Sie verdrängt die restliche Welt, legt die Vernunft lahm und lässt keinen Platz für das Gebet: Die Wollust überwältigt den Menschen wie keine andere Emotion. Von jeher wird das Gefühl deshalb kontrolliert.
Annemarie arbeitet als Erzieherin und will gerne als Prinzessin wiedergeboren werden. Männer, die nerven, mag sie nicht. Wer ihre Aufmerksamkeit erobern will, der sollte es verstehen, heiß zu tanzen. Und mit ihrem Nacktfoto auf der ersten Seite der Bild-Zeitung, so ist dem Fragebogen zu entnehmen, überrascht Annemarie ihren Großvater.
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Die biblische Geschichte der Susanna im Bade, der zwei alte Richter nachsteigen, hat Maler vieler Epochen fasziniert. Hier die Interpretation durch Alessandro Allori von 1607. Das Gemälde kündet womöglich von doppelter Wollust: die der Alten und die des Künstlers, der gern ein Nacktmodell im Atelier hatte. (© oh)
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Für diesen Text hier ist aber eine andere Frage relevant, die den Nackigen von nebenan in der berühmtesten Rubrik der Bild-Zeitung regelmäßig gestellt wird: Wie denn Sex ohne Liebe für sie wäre? "Kann auch schön sein", antwortet Annemarie und bricht scheu eine Lanze für die Wollust - dieses mächtige Gefühl, um das Philosophen, Moralapostel, Wissenschaftler und der ganze Rest der Menschheit seit Ewigkeiten so ein Gewese veranstalten.
Was begründet das ganze aufgeregte Gebrüll rund um die Wollust? Ihre Konsequenzen und Bedeutung: Die sexuelle Begierde erfüllt die wichtigste Funktion, die ein Gefühl ausüben kann. Sie sichert ganz unmittelbar die Arterhaltung des Menschen, indem sie für Nachwuchs sorgt. Um das einzusehen, musste nicht einmal die Disziplin der Evolutionspsychologie erfunden werden.
Doch eine so essentielle Aufgabe erfordert einen starken Antrieb, und kaum ein Gefühl aus dem Köcher der Emotionen überwältigt den Menschen so sehr wie die Wollust - genau das ist das Problem. Das sexuelle Verlangen und die Wollust fegen ungestüm und unbeherrscht die Vernunft zur Seite und stürzen den Menschen zurück ins Reich der Tiere. Der Körper übernimmt das Regiment und drängt den Geist zurück. "Der Orgasmus unterbindet das Denken", schreibt der britische Philosoph Simon Blackburn in seinem Buch "Wollust. Die schönste Todsünde".
Durchsetzt von Ekel und Scham
In die Wollust mischt sich ein ganzer Strauß anderer Gefühle, denen der Menschen entsetzt oder entzückt und immer hilflos gegenübersteht. Sie ist durchsetzt von Ekel angesichts eigener und fremder Körperflüssigkeiten, von Scham angesichts des Kontrollverlusts samt seltsamen Spasmen und Verrenkungen. Zugleich verspricht die Wollust die höchste Ekstase, die der Mensch zu erreichen imstande ist. Die Natur degradiert ihn zum Trottel und entschädigt durch große Lust.
Die Begierde ist der dunkle Partner der Liebe, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Spaziert ein Pärchen innig umarmt durch einen Park, dann lächeln die meisten Menschen. "Liebe erhält den Applaus der ganzen Welt", sagt Simon Blackburn. Über Paare, die im Gebüsch beim Geschlechtsakt erwischt werden, rümpft die ganze Welt die Nase.
Die Wollust verdrängt die restliche Welt, legt die Vernunft lahm und lässt keinen Platz für das Gebet. Stets sei es deshalb ein Anliegen der Menschen gewesen, die Wollust zu kontrollieren und zurückzudrängen, schreibt Simon Blackburn. Der griechische Philosoph Platon forderte die Einschränkung des Gefühls. Die Wollust sei schändlich, und den Vergnügungen der Sexualität zu erliegen sei deshalb eigentlich immer eine Art von Versagen.
Plinius der Ältere erhob in diesem Zuge den Elefanten zum Symbol der Tugendhaftigkeit. Die Dickhäuter, so fabulierte der Römer, kopulierten höchstens alle zwei Jahre, nur im Verborgenen und nie zu ihrem Vergnügen. Mann und Frau sollten den edlen Tieren nacheifern, wünschte sich Plinius. Auch Seneca forderte, der Wollust dürfe nur zur Zeugung nachgegeben werden. Der von sexuellen Schuldgefühlen geplagte Kirchenvater Augustinus - er hatte Frau und Kind sitzenlassen - verhalf der Idee in der abendländischen Kultur zum Durchbruch.
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direkt neben Ratzinger abgebildet wird, kann es sich nur um die Gossenpresse handeln. Spring´er auf den Zug des schlechtmöglichen Geschmakes!
Abgesehen davon ist feindosierte Wollust eine schöne Sache, die nicht zu Markte getragen gehört! Aber das Hören, Kai D., ist ja nicht Deine Stärke!
Freiheit kann als Abwesenheit äußerer, innerer oder durch Menschen oder Institutionen (Staat, Gesellschaft, Kirchen) bedingter Zwänge verstanden werden.
Durch seine Unwissenheit, Unverständnis und sexuellen Exzesse beeinflusst, tendierten vorzeiten Menschen zu einer gewissen Naturfeindlichkeit. Plinius der Ältere, Seneca und Augustinus hatten Schwierigkeiten mit der Einordnung der menschlichen Sexualität und tendierten zu Extremen.
Diese Neigung setzte sich leider auch immer mehr bei der Kirche durch, wo die Wollust zu den sieben Hauptlastern gehörte. Das führte im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit dazu, das kirchlicherseits immer wieder den vermeintlichen Ketzern und Hexen Wollust unterstellt wurde, mit den bekannten furchtbaren Folgen für die Angeklagten.
Vernunft in der Bedeutung von vernünftigem Handeln, also das rechte Maß, sind wohl gute Wegbegleiter beim Umgang mit diversen Genüssen.
So gesehen ist eine liebevolle Kuschelei doch eine angenehme und auch entspannende Angelegenheit. Und –religiöser Fanatismus schadet nur.
Früher durfte Wollust nur geregelt genossen werden.
Heute darf man wie man will...(nicht wirklich)
Naja, das die Wollust früher unterdrückt wurde hatte nicht unbedingt mit verklemmtem Sexualverhalten zu tun.
Um nicht den Blick für das Wichtige zu verlieren und sich vollends gehen zu lassen, gestand man sich eben nicht alles zu.
Was macht man heute?
Um sich nicht gehen zu lassen und sein Leben zu regeln unterwirft man sich anderen Geißeln. Man treibt Sport und achtet auf die Figur, auch gern exzessiv. Man redet sich ein das wäre sportlich, gesund und brächte ewige Jugend.
Menschen die außerhalb der eigenen Wände beim rauchen, schlemmen und genießen überrascht werden, erleben das gleiche wie Paare in Büschen.
Menschen schaffen sich zu jeder Zeit ihre Geißeln. Wer zu viel genießt verliert womöglich die Kontrolle und lässt sich gehen, denken sie. ;)
Die Wollust nicht allein, nicht nur auf den einen Bereich beschränkt: das Projekt Stuttgart21 könnte auch aus der W o l l u s t von einigen wenigen heraus geboren worden sein.
Der Behördenapparat dient vor allem auch der W o l l u s t . Die Maskeraden und Kostüme sollen einem den Blick nicht verstellen. Und die sich des Projektes bedienenden GRÜNEN (man erinnere sich ihrer zwielspältigen Herrschaft von 1998 bis 2005) sind nicht abwesend, sind nicht abstinent. Das Projekt – die Politik lässt einen nicht los – das Projekt Stuttgart21 ist ein Wollustprojekt, eines des T e u f e l s , welcher u.a. dreihundert Jahre alte Bäume, Stätten der Kultur schleifen lässt.
Deutschland ein Terrain dieses dunklen Herrn. Es bestehen keine Zweifel an seiner Herrschaft. Dabei spielt es keine Rolle, unter welcher Maske.
cc.