Geschichte Alte Karte dokumentiert Konflikte zwischen Azteken und Spaniern

Typisch für aztekische Künstler: die Darstellung der Menschen und Pflanzen.

(Foto: Library of Congress.)

Das Werk ist eines der wichtigsten Manuskripte aus der Ära der frühen spanischen Kolonisation. Sie war über 100 Jahre unter Verschluss.

Von Christian Weber

Endlich mal eine gute Nachricht in Zeiten, in denen anonyme Superreiche bedeutende Kunstwerke für dreistellige Millionenbeträge für das Wohnzimmer oder den Tresor ersteigern: Die Library of Congress in Washington D. C., die größte Bibliothek der Welt, hat vor einigen Monaten den sogenannten Codex Quetzalecatzin von einem privaten Sammler in Frankreich zu einem unbekannten Preis ersteigert, restauriert und digitalisiert.

Bei dem 90 mal 73 Zentimeter großen Werk handelt es sich um eines der wichtigsten mesoamerikanischen Manuskripte aus der Ära der frühen spanischen Kolonisation, eine Karte der Region zwischen dem heutigen Mexico City und der Stadt Puebla. Nun können Öffentlichkeit und Wissenschaftler das Werk zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert wieder ansehen und erforschen.

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Vermutlich ein indigener Künstler hat den Codex zwischen 1570 und 1595 gezeichnet, mit den damals üblichen natürlichen Pigmenten und Farben. Auffallend für den Betrachter ist das leuchtende Maya-Blau, gemischt aus dem Mineral Palygorskit, Indigo und einem Baumharz. Bei den roten Farbtönen handelt es sich um sogenanntes Karmin, das in Süd- und Mittelamerika aus Cochenille-Schildläusen hergestellt wurde, die auf Kakteen leben.

Für eine indigene Urheberschaft des Codex Quetzalecatzin sprechen unter anderem Bildelemente, wie sie in prähispanischen Zeiten üblich waren, etwa typische Symbole für die Flüsse, Straßen und Wege, die Darstellungsweise der Berge, Menschen und Pflanzen, außerdem natürlich die Hieroglyphen, wie sie unter den Azteken üblich waren. Umgekehrt deutet etwa die Darstellung von Kirchen sowie Randbemerkungen und Namen in lateinischer Schrift für die Entstehung in der neu angebrochenen Kolonialzeit. So finden sich auf der Karte etwa die Namen "don Alonso" und "don Matheo". Nach Ansicht des Kurators John Hessler von der Library of Congress waren das die Namen einheimischer Führer, die von den Konquistadoren christlich getauft worden waren und auch von ihnen als Teil einer einheimischen Adels-Elite akzeptiert waren.

Die einheimischen Führer wollten ihre Territorialansprüche gegen die Spanier dokumentieren

Dennoch kündet der Codex nicht von einem friedlichen Zusammenleben von Azteken und Spaniern. Er stammt im Gegenteil aus einer Zeit großer Spannungen, wie John Hessler in einem Blog-Beitrag berichtet. Die spanischen Eroberer ließen nämlich Landkarten vor allem anfertigen, um die Ressourcen des großen Landes zu erfassen und auszubeuten. Die ursprünglichen Einwohner hingegen wollten auf die gleiche Weise ihre territorialen Wünsche dokumentieren.

So kündet die Landkarte nach Ansicht der Forscher von den Ansprüchen einer Adelsfamilie, die über ein riesiges Territorium südwestlich von Mexico City herrschte. Ob sie es gegenüber den Eroberern verteidigen konnten, darüber lässt sich heute nur spekulieren.

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