Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit fördert die EU ein Kontrollsystem mit Kameras, Drohnen, Gesichtserkennung, Bildanalyse und der Überwachung von Webseiten. Es soll selbständig "abnormales Verhalten" von Menschen erkennen. Kritiker betrachten es als Gefahr für die Gesellschaft: In der Hand eines Diktators könnte damit jede Opposition im Keim erstickt werden.
Ein Mann stiehlt einer Frau die Handtasche. Doch er kommt nicht weit, eine Kamera hat ihn beobachtet und ein Computer seine Bewegungen analysiert. "Taschendieb", erkennt das System, denn er hat plötzlich die Richtung gewechselt und rennt - ein abnormales Verhalten. Die Polizei lässt Drohnen aufsteigen, die dem Dieb folgen und sein Gesicht scannen. Automatisch sucht eine Software im Internet nach weiteren Informationen und findet den Wohnort. Als er zu Hause ankommt, wartet bereits die Polizei.
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Das EU-Projekt "Indect" (Intelligentes Informationssystem zur Überwachung, Suche und Detektion für die Sicherheit der Bürger in urbaner Umgebung) wird von Kritikern mit Sorge betrachtet. (© dapd)
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Diese Vision könnte wahr werden, sollten Forscher das EU-Projekt "Indect" wie geplant in die Tat umsetzen. Ausgeschrieben und auf Deutsch steht es für "Intelligentes Informationssystem zur Überwachung, Suche und Detektion für die Sicherheit der Bürger in urbaner Umgebung".
Verschiedene Überwachungsmittel wie Kameras, Drohnen, Gesichtserkennung und Bildanalyse wollen die Wissenschaftler zusammenschalten, ebenso wie "Webseiten, Diskussionsforen, Usenet-Gruppen, Dateiserver, Netzwerke und individuelle Computersysteme". Gemäß der Internetseite von Indect fördert die EU das Projekt bis 2013 mit fast elf Millionen Euro.
Neben der Krakauer Uni beteiligen sich die Universität Wuppertal und weitere neun europäische Hochschulen sowie Polizeiapparate und Überwachungstechnik-Hersteller, die so öffentliche Gelder bekommen. Das Ziel: ein "großes, netzwerkorientiertes Sicherheitssystem", um "abnormales Verhalten" frühzeitig zu erkennen.
Stephan Urbach von der Piratenpartei sieht in Indect eine Gefahr für die Gesellschaft. "Die bunte Gesellschaft wird so zu einer grauen Masse, jeder soll da irgendwie reingedrückt werden", klagt Urbach. Er nennt Indect eine "Gedankenpolizei".
Der Vergleich mit dieser von George Orwell erfundenen Behörde ist jedoch falsch. Denn während in dem Buch "1984" Menschen am anderen Ende der sogenannten Televisoren sitzen, beobachtet bei Indect eine Software, wie sich die Menschen verhalten. Die derzeitigen Kameras in Bahnen und Städten dienten vor allem der Reproduktion von Vorfällen, sagt Urbach, keiner starre da permanent drauf. "Aber eine Maschine kann alle Bürger zu jedem Zeitpunkt erfassen."
Man kann sich Indect vorstellen wie einen allwissenden, künstlichen Polizisten. Seine Augen, das sind Überwachungskameras und fliegende Drohnen, die die deutsche Firma Innotec Data derzeit eigens entwickelt. Sie können etwa Autos durch die Stadt verfolgen. Die Ohren sind zugehörige Mikrofone, die auf Schreie oder Explosionen horchen. Den Instinkt des Polizisten simuliert Indect, indem es gefährliche Situationen und merkwürdiges Verhalten automatisch erkennt.
Der wichtigste Bestandteil des künstlichen Polizisten ist jedoch sein Gehirn. Wie ein menschlicher Kollege kann er sich Gesichter einprägen - etwa von Vorbestraften - und wiedererkennen. Testweise soll hierzu eine biometrische Datenbank aufgebaut werden. Menschlichen Kollegen ist der künstliche Polizist hierbei deutlich überlegen. Er kann eine weitere Quelle anzapfen: das Internet.
"Zusammenhänge über Blogs, Foren oder andere Internetseiten zu erkennen, ist ein Schlüsselfaktor", schreiben dazu beteiligte Forscher von der Universität York. "Denn so können unbekannte Beziehungen zwischen Menschen (wie bekannten Kriminellen) oder zwischen Menschen und Organisationen erkannt werden."
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Zu" Eine Maschiene kann niemanden festnehmen lassen"
Bei der Denkleistung die der Mensch freiwillig macht, wenn ihm ein Computer eine Empfehlung gibt (ich sage nur Navi-Fallen), bleibt sichs dann auch schon gleich, ob die Maschiene die Empfehlung zur verhaftung gibt und der Polizist noch sein servus drunter setzt oder nicht.
Sollte das System aber kommen, werd ich meine Freizeit damit verbringen mich auf belebten Plätzen auffällig zu verhalten.
"Eine Maschine darf niemanden festnehmen lassen"
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Routine-Polizei-Apparate reagieren manchmal genauso wie Maschinen.
In GB gibt es genügend Fälle, wo man ausländisch Aussehende festgenommen hat, nur weil die Kameras 'ausländische Bilder' lieferten. Und dann hat die Polizei noch halbgare Stories über den Kontinent verbreitet, die man später heimlich und leise zurücknehmen musste. *)
Na, warten wir's ab.
Unsere sind jetzt auch ganz geil auf Beschäftigungsanalysen - Dank der V-Leute-Misere.
*) Wie gestern hier das halbgare Gerücht über angeblich geplante Anschläge des Iran auf US-Kasernen in D.
Das wurde abends total zurückgenommen - versteckt in Nebenmeldungen.
Jemandem aufgefallen ?
Herr Behrens - ich habe nicht feststellen können, daß die SZ dieses Thema je kritisch begleitet hat. Fassen Sie sich an Ihre eigene Nase!
Da hat mich doch tatsächlich vor ein paar Tagen hier im Forum jemand gefragt, weshalb ich glaube, dass der Staat mit weniger Budget auskommen kann.
Hier ist die Antwort:
Big Brother braucht niemand!
Ein schlanker Staat hat kein Geld für so einen Schwachsinn!
...eines jeden Machtapparats wird wahr - totale Überwachung. Wenn aber Maschinen die Kontrolle übernehmen wird es eng. Ich wünsche mir bei solchen Systemen, das ein Hacker diese mal so umprogrammiert, das das System anfängt Politiker, Grossindustrielle, Bankster und die Geheimdienste zu bespitzeln und ggf. zu verhaften - das wäre mal eine gesellschaftspolitisch sinnvolle Verwendung...
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