Erderwärmung Die Welt verfehlt die Klimaziele

Maximal zwei Grad mehr im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter - auf dieses Ziel hatte sich die Weltgemeinschaft geeinigt. Doch ohne einschneidende Maßnahmen wird der Temperaturanstieg höher ausfallen, warnt das UN-Umweltprogramm Unep.

Die Welt entfernt sich immer weiter von ihrem politisch vereinbarten Klimaschutzziel. Eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter sei ohne einschneidende Maßnahmen nicht zu erreichen, mahnt das UN-Umweltprogramm Unep, das in London seinen Klima-Bericht "Emissions Gap Report 2012" vorlegte.

Ohne massive Einschnitte werde der Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 voraussichtlich auf 58 Gigatonnen steigen, sagte Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, dürften es nach früheren Studien aber höchstens 44 Gigatonnen sein.

"Es gibt Zweifel, dass die Regierungen ihre Versprechen in international verlässliche Regelungen umsetzen", heißt es in dem Bericht, der von 55 Forschern aus 22 Ländern zusammengetragen wurde. Anstatt zu sinken, sei der globale Ausstoß an Treibhausgasen seit dem Jahr 2000 jedoch um etwa 20 Prozent gestiegen.

Eine globale Erwärmung um zwei Grad gilt als gerade noch verträglich, damit sich Mensch und Natur an den Klimawandel anpassen können. Einige Forscher setzen die Grenze sogar bei 1,5 Grad Erwärmung.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den Unep-Bericht als ein "Alarmsignal an die Weltgemeinschaft". Er zeige, dass die bisher von rund 60 Staaten zugesagten Emissionsreduktionsziele nicht ausreichten, um die sogenannte "Zwei-Grad-Grenze" zu halten.

Der Bericht unterstreiche die Notwendigkeit, bei der in den kommenden zwei Wochen in Doha tagenden Weltklimakonferenz eine drastische Reduzierung der globalen Treibhausgas-Emissionen zu vereinbaren. Erforderlich sei auch, dass sich mehr Staaten als bisher zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichten, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

"Die Welt gerät unter Zeitdruck. Auf ein neues globales Klimaschutzabkommen darf nicht länger gewartet werden. Liefern müssen vor allem die Industriestaaten. Sie müssen vorangehen und in Doha eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls beschließen" .

Dazu gehörten strengere Ziele und wirksamere Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase als bisher zugesagt. Aber auch arabische und asiatische Staaten, die zu den Klimasündern gehörten und große Einsparpotentiale hätten, müssten ihre Verantwortung wahrnehmen und sich in Doha zu ehrgeizigen CO2-Minderungen bekennen.

"Die Wende hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft ist möglich", sagte Weiger. "Der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz in Industrie und Haushalten, die Einsparpotentiale im Verkehr und bei Gebäuden, überall gibt es große Potentiale für eine klimafreundliche Energiewende. Deutschland muss bei der Klimakonferenz in Doha möglichst viele Länder motivieren, entsprechende Klimaschutzmaßnahmen in Angriff zu nehmen."