Greenpeace zu Schadstoffen in der Kleidung Zweifelhafte Zwirne

Ob C&A oder Armani: In Kleidungsstücken von 20 großen Modemarken fanden Greenpeace-Tester Umweltgifte. Die Waschmaschine spült diese Chemikalien in heimische Gewässer - mit unabsehbaren Folgen.

Greenpeace prangert auf verschiedene Arten den Einsatz von Umweltgiften in der Modeindustrie an - so auch mit der Modenschau "Toxic Threads" in China. 

(Foto: REUTERS)

Deutsche Verbraucher besitzen heute viermal so viel Kleidung wie noch 1980. All die Kleider, T-Shirts und Hosen mögen das Selbstbewusstsein heben. Die Umwelt dagegen leidet unter den immer neuen Mode-Diktaten.

Denn egal ob C&A oder Armani: Internationale Modehäuser setzen bei der Herstellung von Kleidung giftige Chemikalien ein, die an den Produktionsstandorten, aber auch in Deutschland in Gewässer gelangen, wie eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace ergab.

Die Organisation untersuchte 141 Kleidungsstücke, gekauft in 29 Ländern, von internationalen Modemarken wie Armani, Benetton, C&A, Calvin Klein, Diesel, Esprit, Gap, H&M, Tommy Hilfiger, Vero Moda und Zara. Hergestellt wurden die Textilien in 18 Ländern, überwiegend auf der südlichen Erdhalbkugel.

In der Kleidung aller 20 untersuchten Modemarken fanden Tester Nonylphenolethoxylate (NPE). Die in der EU weitgehend verbotene Chemikalie wird zu Nonylphenol abgebaut. Die Substanz ist nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor allem für Wasserorganismen giftig. "Bei Menschen greift sie in den Hormonhaushalt ein", sagte Jörg Feldmann, Sprecher der Bundesanstalt. "Weil sie sich anreichert, steht sie auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe." Die Grenzwerte wurden laut Greenpeace nicht überschritten. Doch geringe NPE-Konzentrationen müssen nicht heißen, dass nur kleine Mengen des Schadstoffs bei der Fertigung eingesetzt wurden. Das meiste NPE gelangt bei der Herstellung in die Umwelt, im fertigen Produkt sind dann nur noch Spuren nachweisbar.

Einige Kleidungsstücke enthielten laut Greenpeace auch gesundheitsschädigende Phthalate in hoher Konzentration. Solche Chemikalien können den Hormonhaushalt stören und möglicherweise zu Unfruchtbarkeit führen. Sie sind vor allem in Aufdrucken wie Bildern oder Logos zu finden, wo sie offenbar als Weichmacher dienen. Im Laufe der Zeit können sie dort freigesetzt werden - und so ebenfalls ins Wasser gelangen. In zwei Kleidungsstücken fanden die Tester Amine, die in höheren Konzentrationen Krebs auslösen können. Allerdings lagen die gemessenen Werte unter dem EU-Grenzwert.

"Modemarken missbrauchen weltweit Flüsse als private Abwasserkanäle und verschmutzen so das Trinkwasser von Millionen Menschen", kritisierte die Chemie-Expertin von Greenpeace, Christiane Huxdorff.