Klimawandel Die Scherben von Kopenhagen

In Bonn planen Delegierte aus aller Welt den Fahrplan für den UN-Klimagipfel in Mexico. Naturschützer kippen ihnen tonnenweise Scherben vor die Tür.

Nach dem Scheitern des Weltklimagipfels von Kopenhagen verhandeln Regierungsvertreter aus aller Welt in Bonn erneut, wie sich doch noch eine Einigung im Kampf gegen den Klimawandel finden lässt.

Etwa 2000 Delegierte aus rund 190 Staaten diskutieren auf einer UN-Arbeitskonferenz über einen Fahrplan für die UN-Verhandlungen auf dem nächsten Weltklimagipfel im mexikanischen Cancun Ende 2010. Drei Tage sollen die Gespräche dauern. Weitere Treffen sind geplant.

Das Kyoto-Protokoll zur Minderung klimaschädlicher Treibhausgase in Industrieländern läuft Ende 2012 aus. Eine andere globale und verbindliche Vereinbarung gibt es bislang nicht.

Auf dem Kopenhagener Gipfel im Dezember hätte ein Nachfolge-Protokoll festgelegt werden sollen. Eine Übereinkunft kam jedoch wegen zu großer Differenzen unter den Staaten nicht zustande.

Klimaschützer kippten vier Tonnen Glasscherben vor das Tagungshotel der Konferenz in Bonn. Auf einem Spruchband hieß es: "Es ist Zeit, die Scherben von Kopenhagen aufzusammeln." Mit ihrer gemeinsamen Aktion wollten die Organisationen Germanwatch, Oxfam, WWF und TckTckTck darauf hinweisen, dass "die Ergebnisse von Kopenhagen bei weitem nicht ausreichend sind, um der Bedrohung durch den Klimawandel gerecht zu werden", wie Sven Harmeling von Germanwatch erklärte.

Mit den bislang angekündigten Emissionsverminderungszielen steuere die Welt auf eine Erderwärmung von drei bis vier Grad zu, obwohl in der Kopenhagen-Vereinbarung versprochen wurde, den Anstieg auf unter zwei Grad zu begrenzen. Die Industrieländer müssten ihre Klimaschutz-Ambitionen deutlich erhöhen, hieß es.

Nach Ansicht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) muss allerdings vor allem China seiner entscheidenden Bedeutung für den globalen Klimaschutz gerecht werden. "China hat eine Führungsrolle", sagte der Minister am Donnerstag in Peking.

Entwicklungs- und Schwellenländer wie China müssten von ihrer bisherigen Haltung abgebracht werden, wonach das Problem der Erderwärmung allein in die Verantwortung von Industrieländern falle. Vielmehr seien "gemeinsame Ansätze für nachhaltige Entwicklung" nötig.

Die Entwicklungsländer wehren sich gegen die Vorwürfe. Unter ihnen gebe es "den politischen Willen, weitere Emissionen zu reduzieren. Sie arbeiten an einer entsprechenden Vereinbarung gemäß dem Kyoto-Protokoll", erklärte Martin Khor vom South Centre, einer Organisation der Entwicklungsländer, dem britischen Nachrichtensender BBC. "Ob es auch einen politischen Willen unter den Industrienationen gibt, ist eine andere Sache."

Wie Umweltminister Röttgen erklärte, müsse die laufende Debatte mit dem Ziel eines Klimaschutzabkommens durch konkrete Kooperationen und Programme ergänzt werden, um auf das vereinbarte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung um zwei Grad hinzuarbeiten. "Das Erreichbare zu realisieren, wird schwer genug."

In den globalen Bemühungen im Kampf gegen die Erderwärmung ist China als größter Produzent von Kohlendioxid bisher nur bereit, den Anstieg seiner Treibhausgase abzubremsen. Bis 2020 soll der Ausstoß für jeden Yuan Wirtschaftsleistung um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 verringert werden. Kritiker halten die Ziele für unzureichend, weil sie nicht über bisherige Erwartungen hinausgehen und Chinas Wirtschaft in der Zeit weiter rasant wachsen dürfte.

Heftige Kritik gibt es aber auch an den USA, wo die Bereitschaft, die Emissionen deutlich zu reduzieren, nur gering ist. Es sei sogar sehr unsicher, ob sich der Vorschlag des Präsidenten durchsetzen wird, in den USA bis 2020 17 Prozent weniger Treibhausgas auszustoßen als 2005, erklärte Alden Meyer von der Union of Concerned Scientists (UCS) der BBC.