Klimaforschung Das Ende der Antarktis

Bisher trägt die Region des Südpols wenig zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Eine Simulation zeigt aber: Werden alle Kohlevorräte der Erde verbrannt, ist das Eis nicht mehr zu retten. Dann steigen die Ozeane womöglich um 50 Meter an.

Von Christopher Schrader

Falls die Menschheit ohne Rücksicht auf den Klimawandel alle erreichbaren Vorräte an Kohle, Erdöl und Erdgas verbrennt, würde die Antarktis vermutlich komplett abschmelzen. Der Meeresspiegel dürfte dann um mehr als 50 Meter ansteigen. Diese Veränderungen würden sich über Jahrhunderte und Jahrtausende ereignen, zeigt eine Langzeit-Simulationsrechnung von Forschern um Ricarda Winkelmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Science Advances, online).

Die maximale Erwärmung von elf Grad Celsius würde demnach im Jahr 2500 erreicht, wenn die Energieressourcen längst verbraucht sind. Den Berechnungen zufolge würden die Temperaturen anfangs um vier Grad pro Jahrhundert ansteigen, nach dem Gipfel würden sie fallen. Noch im Jahr 10 000 wäre es aber knapp acht Grad wärmer als heute. Der Meeresspiegel steigt in dem Szenario der Forscher im ganzen Zeitraum weiter, zunächst um gut drei Meter pro Jahrhundert. Im Jahr 2500 läge er etwa 18 Meter höher, die 50-Meter-Schwelle würde im Jahr 6500 überschritten. Küstenregionen auf allen Kontinenten wären dann schon lange unbewohnbar, einschließlich Städten wie Hamburg, London, New York und Tokio sowie Dhaka, Lagos und Rio de Janeiro. Den Forschern zufolge ist der unaufhaltsame Verlust der Antarktis nur mit striktem Klimaschutz zu verhindern: 97 Prozent der Rohstoffe müssten im Boden bleiben; die Erwärmung wäre dann auf zwei Grad begrenzt.