Besorgniserregend sind diese Zahlen, weil Forscher ständig neue Belege dafür finden, wie giftig der Plastikmüll ist. Jüngstes Beispiel ist eine Studie japanischer Chemiker, die gezeigt haben, dass sich Plastikmüll im Meer innerhalb eines Jahres in seine Bestandteile zersetzen kann. Das klingt zwar zunächst so, als würde sich das Müllproblem damit von selbst lösen, tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Während des Abbaus werden giftige Stoffe frei, unter anderen verschiedene Styrol-Verbindungen, die im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen.
(© SZ-Karte: Illona Burgarth; Quelle: Algalita Marine Research Foundation)
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Auch den umstrittenen Weichmacher BisphenolA, der den Hormonhaushalt von Mensch und Tier beeinflussen kann, hätten sie in den Proben nachgewiesen, sagte Studienleiter Katsuhiko Saido während des Treffens der American Chemical Society in Washington. Für die Untersuchung hatte sein Team den Abbau von Plastikprodukten unter Bedingungen simuliert, wie sie auch im Meer herrschen, zum Beispiel bei einer niedrigen Wassertemperatur.
Plastikabfälle im Magen
"Das macht einem Angst", sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack, der den bunten Müllberg unter Wasser selbst schon auf Tauchgängen inspiziert hat. Er und seine Kollegen wissen bereits aus früheren Studien um einige der Gefahren, die der Plastikmüll für Meeresbewohner bedeutet. Da waren in den sechziger Jahren diese Albatrosküken, die zuhauf an den Stränden herumlagen. Verhungert, obwohl ihr Magen prall gefüllt war - mit Plastikabfällen.
In Stichproben fanden Forscher damals in 40 Prozent aller untersuchten Vögel Plastik im Magen. 40 Jahre später waren es 98 Prozent. Nach Unep-Angaben sterben heute jährlich eine Million Seevögel an den Folgen ihrer Plastikmahlzeit.
Wind, Wellen und die UV-Strahlen der Sonne zermahlen mit der Zeit die Kunststoffteile, die nicht sofort im Vogelmagen landen. Doch sind die oft kaum noch sichtbaren Stückchen nicht weniger schädlich. Der britische Meeresökologe Richard Thompson hat vor einigen Jahren herausgefunden, dass auch Muscheln, Würmer und andere Meeresbewohner winzige Plastikteile fressen und dann in ihr Körpergewebe einbauen. Das wird ihnen und damit allen weiteren Mitgliedern der marinen Nahrungskette zum Verhängnis, weil sich giftige Substanzen wie DDT und polychlorierte Biphenyle (PCB) an den Kunststoffpartikeln anreichern.
Bis zu eine Million Mal höher als im Umgebungswasser war die Konzentration dieser Chemikalien an den Plastikteilen, hat der Geochemiker Hideshige Takada von der Universität Tokio ermittelt.
"Wir müssen dringend etwas unternehmen", fordert daher Meeresbiologe Maack. Die Idee seines Kollegen Jim Dufour, der im Rahmen einer Expedition den Müll mit Netzen aus dem Meer fischen will, hält er allerdings für reine "Symptombekämpfung, die wie in der Medizin das Problem nicht langfristig löst." Aber lässt sich das Problem überhaupt an der Wurzel packen? "Höchstens mit Kunststoffen, die statt Erdöl zum Beispiel Maisstärke als Ausgangsstoff nutzen", sagt Maack. Zahlreiche Forschergruppen basteln bereits an biologisch abbaubaren Kunststoffen, serienreif und auch nur annähernd so billig wie normale Kunststoffe ist jedoch noch kein Produkt.
Es sieht also ganz danach aus, als sollte der Segler und Chemiker Charles Moore für lange Zeit Recht behalten, wenn er sagt: "Ich bin davon überzeugt, dass das hervorstechendste Merkmal der Meeresoberflächen dieser Welt der Plastikmüll ist."
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(SZ vom 25.08.2009/cf/gal)
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Kunststoffe sind und bleiben Polymere. Sie lassen sich anhand der physikalischen Einwirkungen zerkleinern. Dass sie sich im Meer zu "Gift" zersetzen sollen, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Hierzu ist eine präzisiere Erläuterung erforderlich.
Sollte es tatsächlich so sein, dass sich an Kunststoffen DDT, PCB und dgl. anreichern wäre das m.E. eine positive Eigenschaf, die man sich vielleicht sogar zunutze machen könnte um diese Schadsotffe aus der Umwelt zu eleiminieren.
Weiterhin sei angemerkt, dass Kunststoffe Energieträger sind. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, anstelle von fossilen Brennsoffen den Kunststoffmüll aus den Meeren zu verheizen und damit die natürlichen Resourcen zu schonen.
könnte man viel ändern. Aber irgendwie ist da der Wille verschwunden. In den 80 iger Jahren war jeder noch geschockt über das Waldsterben, aber über die größte Umweltsauerei EVER liest man seit ein paar Jahren nur hin und wieder einen kleinen Artikel in der Wissensabteilung.
Was die Beseitigung von Müll angeht, ist die Menschheit irgendwie blind.
Sehr traurig.
Warum ist mein Beitrag verschwunden?
Er handelte u.a. davon, dass der Kunststoffmüll Energieträger ist und als Energiequelle genutzt werden könnte.
@ alle, die vorschlagen, den Müll mit einer zweckgeänderten Fischereiflotte und ihren Netzen 'einzufangen' - das ist eine schöne Idee, aber scheinbar nicht sehr weit gedacht.
Abgesehen von der Geldfrage und welches Land denn diese schöne Fracht löschen würde (einzige Möglichkeit wohl Müllverbrennungsanlagen wo heute Fischfabriken stehen), ist die Grössenordnung absurd!
Der Artikel zitiert einen UN Bericht, wonach schätzungsweise 100.000.000 tonnen Müll schon umher schwimmen.
Nehmen wir an, ein Fischerboot kann 40 Tonnen aufnehmen (die Zahl wahrscheinlich eher überdurchschnittlich, denke ich, habe das aus nur einem Bericht).
Das hiesse 2.500.000 Fahrten wären notwendig.
Nehmen wir an, man hat 1.000 Schiffe für die Müllbeseitigung zur Verfügung.
Dann sind das 2.500 Fahrten pro Schiff.
Wenn jedes Schiff eine Fahrt pro 2 Wochen macht (wir reden hier von den Distanzen über Weltmeere) und diese Arbeitszeit ununterbrochen einhält (keine Wetterstörungen, keine Wartung, usw), dann braucht jedes der 2.500 Schiffe 96 Jahre! bis der Treibmüll beseitigt ist.
Dazu kommen Löhne, Wartung, Unmengen Schiffsdiesel und zuviele andere solche geldverschlingenden Faktoren. Und die Annahme, dass kein weiterer Müll dazukommt.
Es sind, leider, kaum angehbare Grössenordnungen.
Unabhängig davon bin ich wie viele hier der Meinung, dass die Fischfangflotten der Welt radikal verringert werden müssen oder sie haben bald, geplant oder ungeplant, nur noch Müll in ihren Netzen.
Kunststoffe sind und bleiben Polymere. Sie lassen sich anhand der physikalischen Einwirkungen zerkleinern. Dass sie sich im Meer zu "Gift" zersetzen sollen, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Hierzu ist eine präzisiere Erläuterung erforderlich.
Sollte es tatsächlich so sein, dass sich an Kunststoffen DDT, PCB und dgl. anreichern wäre das m.E. eine positive Eigenschaf, die man sich vielleicht sogar zunutze machen könnte um diese Schadsotffe aus der Umwelt zu eleiminieren.
Weiterhin sei angemerkt, dass Kunststoffe Energieträger sind. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, anstelle von fossilen Brennsoffen den Kunststoffmüll aus den Meeren zu verheizen und damit die natürlichen Resourcen zu schonen.
meine Frage an die Autoren des Beitrages: welche Absicht verfolgt dieser Artikel?
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