungen eingeflossen, die alle zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Deutschland muss sich demnach bis Ende des 21. Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 3,5 bis 4,5 Grad gegenüber den Jahren 1971 und 2000 einstellen, falls die Welt zu keinem wirkungsvollen Klimaabkommen findet. Im Süden, vor allem im Südwesten, steigen die Temperaturen dann etwas schneller als im Norden. Im europäischen Vergleich kommt das Land damit noch gut weg: In Skandinavien und am Mittelmeer zeigen die Thermometer im Sommer und Herbst schon mal fünf Grad mehr an als 100 Jahre zuvor.

Mehr Regen im Süden, Trockenheit im Westen

Zugleich wird Deutschland in drei der vier Jahreszeiten feuchter: Zwischen September und Mai fallen fünf bis 25 Prozent mehr Regen und Schnee, in der Südhälfte können es im Winter auch 35 Prozent mehr Niederschläge sein. Im Sommer allerdings wird die Westhälfte um fünf bis 15 Prozent trockener. In den neuen Bundesländern hingegen dürfte sich kaum etwas ändern. "Da erlauben die vielen neuen Modellrechnungen tatsächlich eine neue Aussage", so Jacob. "Bisher hatten wir für den Nordosten zunehmende Trockenheit erwartet."

Für Europa besagt der neue Bericht im Groben das Gleiche wie der von 2007: Der Norden wird feuchter, der Süden trockener. Die Grenze verläuft im Sommer von Dänemark über Deutschland, Tschechien und Südpolen durch den Norden der Ukraine nach Russland; in anderen Jahreszeiten liegt sie weiter südlich. Die Rechenmodelle sind inzwischen so gut, dass sie sich auch über die diffizile Niederschlagsprojektion weitgehend einig sind. Und zum ersten Mal belegen sie auch Unterschiede zwischen den beiden Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst - die Folgen für Aussaat und Ernte der Landwirtschaft haben. Nordfrankreich etwa kann mit feuchteren Frühjahren, aber unveränderten Herbsten rechnen.