Fachmagazin "Science" Higgs-Teilchen ist Entdeckung des Jahres

Der Umschlag des Magazins Science zeigt Bilder der CMS- und Atlas-Detektoren des Large Hadron Collider (LHC) am Cern bei Genf. Dort ist es 2012 gelungen, das Higgs-Boson aufzuspüren. Für das Fachmagazin ist es der wichtigste wissenschaftliche Durchbruch des Jahres.

(Foto: Maximilien Brice/Claudia Marcelloni/Cern)

Seit fast 50 Jahren gehen Physiker von der Existenz des Higgs-Teilchens aus - im vergangenen Sommer ist es in Messgeräten am Forschungszentrum Cern endlich aufgetaucht.Das Magazin "Science" feiert die Entdeckung als wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2012.

Von Patrick Illinger

Die Zeitschrift Science hat die Entdeckung des Higgs-Teilchens zum wichtigsten wissenschaftlichen Fortschritt des Jahres 2012 erklärt. Das Higgs-Partikel, dessen Existenz bereits vor fast 50 Jahren von Theoretischen Physikern vorhergesagt wurde, war im vergangenen Sommer in Messgeräten des Europäischen Teilchenforschungszentrum Cern aufgetaucht.

Seither haben die Teilchenforscher weitere Daten aus ihrem 27 Kilometer langen, ringförmigen Protonenbeschleuniger analysiert und sind nun sicher, dass es sich um ein sogenanntes Boson handelt. Der Theorie zufolge ist dieses Higgs, wie es Physiker salopp nennen, dafür zuständig, den Grundbausteinen der Materie Masse zu verleihen. Ohne das Higgs-Teilchen könnten Physiker kaum erklären, warum bekannte Partikel wie das Elektron und die Atomkern-Bestandteile so unterschiedlich schwer sind.

Am 4. Juli dieses Jahres berichteten die beiden großen Forschergruppen am Protonenbeschleuniger des Cern noch zurückhaltend über ihren Fund. So sprachen die Forschergruppen damals von "starken Hinweisen", vermieden jedoch den Begriff einer Entdeckung.

Nach der Analyse weiterer Daten aus Milliarden Protonenkollisionen sind die Teilchenphysiker nun sicher, ein neuartiges Partikel gefunden zu haben, dessen Eigenschaften mit dem in den 1960er-Jahren von dem schottischen Physiker Peter Higgs vorhergesagten Higgs-Boson übereinstimmen.

In den vergangenen Monaten hatten die Cern-Physiker ihrem Protonenbeschleuniger noch mal das Äußerste abverlangt. Insgesamt sechs Billiarden Mal wurden in den vergangenen drei Jahren Protonen mit solcher Wucht aufeinander geschossen, dass jede Kollision wie ein kleiner Urknall wirkte.

Ganze 400 dieser Ereignisse zeigten Spuren, die darauf schließen lassen, dass kurzzeitig ein Higgs-Teilchen erzeugt wurde. Nun ist vorerst Schluss mit der Higgs-Suche am Cern. Im nächsten Jahr werden dort Experimente mit Blei-Atomen gemacht. Bis Ende 2014 folgen dann Wartungsarbeiten.