Bio-Plastik Essbare Verpackung aus Milch soll Plastik-Flut eindämmen

Forscher haben eine Folie aus Milch erfunden, die man auch essen kann. Lebensmittel kann die Bio-Verpackung besser schützen als herkömmliches Plastik.

Von Christoph Behrens

Die Folien, die den Käse umhüllen, sehen aus wie gewöhnliches Plastik. Dünn, durchsichtig, leicht glänzend schmiegen sie sich um das Lebensmittel. Doch die Verpackung ist grundlegend anders als normales Polyethylen. Wie der Käse selbst, den sie verpackt, wird die Folie aus Milch hergestellt, genauer gesagt aus einer Mischung verschiedener Milch-Proteine. Forscher des US-Landwirtschaftsministeriums haben die neuartige Verpackung nun vorgestellt. Sie sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch essbar.

Herkömmliche Lebensmittelverpackungen werden meist aus Erdöl gewonnen. Die Verarbeitung des Rohöls ist energieintensiv, die natürlichen Öl-Vorkommen sind begrenzt. Plastikmüll gehört mittlerweile zu den global gravierendsten Umweltproblemen, alleine in die Ozeane gelangen nach aktuellen Schätzungen jährlich etwa acht Millionen Tonnen Kunststoff. Da er sich auf natürlichem Weg kaum zersetzt, reichern sich die Plastikteilchen häufig in der Nahrungskette an.

Für ihre biologische Alternative nutzen die US-Forscher die in Milch enthaltenen Casein-Proteine. Die komplexen Eiweiße ließen sich, ebenso wie Kohlenwasserstoffe aus Erdöl, zu einem dichten Netzwerk verbinden. Die so geschaffene Barriere halte Sauerstoff 500 Mal besser von Lebensmitteln fern als das Pendant aus Erdöl - eine entscheidende Eigenschaft, denn dadurch bleiben die Nahrungsmittel haltbar.

Zwar gibt es bereits vereinzelt biokompatibles Plastik, das meist aus Stärke hergestellt wird. Doch die Prototypen sind bislang recht porös und weisen Sauerstoff schlecht ab. Auch die Entwickler des US-Landwirtschaftsministeriums hatten zunächst mit technischen Hürden zu kämpfen - eine frühe Version der Folie löste sich etwa schnell in Wasser auf. Nach der Zugabe von pflanzlichen Pektinen aus Zitrusfrüchten hielt die Folie auch Feuchtigkeit stand - mit der Ausnahme von sehr hohen Temperaturen. Künftig seien auch Zusätze wie Vitamine, Aromen und Nahrungsergänzungsmittel für die Folien denkbar.

Derzeit testen die Lebensmitteltechniker verschiedene Anwendungen. "Zum Beispiel brauchen einzeln verpackte Käsescheiben sehr viel Plastik", erklärt Laetitia Bonaillie, eine der Studien-Autorinnen, in einer Mitteilung der ACS. "Das würden wir gerne in Ordnung bringen." Auch für Instant-Suppen oder löslichen Kaffee sei die Folie geeignet: Nutzer würden den Kaffee dann mitsamt dem Beutel in heißem Wasser auflösen, das wäre auch praktisch für die genaue Dosierung.

Zudem denken die Forscher an ein Casein-Spray für Frühstücksflocken. Cornflakes werden derzeit häufig mit einer Schicht Zucker überzogen, damit sie in Milch knusprig bleiben. Die Casein-Schicht könnte die Knusprigkeit mit weniger Kalorien aufrechterhalten. In Pizzakartons könnte das Casein verhindern, dass sich die Schachteln mit Fett aus der Pizza vollsaugen.

Bis zu diesen Anwendungen ist allerdings noch viel Entwicklungsarbeit nötig. Die komplexen Eiweiße reagieren sensibel auf die Verarbeitung, wie stabil die Folie ausfällt, hängt zudem von der Beschaffenheit der Milch selbst ab. Vor allem muss das Produkt auch günstig sein, damit es kommerziell mithalten kann. Die Technik zur Marktreife zu bringen, wird daher etwas dauern. Die Forschungsgruppe rechnet derzeit damit, dass die Verpackung in etwa drei Jahren im Supermarkt zu finden ist.

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