Für das Experiment beobachteten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität ihrer Probanden per Kernspin. Dazu legten sie diese in zwei nebeneinander stehende Tomographen und setzten ihnen Video-Brillen auf. Die Displays zeigten einen Haufen Punkte, deren Anzahl die Studienteilnehmer per Joystick schätzen sollten. Anschließend gaben die Mini-Bildschirme an, ob die zwei Spieler richtig geraten hatten - und welche Geldsumme jeder der beiden dafür erhalten würde. Doch selbst wenn beide richtig lagen, gewann mal der eine, mal der andere mehr Geld.
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Der Vergleich mit dem Verlierer stimulierte offenbar einen Teil des Belohnungszentrums im Gehirn des Gewinners, das sogenannte ventrale Striatum. Wer einen höheren Betrag erhielt als sein Kontrahent, zeigte dort eine vermehrte Aktivität. Die Region flackerte hingegen nicht auf, wenn sich ein Proband mit einer niedrigeren Summe abfinden musste als der Gegner. Bekamen beide gleich viel, blieb das Belohnungszentrum auf den Kernspinbildern ebenfalls stumm.
Falk sieht in diesen Resultaten einen Beleg für seine These, dass Menschen Belohnungen immer im Vergleich sehen. Es geht darum, mehr als der andere zu haben. Erhält jemand eine Gehaltserhöhung über 500 Euro, kann er sich darüber noch so freuen - sobald er erfährt, dass das Gehalt des Kollegen um 1000 Euro steigen soll, wird er nicht mehr zufrieden sein. Besser fühlt sich der Kollege.
Hier zeigt sich, dass sich die Außenwahrnehmung eines Gefühls auch verändern kann. Mag sein, dass viele Menschen vor allem in früheren Zeiten Angst vor dem Neid deranderen hatten - heute führt dieser bei vielen Menschen auch zu einer gewissen Genugtuung. Dem Soziologen Sighard Neckel zufolge genießen es viele Angehörige der Oberschicht sogar, wenn sie wegen ihres Luxuslebens beneidet werden.
Eine solche Einsicht hat wohl auch die Werbeagentur Young & Rubicam dazu veranlasst, den folgenden Slogan zu erfinden: "All you need is envy." Neid ist alles, was du brauchst.
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(SZ vom 03.09.2010/mcs)
Die Vermischung von Neid und Gerechtigkeit halte ich für unseriös. Da wird versucht, etwas auf Biegen und Brechen in einen Sack zu stecken nach der Devise: „Gerechtigkeitsgefühl und Neid wachsen auf einem Holz“ . Es ist anzunehmen, dass hier in Wirklichkeit das Thema „Sozialneid“, diese schreckliche Wortschöpfung neoliberaler Hirne bedient werden soll, um sich die eventuell dann doch leicht aufflackernden Schuldgefühle vom Hals zu halten und somit freie Fahrt für freie Ausbeuter schaffen zu können. - Lassen wir uns nicht in die Irre führen und verhöhnen: Nicht Neid und Gerechtigkeitkeit gehören zu einer Familie, sondern Neid und Gier einerseits und Gerechtigkeit und Solidarität andererseits.
Nein, es ist kein Neid, wenn wir Gerechtigkeit einfordern und die Gierigen verurteilen. Eine solche Einstellung zeugt vielmehr von hoher sozialer Kompetenz und der Bereitschaft die entsprechende Verantwortung mit zu tragen.