Feinstaubdrama in Griechenland Armut liegt in der Luft

In den Großstädten Griechenlands hat sich die Qualität der Atemluft seit Ausbruch der Wirtschaftskrise drastisch verschlechtert, wie ein US-Forscherteam herausgefunden hat. Warum die Feinstaubbelastung eine direkte Folge der wachsenden Armut ist.

Von Christian Weber

Die Finanzkrise in Griechenland macht sich mittlerweile auch in der Umwelt bemerkbar: Die Qualität der Atemluft hat sich in den vergangenen Jahren zumindest in den Großstädten dramatisch verschlechtert, berichtet ein Forscherteam um Arian Saffari und Constantinos Sioutas von der University of Southern California im Fachmagazin Environmental Science & Technology (Bd. 47, S. 13313, 2013).

Die Wissenschaftler hatten im Winter 2012 und im beginnenden Winter dieses Jahres mehrmals Luftproben in Thessaloniki genommen und bei der Analyse festgestellt, dass insbesondere die Konzentration von Kleinstpartikeln um 30 Prozent zugenommen hat im Vergleich zu der Zeit vor der Krise. Diese Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer - das entspricht ungefähr dem Dreißigstel eines Haardurchmessers - gelten als besonders gesundheitsgefährlich, weil sie tief ins Lungengewebe vordringen. Sie können Herz- und Atemwegserkrankungen verursachen.

"Die Menschen wollen es warm haben, kämpfen aber mit hoher Arbeitslosigkeit und wachsenden Brennstoffkosten", erklärt Studienautor Sioutas. Die Folge sei, dass sie zunehmend minderwertige Materialien verfeuern, etwa Holz und Müll. Deshalb sei die Konzentration an feinen Partikeln von 26 auf 36 Mikrogramm pro Kubikmeter gestiegen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für diese Schadstoffe einen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. Hinzu kommt, dass sich auch die Konzentration organischer Komponenten in der Luft verdoppelt bis verfünffacht hat, darunter krebserregende Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.