Intelligenz Kinder mit geringerem IQ neigen später eher zum Rassismus

Menschen mit geringerer Intelligenz liebäugeln eher mit politischen Meinungen vom rechten Rand. Die spätere Einstellung lässt sich schon im Kindesalter ablesen, haben Langzeitbeobachtungen in Großbritannien ergeben.

Von Sebastian Herrmann

Die Einstellungen eines Menschen lassen sich bereits im Kindesalter vorhersagen. Wer als Zehnjähriger in Intelligenztests schlecht abschneidet, pflegt als Erwachsener eher rassistische Vorurteile, berichten Psychologen um Gordon Hodson von der Brock University in Kanada (Psychological Science, online).

Rechts-konservative politische Anschauungen spielten dabei die Rolle als Katalysator, argumentieren die Psychologen: Menschen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten neigten eher politischen Meinungen vom rechten Rand zu, "weil diese Stabilität und Ordnung im psychologischen Sinne bieten". Da diese Ideologien den Erhalt des Status quo betonten, förderten sie Vorurteile gegen andere soziale Gruppen, die diesen vermeintlich gefährdeten. Die Psychologen analysierten Daten aus zwei Langzeitstudien mit etwa 16.000 Briten.

In einer zweiten Studie untersuchten die Psychologen die Einstellung von etwa 250 US-Studenten zur Homosexualität. Je geringer die Fähigkeit der Probanden zu abstraktem Denken war, desto heftiger fiel auch die Ablehnung gegen Homosexuelle aus. Die Neigung zu rechtslastigem, autoritärem Gedankengut verstärkte die Korrelation deutlich.

Schon länger ist bekannt, dass die politische Einstellung von Menschen mit deren Intelligenzquotienten (IQ) einhergeht. Der Psychologe Satoshi Kanazawa von der London School of Economics veröffentlichte vor zwei Jahren eine Analyse, die er aus Daten von 15.000 Teilnehmern einer amerikanischen Langzeitstudie gewonnen hatte. Wer sich darin als "sehr konservativ" bezeichnete, erzielte im Schnitt einen IQ von 95, also fünf Punkte unter dem Durchschnitt. Wer sich hingegen als politisch "sehr progressiv" bezeichnete, kam im Schnitt auf einen IQ von 106.

Einen weiteren Hinweis darauf, wie unterschiedlich Menschen mit verschiedenen politischen Einstellungen sein können, liefern Psychologen um Mike Dodd von der Universität Nebraska-Lincoln im Fachblatt Philosophical Transactions of the Royal Society B (online). Sie beobachteten die physiologischen Reaktionen von Probanden, während diese Bilder betrachten mussten. Politisch Progressive reagierten eher auf positiv gefärbte Darstellungen, die konservativen Teilnehmer waren hingegen vor allem auf negative Bilder fixiert. Auch diese Ergebnisse lassen sich im Sinne von Hodson interpretieren: Wie zahlreiche Studien gezeigt haben, sind Konservative misstrauischer als Progressive. Je weniger ein Mensch sich - wegen geringerer kognitiver Fähigkeiten - in einen anderen hineinversetzen kann, desto eher reagiert er eben mit Ablehnung.